Rollenspiele

«Menschen wie Dirk: Short Storys» von Julia Kohli

Juli 2021. Menschen wie Dirk. Und Irina. Urs. Diana. Pierre, Samantha und Kurt. Sie reisen mit dem neuen Tattoo nach Mexico, flirten ungeschickt auf Facebook und hassen ihren Flight-Attendant-Job. Im Buch «Menschen wie Dirk» taucht die Zürcher Autorin Julia Kohli kurz, aber intensiv in sieben Leben ein. Scheinbar gnadenlos beschreibt sie, wie sich ihre Protagonistinnen und Protagonisten an den Geschlechterrollen abarbeiten, in Zürich und anderswo.

«Kurt, kannst du dir vorstellen, dass es Frauen auf Stellensuche gibt, vielleicht mit Doktortitel, (…) die diesen Kurs (…) mit Handkuss übernehmen würden? Von denen wir vielleicht auch etwas lernen würden?» Nicht nur Kurt, Dozent an einer Kunstakademie, stellt sich mit «Menschen wie Dirk» die eine oder andere Frage. Sieben schnelle Texte für alle, die zwischen Glace, Ferien und Sommergewitter wieder einmal mit der Gender-Brille auf die Gesellschaft schauen möchten. Zartbesaitete lassen die Short Story «Samantha» besser weg oder greifen gleich zu Julia Kohlis Essay «Die langsame Menschwerdung der Frau» im «Magazin» des «Tages-Anzeigers» vom 24. April.

«Menschen wie Dirk» steht in unserer Turicensia Lounge und im Freihandmagazin, Julia Kohlis Erstling «Böse Delphine» ebenfalls.

Labitzke – eine andere Stadt erproben

«Labitzke Farben: archäologische Untersuchung einer Stadtutopie» von Diana Bärmann

Juni 2021. «Mit Utopie meine ich hier nicht eine Art Schlaraffenland», schreibt Autorin Diana Bärmann, «sondern einen Ort, an dem unterschiedlichste Menschen auf engstem Raum ihren Interessen nachgehen können.» Dieser Ort ist das Areal der ehemaligen Labitzke Farben AG während der Zwischennutzung, die über 20 Jahre dauert und 2014 endet. Einer dieser unterschiedlichsten Menschen ist die Autorin von «Labitzke Farben: archäologische Untersuchung einer Stadtutopie» selbst.

Auf dem Labitzke-Areal trafen Kultur- und Wohnexperimente auf Randgruppen, Kleinunternehmertum und Kunstschaffende. In zahlreichen Interviewpassagen lässt Diana Bärmann Arealnutzende selbst zu Wort kommen. Zusätzliche Perspektiven auf das Sozialexperiment Labitzke eröffnen Textbeiträge von drei weiteren Autorinnen und Autoren sowie eine Objektsammlung in Form von Zeichnungen. Eine Chronik, ein Glossar und ein Faltplan ergänzen und erweitern die vielstimmige Erzählung.

Das bunte Buch mit der offenen Fadenheftung und dem eigenwilligen Faltplan lässt erahnen, wie es sich angefühlt hat, während der Zwischennutzung auf dem Labitzke-Areal zu wohnen, zu arbeiten, seinen Verein zu treffen. «Sie alle», schreibt Diana Bärmann über die ehemaligen Zwischennutzenden, «tragen ein Stück der Utopie weiter, der wir hier für einen Moment ganz nahe gekommen sind.»

«Labitzke Farben: archäologische Untersuchung einer Stadtutopie» steht neu in der Turicensia Lounge. Mehr Lektüre zur Stadtentwicklung von Zürich finden Sie in der Zürcher Bibliographie.

Zucht und Ordnung auf dem Bachtel – ein Stück Sozialgeschichte

«Vom ‹Hof im Chellerloch› zum offenen Freiheitsentzug» herausgegeben von Theo Eugster, Direktor Vollzugseinrichtungen Zürich (VEZ)

Mai 2021. «Det obe» waren die Esel der Schumachers in den Ferien. Dort oben gab es einen Turnplatz, auf dem Barbara Schnyder als Kind gern spielte. Und dort oben flüchtete hin und wieder einer, aber nie ins Dorf, immer Richtung Bahnhof. Im Buch «Vom ‹Hof im Chellerloch› zum offenen Freiheitsentzug» erinnern sich Bewohnerinnen und Bewohner von Ringwil im Zürcher Oberland an das Leben mit der «Kolonie», die heute Vollzugszentrum Bachtel heisst.

Die Historikerin Claudia Fischer-Karrer erzählt die Geschichte des Gefängnisses und verortet dieses im gesellschaftlichen Ganzen. Vor 140 Jahren nimmt die «staatliche Korrektionsanstalt» für Jungen in Ringwil den Betrieb auf. Heute bietet das Vollzugszentrum 94 Haftplätze für erwachsene Männer im offenen Strafvollzug, viele von ihnen verbüssen Ersatzfreiheitsstrafen.

Offener Strafvollzug? Ersatzfreiheitsstrafe? Was das genau ist und wieso es wichtig ist, darauf gehen im ausgiebig bebilderten Band Expertinnen und Experten ein. Porträts von Insassen und Mitarbeitenden eröffnen Einblicke in den Mikrokosmos Gefängnis.  

Das Buch «Vom ‹Hof im Chellerloch› zum offenen Freiheitsentzug» ist anlässlich der Einweihung des Neu- und Erweiterungsbaus entstanden, die mit dem 140-Jahr-Jubiläum zusammenfällt. Es steht in unserer Turicensia Lounge und im Freihandbestand. In der Zürcher Bibliographie finden Sie weitere Lektüre zum Strafvollzug im Kanton Zürich.

Marthalen mon amour

«Fleudebüel, Pfaffeholz und Strick», Marthalen 2020, Signatur: 2021 B 10343

April 2021. Dem «Süüheini» ist in Marthalen, auf dem Feld oberhalb der unteren Mühle, wohl etwas Trauriges oder Lustiges passiert, sonst würde das Stück Land nicht seinen Namen tragen. Was dem Schweinehirten Heini damals wiederfahren ist, hat der Historiker Reinhard Nägeli leider nicht herausgefunden. Sicher ist aber, dass die Marthaler in früheren Zeiten jährlich einen Kuh- und einen Schweinehirten wählten.

In «Fleudebüel, Pfaffeholz und Strick» lässt der Autor Marthaler und Elliker Flur-, Wald- und Ortsnamen sowie die Namen alteingesessener Familien von früher erzählen. Nägeli ist den Geschichten seines Heimat- und Wohnort mit viel Liebe und Sorgfalt auf der Spur und auch der eigene Nachname fehlt nicht im Buch.  

Der Band zeigt das beschauliche Marthalen von früher und heute mit seinen malerischen Feldern, Wäldern und Riegelhäusern. Es ist schön im Zürcher Weinland, unaufgeregt schön. «Fleudebüel, Pfaffeholz und Strick» steht in unserer Turicensia Lounge und in der Zürcher Bibliographie erfahren Sie noch mehr über die Gemeinde Marthalen.

Zürich in Geschichten

«Zürich zum Verweilen», Ditzingen, 2020, Signatur: DA 93882

März 2021. «In der Stadt ist es eigentlich auch nett», sagt das kleine Lotti im Zürcher Jugendbuchklassiker «Die Turnachkinder im Sommer». Mit Auszügen aus dieser und anderen Geschichten zeigt Herausgeber André Gstettenhofer, dass sie mehr als nett ist, die Stadt an der Limmat. Zur Villa Bellerive, in die Josefstrasse und bis nach Oerlikon und Zürich West führt er die Leserinnen und Leser in «Zürich zum Verweilen». In kurzen Einleitungstexten werden die 17 literarischen Schauplätze ganz real.

Von den FKK-Sonnenterrassen in der Badi Tiefenbrunnen, von Ghackets mit Hörnli im Sphères und Franz Hohlers Gedicht auf dem Lindenhof erzählt André Gstettenhofer. Neben Klassikern gibt er auch zeitgenössischen literarischen Stimmen Raum - nicht zuletzt aus seinen eigenen Verlagen Elster & Salis und lectorbooks, zum Beispiel dem Zürcher Schriftsteller Thomas Meyer mit seinem Antihelden Wolkenbruch.  

«Zürich zum Verweilen» ist in der noch jungen Reclam-Reihe «… zum Verweilen» erschienen. Weitere Zürcher Stadtführer finden Sie in unserer Turicensia Lounge und in der Zürcher Bibliographie.

Der umkämpfte Zürcher Wohnungsmarkt – ein Krimi

«Zürcher Filz», Köln, 2020, Signatur: 2021 A 10442

Februar 2021. Bezahlbare Wohnungen sind rar in Zürich – so rar, dass manche dem Glück auf die Sprünge helfen. Als eine reiche Zürcher Immobilienerbin verschwindet, ermitteln Zita Schnyder und Werner Meier auf dem umkämpften Zürcher Wohnungsmarkt. Eine Entführung? Mord? Im Krimi «Zürcher Filz» erfährt das Duo, wie weit die Wohnungsjäger gehen.  

Die Zürcher Autorin Gabriela Kasperski erzählt von einer geheimnisvollen Frau im Park, von herrschaftlichen Villen und einer Stiftung für preisgünstiges Wohnen. «Zürcher Filz» ist ihr sechster Fall mit Schnyder und Meier.

Weitere Zürcher Krimis finden Sie in der Zürcher Bibliographie, in der Dokumentation zur Ausstellung «Gift, Hieb, Stich» und sobald unsere Lesesäle wieder offen sind im Krimi-Regal der Turicensia Lounge.

Das neue Kunsthaus Zürich

«Das neue Kunsthaus Zürich», Zürich, 2020, Signatur: DW 25820

Januar 2021. Fünf Jahre und vier Monate lang war am Heimplatz eine Baustelle. Seit Dezember ist der Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich nun fertig, nächsten Herbst öffnen seine Tore für die Öffentlichkeit.

In «Das neue Kunsthaus Zürich» spricht Museumsdirektor Christoph Becker über das Erweiterungsprojekt, Rahel Fiechter gibt Einblick in ihre Arbeit als Gesamtleiterin der Bauherrschaft und eine Chronik zeichnet den langen Weg von der Idee zum fertigen Gebäude nach. Auch Themen wie Ökologie und die Bedeutung für die Stadt finden einen Platz im schmalen Band. Fotografien lassen die Baustelle, die den Heimplatz so lang geprägt hat, wieder aufleben.

In unserer Turicensia Lounge können Sie in der Publikation blättern. Ausstellungskataloge und weitere Lektüre zum Kunsthaus Zürich finden Sie in der Zürcher Bibliographie.

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