Die Schweiz hat das Beste aller Klimata der Welt!

Meteorologisches Datenblatt Scheuchzers für April 1721, publiziert in: Sammlung von Natur- und Medicin- wie auch hierzu gehörigen Kunst- und Literatur-Geschichten, Winter Quartal 1721, Leipzig und Bautzen 1722, S. 350, ZBZ, NA 3007 (D. H. = Tageszeit; Bar. = Barometer; Th. = Thermometer; Pluv. = Pluviometer; Lim. = Wasserspiegel der Limmat; Venti = Winde).

Johann Jakob Scheuchzer (1672–1733) zum 350. Geburtstag

Heutzutage sind das Weltklima und die Erwärmung der Erde in jedermanns Mund, was vor wenigen Jahrzehnten nicht der Fall war. Noch in den in 1970er Jahren wurde diskutiert, ob wir auf eine Klima-Erwärmung oder auf eine Abkühlung zusteuern. Diese Frage hat sich mittlerweile von selbst beantwortet. Interessant ist, dass der am 2. August 1672 in Zürich geborene Universalgelehrte Johann Jakob Scheuchzer als erster barometrische Höhenmessungen in der Eidgenossenschaft vornahm und in seiner Heimatstadt meteorologische Daten mittels Barometer, Thermometer und Pluviometer erhob. Er versuchte sogar, ein Netzwerk zur Sammlung von Wetterdaten aufzubauen, um der Wettervorhersage auf die Spur zu kommen. Eine von vielen Früchten dieser Bemühungen war die Errichtung der ersten alpinen Wetterstation der Welt auf dem Gotthard-Pass.

Als Anhänger der von Gottfried Wilhelm Leibniz formulierten prästabilierten Harmonie war er der Überzeugung, dass Gott das Wetter in der Schweiz optimal eingerichtet habe. Wäre es wärmer oder kälter, so hätte es unabsehbare Folgen für Mensch und Umwelt. Im geradezu modernen Sinn erklärt er 1716 die Konsequzenzen, die eine Erwärmung hätten (Helvetiae stoicheiographia, Zürich 1716, S. 34): «Von jenen hohen Eis- und Schneegebirgen kommet / … die Fruchtbarkeit der Alpen / und tieffer ligenden Thäleren / grosse Flüsse / eine unzehliche Menge Bäche / und Brünnen. Wann jene sollten zerschmilzen / so werden diese überlauffen / und mit solcher Gewalt ab denen Gebirgen sich hinunter stürzen / daβ die untenliegende Thäler / und flache Länder darvon überschwemmet / mit Steinen und sandichten Schleim überführet / und die schönsten Matten und Äcker zugrund gerichtet werden / wie wir diβ erfahren / und beklagen / wann etwan die Wasser durch anhaltende Hitz / oder starke Platzregen über die massen anlauffen / und etwan ganze Dörffer in Gefahr eines gänzlichen Untergangs gerahten: die Flüsse wurden überall ihre Gränzen überschreiten / und nicht nur uns Schweitzeren / sondern auch tiefferliegenden Franzosen / Teutschen und Italiänern einen entsetzlichen Schaden zufügen. … Wann einmahl unsere hohe Alpfirsten vom Schnee entblösset / so werden die Flüsse / und Bäche / und Brunnen vertroknen / die dürstenden Gewächse und Thier ihrer Nahrung und Wassers beraubet / und unsers fruchtbare glükliche Schweitzerland in kurzer Zeit verwandelt werden in ein wüstes / sandichtes Arabien.»

Scheuchzers meteorologische Aufzeichnungen und die anderer Gelehrter schlummern weitgehend unbeachtet in den Beständen der ZB. Es gibt keine andere Schweizer Stadt, in der Wetterdaten seit dem 16. Jahrhundert vorliegen, die sich fast lückenlos bis in die Gegenwart ziehen und die der wissenschaftlichen Untersuchung harren.

Sommerlektüre!

   Trouville. La plage. Zürich: [Photochrom Zürich], 1897. Print.

Sandburgen sind nicht Ihr Ding? Unsere Buchtipps entführen Sie in die Berge, in die Wüste oder ans Meer, in die Tiefen und Untiefen innerer Gegenden oder in fantastische Sphären. Verschwinden Sie ruhig vorübergehend von der Bildfläche. Wer weiss, vielleicht kehren Sie gerne zurück – zum Beispiel ins angenehm kühle Freihandmagazin der ZB, wo weitere Lektüre auf Sie wartet.



Tänzer im Taumel von Hélia Correia (aus dem Portugiesischen von Dania Schüürmann).

Durst, Hunger und die unendliche Wüste. Eine Gruppe Flüchtlinge, von Schleppern ihrem Schicksal überlassen, irrt dem Meer entgegen, das Ziel Europa vor Augen. Je mehr die Hoffnung schwindet, desto stärker übernehmen Frauen, Kinder und Alte die Initiative – so scheint es. Eine eindringliche Erzählung, scheinbar losgelöst von Raum und Zeit – und doch brandaktuell. Auch in Portugiesisch.



Die Jagd von Sasha Filipenko (aus dem Russischen von Ruth Altenhofer)

«Mama und Alexander chillen auf dem Hubschrauberlandeplatz der Jacht. Der kleine Tolja kämpft gegen Computermonster. Drei Liegen durchkreuzen das gelbe H.» Ein Thriller, der den Journalisten Anton Quint an seine Grenzen bringt. Ein Mordanschlag mit Gift, Machtspiele und die Abwesenheit jeglicher Moralvorstellungen – reicht es für ein Happyend?



Rombo von Esther Kinsky

Nicht erst mit dem Erdbeben von 1976 tun sich Risse auf im Leben der Menschen und in der Landschaft des Friaul. Kinsky stellt das Erinnern ins Zentrum ihres aus Bruch- und Fundstücken grandios zusammengefügten Sprachkunstwerks. Gegen das Vergessen und Verschwinden komponiert sie ein eindringliches Panorama der friaulischen Gesellschaft und Natur.



Die Hebamme von Edvard Hoem (aus dem Norwegischen von Antje Subey-Cramer)

Edvard Hoem schildert einfühlsam das Leben seiner Ururgrossmutter, die als Hebamme in einem abgelegenen Fjord in Norwegen arbeitete. Stina kämpft gegen Misstrauen und Armut in der Gesellschaft und hat sich zum Ziel gesetzt, Frauen zu helfen. Es geht um das Leben an sich und ums Überleben. Ein historischer Roman, der nicht nur Frauen, sondern auch Männer zu fesseln vermag. Auch in Norwegisch.



Die Tage ohne dich von Elvira Sastre (aus dem Spanischen von Anja Rüdiger).

Was eine Beziehung ausmacht und wie man eine Trennung verarbeitet, möchte Dora ihrem Enkel Gaël vermitteln. Seine Liebesgeschichte löst in ihr Erinnerungen aus: An ihre Zeit als Lehrerin während des spanischen Bürgerkriegs und an ihre eigene Liebe. Zwei kunstvoll miteinander verbundene Erzählstränge, feinfühlig und tiefgründig geschrieben. Auch in Spanisch.



Eine runde Sache von Tomer Gardi (erster Teil in «Broken German», zweiter Teil aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer)

Der israelische Schriftsteller präsentiert einen poetisch-politischen Schelmenroman, in dem zwei Künstler – ein gewisser Tomer Gardi und der indonesische Maler Raden Saleh – aus verschiedenen Zeiten durch kulturelle Räume reisen. Sie sind auf der Suche nach der eigenen Sprache und einem Platz in der Welt. Gardi tut dies mit grosser Sensibilität und anarchischem Geist, fantasievoll, subtil, nachdenklich.



Eine Nebensache von Adania Shibli (aus dem Arabischen von Günther Orth)

Ein Wüstenbuch, das mit einer wüsten Tat beginnt: Ein Beduinenmädchen wird 1949 von israelischen Soldaten missbraucht und erschossen. Jahrzehnte später zieht der Vorfall eine junge Frau aus Ramallah in seinen Bann. Die Strassen und Wege, denen sie auf ihrer Spurensuche folgt, legen sich wie das Netz einer Spinne um die Geschehnisse. Bis die Erzählerin auf absurde Weise ihr Ziel erreicht.



Not sorry von Sarah Salway

Manchmal bissig, mitunter selbstreflexiv und immer kurzweilig: Sarah Salway nimmt alltägliche Momente und zwischenmenschliche Beziehungen und stellt sie in ihren (teilweise sehr) kurzen Geschichten auf den Kopf, mit fantastischen Elementen und viel schwarzem Humor.



Im Saal von Alastalo von Volter Kilpi (aus dem Finnischen von Stefan Moster)

Gutsherr und Kapitän Alastalo will die Zukunft einfädeln. Er lädt die Männer der Gemeinde ein, um sie vom Bau einer Dreimastbark zu überzeugen. An einem einzigen Nachmittag entfaltet sich ein tausendseitiges Portrait der Schärenbewohner und ihrer Welt. Der sinnliche, sprachliche Sog des 1933 erschienenen Romans bringt Kilpi den Ruf ‘Joyce oder Proust des Nordens’ ein. Auch in Finnisch.



Borgo Sud von Donatella di Pietrantonio (aus dem Italienischen von Maja Pflug)

Zwei Schwestern, zwei gänzlich verschiedene Lebenswege, beide geprägt von einer problematischen Mutterfigur. Nur eine von ihnen hat es geschafft, ihr sozial benachteiligtes Umfeld hinter sich zu lassen. Doch zu welchem Preis? Dieser Roman kann als Fortsetzung von Arminuta, aber auch selbständig gelesen werden. Auch in Italienisch.



Der Frühling macht sich auf die Reise von Bojan Krivokapić (aus dem Serbischen von Elvira Veselinović)

«Der Morgen nach dem Regen roch nach Mittelmeer, endlich. Ansonsten gab es hier in diesem kleinen Ort an der Côte d’Azur den Piniengeruch nicht, den er so liebte, wie es ihn zum Beispiel in Istrien gab.» Die Reise mit Gregor führt über Generationen und Länder hinweg durch die Fragmente einer zerfallenden Welt, charmant und fesselnd zugleich.



Heimweh nach dem Tod. Arbeitstagebuch zur Entstehung des Romans eines Schicksallosen von Imre Kertész (aus dem Ungarischen von Ingrid Krüger und Pál Kelemen)

Ein Arbeitstagebuch? Nun, es ist weniger ein Tagebuch, es ist eher eine Sammlung von Gedanken, Gedankenfetzen, Ideen und Lebenseindrücken, welche den Roman eines Schicksallosen vorbereitet haben. Darüber hinaus ist es ein intellektuelles Hilfsmittel, um nachzuvollziehen, wie Kertész in seinem Opus Auschwitz entmystifiziert.



Geschichte des Sohnes von Marie-Hélène Lafon (aus dem Französischen von Andrea Spingler)

In zwölf Kapiteln folgt dieses schmale Buch den Mitgliedern einer französischen Familie, zwischen einem Dorf im Cantal, der Provinzstadt Figeac und Paris. Die Erzählung bewegt sich dabei zwischen 1908 und 2008 vor und zurück und lässt die Verbindungen, Eigenheiten, Träume und den Schmerz der Menschen hervortreten, ohne die Figuren Preis zu geben. Aber mit grossem Nachhall. Auch in Französisch.

Die Vorlese-Sammlung

Hörbücher so weit das Auge reicht: Literatur zum Hören aus unserer Sammlung

Buchdeckel an Buchdeckel stehen die Bücher in den Regalen der ZB – oder CD-Hülle an CD-Hülle. Denn bei uns können Sie auch Hörbücher ausleihen. Von Gottfried Kellers «Gedichten» über «Zürcher Sagen und Legenden» bis hin zu zeitgenössischer Literatur bietet unsere Hörbuch-Sammlung alles. Neben diesen vorgelesenen Geschichten sind auch unsere Hörspiele vielversprechend, zum Beispiel die Radiofassung von Kurt Frühs «Bäckerei Zürrer», Kasperlis Abenteuer oder Reden von Max Frisch.

Ein Hörbuch kommt selten allein. Besonders umfangreiches Begleitmaterial legt der Kilchberger Sinus Verlag bei: In Booklets sind der Lesetext sowie literarische Hintergrundinformationen abgedruckt, zum Beispiel bei der Hörbuch-Edition des Gesamtwerks von Conrad Ferdinand Meyer.

Während einige Literaturverlage die Hörbuch-Produktion Dritten überlassen, produzieren andere selbst. So auch der Zürcher Diogenes Verlag. Das Hörbuch-Programm von Diogenes widerspiegelt eine allgemeine Entwicklung auf dem Hörbuchmarkt: Heute sind neben CDs vermehrt MP3-Downloads erhältlich. Mittlerweile haben Letztere sogar die Nase vorn. Auch bei uns können Sie Hörbücher downloaden: in der e-Thek warten 631 Audiobooks, davon beinahe 100 Titel aus dem Zürcher Diogenes-Verlag, auf Hörerinnen und Hörer.

New Work

Bild: Pixabay

Die weltweite Pandemie hat die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt. Dieser Wandel hat auch in den Beständen der ZB verstärkt Eingang gefunden. Einige Schlaglichter – aus der Perspektive der Arbeitnehmenden – möchten wir hier vorstellen.

In der Leselounge findet sich Neue Narrative : das Magazin für neues Arbeiten : Arbeit, Wirtschaft, WirEs werden Geschichten erzählt aus einer egofreien Arbeitswelt, die zum Anpacken, Nachmachen und Weiterdenken einladen soll. Zahlreiche Tool- und Playbooks machen mit betont graphischer Aufbereitung Lust auf neue Formen der Zusammenarbeit, Innovation und Entscheidungsfindung sowie Neudenkens des Bisherigen.

In Ratgebern erzählen Digitale Nomaden von ihren Erfahrungen und geben Tipps. Stresskompetenz und Selbstfürsorge bzw. Resilienz in einer VUCA-Welt wurden zu neuen Schlüsselkompetenzen. Vielleicht stellt sich auch hier und da die weniger neue Sinnfrage zur Verausgabung in der Leistungsgesellschaft.

Und wer dann lieber mal eine digitale Entgiftung – sorry -  digital detox angehen und dabei auch noch die Kreativität fördern möchte, findet mit Offline matters : the less-digital guide to creative work vielleicht Anregungen.

Suchen Sie Streams?

Illustration: <br> https://pixabay.com/de/illustrations/kino-film-kamera-beamer-video-4153289/ <br>(adaptiert von Sokica Amiguet)

Erfreuen Sie sich an unserer grossen Sammlung an Streaming-Plattformen! Wir nehmen Sie mit auf einen Tour d'horizon durch unser Angebot. Alles, was Sie dazu benötigen, ist ein Wohnsitz in der Schweiz und die ZB-Bibliothekskarte (mehr Informationen hier).

Für Forschung und Studium oder auch das Gemüt empfehlen wir diese tollen Dienste:

  • artfilms digital (Masterclasses und Dokumentarfilme zur Kunst)
  • AVON (interdisziplinäre Dokumentar-Streams)
  • medici.tv (Schwerpunkt Konzerte und Opernaufführungen)
  • MIZ Video online enthält Fernsehsendungen, die das Medien- und Informationszentrum MIZ der Zürcher Hochschule der Künste mit dem webbasierten Videorecorder nanoo.tv aufzeichnet
  • Naxos Music Library ist ein sehr interessanter Audio-Service aus diversen Musikgenres

Filmliebhaber alter Klassiker und neuer Blockbuster sind gut bedient mit:

  • AVA
  • filmfriend

In unserem Verzeichnis der Datenbanken und E-Ressourcen finden Sie viele weitere Plattformen wie Filmstream, PlaySuisse, Cinémathèque France: Henri, European Film Gateway, Filmothek des deutschen Bundesarchivs, Library of Congress: Digital Collection. Wir empfehlen, jeweils vorgängig die Option «Mehr Details» aufzuklappen. Darüber erhalten Sie wichtige Informationen zum Produkt und zum Einstieg in die Datenbank.

Gute Unterhaltung und viel Freude beim Stöbern...

Die Zürcher Chronik von Hans Conrad Keller

Der Lehrer Heinrich von Moos steuerte zahlreiche Bilder in seinem ganz eigenen Stil zur Chronik bei. Dargestellt sind hier das Haus zum Rüden, das Zunfthaus zur Zimmerleuten und die Wettingerhäuser am Limmatquai (Ms T 528, zwischen S. 22 und S. 23).

Der Handwerker Hans Conrad Keller vom Steinbock verfasste von 1798 bis 1837 eine zwanzigbändige Chronik. Die ersten beiden Bände decken die Anfänge der Zürcher Geschichte bis 1797 ab. Er verfolgte die Geschehnisse im In- und im Ausland und sammelte Druckschriften und Bilder. Hans Conrad Keller erlebte die napoleonischen Kriege 1798 bis 1815, die letzte grosse Hungersnot in der Schweiz 1816 und die Restauration. Daneben beschreibt er auch zahlreiche Ereignisse im Kanton Zürich, z.B. den Einsturz des Dachstuhls der Kirche von Gossau 1820, aber auch die Wetterverhältnisse und die Lebensmittelpreise.

Was die Chronik aussergewöhnlich macht, sind nicht nur die enthaltenen Druckschriften oder Bilder, sondern die Auswahl der Materialien: Die Chronik zeigt, was ein Handwerker im frühen 19. Jahrhundert für erinnerungswürdig und bemerkenswert hielt. Die ZB wird der Öffentlichkeit dieses aussergewöhnliche Werk auf e-manuscripta.ch zugänglich machen.

150 Jahre Yellowstone-Nationalpark

Photochrom Lower Falls of Yellowstone River (zwischen 1891 und 1914)

Eine vulkanogene Landschaft in den Rocky Mountains mit vielen geothermalen Quellen wie Geysiren und Schlammtöpfen sowie eine reiche Wildtierfauna mit Bisons, Grizzlybären, Wapitis und Wölfen: das und vieles mehr bietet der Yellowstone-Nationalpark seinen Besuchenden.

Am 1. März 1872 unterschrieb US Präsident Ulysses S. Grant das Gesetz zur Gründung des Parks. Mit seinen 150 Jahren gilt er als ältester Nationalpark der Welt. Der Schweizerische Nationalpark zum Vergleich wurde 1914 gegründet. Primäres Ziel der US-amerikanischen Gründung war nicht der Naturschutz, sondern «ein öffentlicher Park oder Vergnügungspark zur Wohltat und zum Vergnügen der Menschen». Stöbern Sie in unseren reichen Beständen nach Publikationen zum Thema.

Eben neu erschienen sind die Titel Yellowstone National Park, the first 150 years oder ein interessantes Werk zur Wiedereinführung der Wölfe seit 1995 in den Park und deren Auswirkungen auf das Ökosystem der Region. Wer immer noch nicht überzeugt ist, dass sich eine Reise in den Westen lohnt, dem empfehlen wir einen Blick in einen dieser prächtigen Bildbände.

Von Steuerrödeln und Steuerklärungen

In Appenzell wurde um 1400 sogar das letzte Gewand zu Steuerzwecken eingezogen (PAS 2494c, F:13)

«Steuern sind der Preis, den wir für eine zivilisierte Welt bezahlen.» So steht es an den Mauern der US Steuerbehörden. Welche Steuern, wie hoch, wozu und wer bezahlt sie? Solche Fragen säumen den Weg zur modernen Nation. Auch in unserem Bestand befinden sich zahlreiche Medien zum Thema Steuern.

Bereits im alten Zürich wurden Steuern erhoben und Steuerregister angelegt. Unter dem Namen «Steuerrödel» (Steuerregister) ist eine Serie von Papierheften aus 1357-1470 erhalten, welche Namen, Wohnort, Steuerbeträge der erwachsenen Bevölkerung in Stadt- und Landschaft Zürich enthalten. Diese Steuerregister, von Hans Nabholz editiert, sind eine wertvolle wirtschaftlich-, sozial- und kulturhistorische Quelle.

Seit 1831 gilt im Kanton Zürich eine gesetzlich geregelte Steuererhebung und das Prinzip der Selbstdeklaration. Wenn demnächst die Steuererklärung ins Haus flattert, gilt es diese effizient und kostensparend auszufüllen. Zahlreiche Ratgeber helfen dabei.

Krakauer Katechismus von 1588

Titelblatt des zweiten Teils des Gesangbuchs «Piosnki drugie», Zentralbibliothek Zürich Alte Drucke, 1.476, Seite Oˣ

Im Zuge der Revision als im Online-Katalog nicht verzeichnetes Buch zum Vorschein gekommen, stellte sich das Werk ohne Titelblatt, im Innendeckel und im alten Standortkatalog als «Polnisch Gesang- und Bättbuch» umschrieben, als Unikat heraus.

Der vorliegende Katechismus mit Kantional ist neben den Ausgaben aus der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel (Druckjahr 1565/1568), der UB Basel (1584) und der ZB Zürich (1569/1572) eine bislang unbekannte Ausgabe aus dem Jahr 1588. Alle Ausgaben stammen aus der Offizin von Maciej Wirzbięta, einem Krakauer Drucker des 16. Jahrhunderts. 

Erstaunlich ist die Häufung dieses polnischen Druckes in der Schweiz, während etwa in Polen kein einziges Exemplar dieses sogenannten calvinistischen «Krakauer Katechismus» überliefert ist, obwohl später gedruckte, polnische Katechismen reformatorischer Prägung auf diesen «Krakauer Katechismus» verweisen. Julius Caesar Muralt, der im hinteren Spiegel des Buches durch einen handschriftlichen Eintrag verewigte Vorbesitzer, hätte uns vielleicht verraten, auf welchen Wegen dieses «Polnisch Gesang- und Bättbuch» in die Schweiz gekommen ist. Die Datierung seines Besitzeintrags «Anno […] salutis M. D. XCI […] Die 21. Julij» (21.07.1591) lässt jedoch darauf schliessen: wir sind ein paar Tage zu spät.

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