Hans Conrad Gyger: Karte zum Grenzstreit zwischen Schwyz und Zürich am oberen Zürichsee um 1640. ZB Zürich, Kartensammlung, MK 2006.

Interessierte hatten die Möglichkeit, rund 1150 handgezeichnete mannigfaltige Landkarten und Pläne von Städten, Befestigungswerken und anderen Bauten aus fast einem Jahrtausend zu georeferenzieren. Online identifizierten Freiwillige auf alten und aktuellen Landkarten übereinstimmende Punkte. Die Altkarten wurden darauf automatisch entzerrt und lassen sich so einfacher mit Landkarten vergleichen.

Nach drei erfolgreichen Georeferenzierungsprojekten der vergangenen Jahre nahm sich die neue Citizen Science-Kampagne den reichhaltigen Bestand der Zentralbibliothek Zürich an Manuskriptkarten an. Diese stehen kostenlos als Teil der Kollektion «Karten, Pläne» auf der Plattform e-manuscripta zur Verfügung.

Die Kampagne ist Teil des strategischen Schwerpunkts Citizen Science der Zentralbibliothek Zürich.

Anleitung

Die geografische Verortung einer Karte mit «Georeferencer» auf der Webplattform Old Maps Online erfolgt intuitiv und erfordert meist keine vorgängigen Fachkenntnisse. Freiwillige vergleichen eine alte mit einer modernen Karte und markieren Punkte, die sie auf beiden identifizieren können: Geeignet sind je nach Kartenmassstab beispielsweise Siedlungen, markante Details von Küstenverläufen, Inseln, Einmündungen von Fliessgewässern sowie Ausflüsse aus Seen.

Neben einem kurzen Video-Tutorial finden Sie eine Anleitung zu den wichtigsten Schritten sowie eine Anleitung zur Anmeldung. Auf der Webplattform finden Sie zudem eine Übersicht aller georeferenzierten Karten aus dem ZB-Bestand.




Spätmittelalterlicher Prunk und Geheimnisvolles

Der Bestand an Karten und Plänen ist sehr heterogen: Die ältesten stammen aus dem Mittelalter und wurden noch vor Erfindung des Buchdrucks angefertigt. Einige sind handgezeichneten Originale bekannter Kartografen, die nachher als Vorlagen für gedruckte Karten dienten, wie beispielweise Konrad Türsts Karte der Eidgenossenschaft von 1495/97. Die bisweilen reichhaltig ausgeschmückten Manuskriptkarten, wie beispielsweise die Portolane mit Seekarten, dienten nicht nur der Navigation zur See, sondern auch prunkvoller Repräsentation von Wissen.

Weiter finden sich kartografische Erzeugnisse, die auf erheblichem Vermessungsaufwand beruhen, aber nur für wenige Augen bestimmt waren: Zu diesen gehören Karten, die militärischen Zwecken dienten und nur unter Preisgabe strategischer Vorteile hätten veröffentlich werden können. Erwähnenswert sind hier die zur Zeit des Dreissigjährigen Krieges (1618-1648) vom berühmten Ingenieur und Kartografen Hans Conrad Gyger (1599 bis 1674) hergestellten Karten der Zürcher «Militärquartiere», die später handschriftlich kopiert wurden. Weiter gehört zu den beeindruckendsten Objekten der jüngst von der Abteilung Karten und Panoramen erworbene detaillierte Strassenatlas von Pierre Bel aus dem Jahr 1781. Er kartografierte auf mehreren Blättern die alte Strasse zwischen Bern und Zürich.

Weitere Informationen lesen Sie im ZBlog-Beitrag zur Kampagne.

Karte des Mittelmeers aus dem Portolan von Perrino Vesconte von 1321. ZB Zürich, Handschriftenabteilung, Ms RP 4.

Erneut wollten mitunter schwierige Rätsel geknackt werden: Zu diesen zählten nebst grossmassstäblichen Grundstück- oder Befestigungsplänen auch kartierte Gebiete, die sich im Verlauf der Zeit sehr stark verändert haben. 

Handschriftliche Kopie von 1735 der Karte «Dess Wintterthurer Quartiers», die auf Hans Conrad Gygers Arbeit von 1660 basiert. Zentralbibliothek Zürich, MK 201: 3.

Schlussrangliste

Veranstaltung

Am Dienstag, den 2. Dezember 2025, veranstalteten wir im Hermann-Escher-Saal der Zentralbibliothek Zürich eine Projektvorstellung mit Präsentation von Originalen und Erfahrungsaustausch. Wir danken allen Teilnehmenden für ihre Unterstützung!

Kontakt

Haben Sie Fragen/Anmerkungen zur Kampagne? Melden Sie sich bei uns! Wir sind gerne für Sie da. 

Karten und Panoramen

karten@zb.uzh.ch



Header-Bild: J. Müller: Carte von der Vogtey Küssnacht und Herrliberg, 1779. ZB Zürich, Kartensammlung MK 177.