Die Abteilung Informationskompetenz Digitale Dienste und Entwicklung (IDE) erarbeitet Produkte mit Scrum. Dieses Vorgehen ist in der agilen Softwareentwicklung weitverbreitet. Wir entwickeln jedoch agil ausschliesslich Produkte jenseits von Software.

Scrum ist ein Vorgehensmodell für agiles Produktmanagement. Es besteht aus fest definierten Rollen, Ereignissen und Artefakten. Scrum ist in der agilen Softwareentwicklung weit verbreitet. Es eignet sich jedoch sehr gut auch für Produktentwicklung in anderen komplexen Bereichen. Im Gegensatz zu traditionellen Projektvorgehensweisen, die mit fixen Phasen (Planen, Entwickeln, Testen, Ausrollen) arbeiten, geht Scrum inkrementell und iterativ vor: In kurzen Zyklen von höchstens vier Wochen wird ein fertiges Produkt entwickelt, das bereits benutzt werden kann. Aufgrund der Rückmeldungen kann entschieden werden, ob und was weiterentwickelt werden soll.

Was hat Scrum in einer Bibliothek zu suchen?

Bibliotheken sind wie fast alle Unternehmen mit den Herausforderungen der Digitalisierung konfrontiert. Diese gehen einher mit einem sich schnell wandelnden Umfeld, stetig ändernden Kundenwünschen und überraschend auftauchender Konkurrenz. Immer schneller müssen auch Bibliotheken auf Veränderungen der Umwelt reagieren. Mit einem Wort: Sie müssen agiler werden.

Es ist daher keineswegs abwegig, Scrum für die Entwicklung von komplexen Produkten in einer Bibliothek einzusetzen.

Vom Problem zum Produkt

Ausgangspunkt ist immer ein Problem, das für jemanden gelöst werden soll. Eine Product Ownerin analysiert das Problem und erarbeitet die Produktvision. Danach beginnt sie, die einzelnen Wünsche und Anforderungen der unterschiedlichen Stakeholder und Endnutzenden zu sammeln und zu priorisieren. An einer Planungssitzung stellt die Product Ownerin die wichtigsten Anforderungen an das Produkt vor. Das Entwicklungsteam bestimmt, wie viele dieser Anforderungen es in den nächsten drei Wochen umsetzen kann, sodass am Ende ein potentiell auslieferbares Produkt entsteht. Nach der Sitzung beginnt die Umsetzung. Täglich trifft sich das Team zu einer kurzen Besprechung. Nach drei Wochen wird das Produktinkrement den Stakeholdern und den Kunden vorgestellt. Diese geben Rückmeldung zum Produkt. Diese Rückmeldungen fliessen wiederum in die Planung der nächsten Iteration ein. Das Team hält nach jedem Sprint eine Retrospektive ab, in der das Team untersucht, wie es die Zusammenarbeit für die nächste Iteration verbessern könnten. Danach beginnt der Prozess wieder von vorne mit der nächsten Planungssitzung.

Bisher entwickelte Produkte

Bisher hat das Team ein Escape Game, eine Kundenforschungsstudie und mehrere E-Learning-Angebote für Kantonsschulen, Lifelong Learners und Studierende auf diese Weise erarbeitet. Weitere Produkte werden folgen.

Früh scheitern

Wir haben inzwischen gelernt, die Rückmeldungen von echten Anwenderinnen und Anwendern zu schätzen. Früh zu scheitern mit einer Idee lohnt sich immer. Wir fokussieren uns nun viel mehr auf den Wert, den wir für die Kundinnen und Kunden erbringen. Da agiles Arbeiten Transparenz, Selbstorganisation und intensive Teamarbeit erfordert, haben wir auch viel über erfolgreiches Zusammenarbeiten gelernt. Die im System eingebaute kontinuierliche Verbesserung hilft dabei, sich stets weiterzuentwickeln. So wird das Team sich weiter verbessern und in Zukunft noch viele Produkte jenseits von Software mit Scrum entwickeln.



Leiter Infomationskompetenzvermittlung
Digitale Dienste / Entwicklung