Rahn (1841-1912)

Zeichnender Forscher und Pionier der Denkmalpflege

Zeichnender Forscher und Pionier der Denkmalpflege

Ausstellung im Predigerchor vom 27. Oktober 2011 bis 25. Februar 2012 Phlipp und Ernst Rudolf Linck, Porträt Johann Rudolf Rahn, um 1910, Heliogravure Gustav Adolf Feh (ZBZ, GS, Rahn, Joh. Rud. d. I, 4)

Zeitlebens durchwanderte Johann Rudolf Rahn mit «bewaffnetem Auge» die Schweiz. Er dokumentierte mit Worten, was er zeichnend festhielt. Für die Inventarisation des Schweizer Kulturgutes leistete er wahre Pionierarbeit.
Johann Rudolf Rahn kam 1841 als Familienmitglied des alteingesessenen Zürcher Zunftmeister- und Ratsherrengeschlechts auf die Welt. Er wurde 1878 ordentlicher Professor der Kunstgeschichte an der Universität Zürich; 1883 erhielt er zusätzlich das Ordinariat am Polytechnikum. Rahns Hauptschrift, die «Geschichte der bildenden Künste in der Schweiz», erschien 1873–76 als das erste Überblickswerk in seiner Art.
Seine Zeichnungen, die Architektur und Kunst der Schweiz, aber auch Deutschlands und Italiens zeigen, stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Weitere Exponate der Zentralbibliothek Zürich und Leihgaben aus renommierten Sammlungen situieren Rahn in seinem historischen Umfeld. Sie visualisieren Bereiche der Denkmalpflege und Inventarisation sowie Forschungsfelder wie Buch-, Glas- und Wandmalerei. Die von Rahn verfassten Biographien zu zahlreichen Künstlerviten des Spätmittelalters und der Renaissance werden noch heute in der Forschung beachtet.
Im Schweizer Kulturleben nahm Rahn eine prägende Rolle ein. Er gehörte dem Convent der Stadtbibliothek Zürich an, die 1914 in der Zentralbibliothek Zürich aufging. Auf seine Initiative hin wurde 1880 die «Schweizerische Gesellschaft für Erhaltung historischer Kunstdenkmäler» gegründet. In kurzer Zeit erwarb sie bedeutende Kunstobjekte für die Bundeskunstsammlung. Als Fachexperte in der Sektion «Alte Kunst» an der Landesausstellung 1883 trug Rahn wesentlich mit zum Publikumserfolg bei. Seine Forschungsarbeit legte die Grundlage für das theoretische Konzept des Landesmuseums, das auch nach aussen mit historisierenden Bauformen auf das Museumsprogramm verweisen sollte. Rahn hatte somit an der Gründung des schweizerischen Landesmuseums und an der Standortwahl Zürich mehrfachen Anteil. Bis zu seinem Tod 1912 gehörte er der Landesmuseumskommission an.
Zahlreiche Urkunden zu seinem 70. Geburtstag vermitteln die breite Wertschätzung, die Rahn zukam. Weitere Ausstellungsobjekte bezeugen seine engen Freundschaften zum Basler Künstler Ernst Stückelberg, zum Schriftsteller Conrad Ferdinand Meyer und nicht zuletzt zu seinem Jugendfreund, dem Historiker Gerold Meyer von Knonau, dessen Cousine Caroline Rahn 1868 ehelichte.
Das Todesjahr Rahns, das sich 2012 zum hundertsten Mal jährt, ist für die Zentralbibliothek Zürich Anlass, den zu Unrecht etwas in Vergessenheit geratenen Forscher wieder in Erinnerung zu rufen. Rahns Aktualität liegt in seiner Grundlagenforschung zu einzelnen Bauten und Künstlern sowie in seinem sicheren Auge für Qualität und Einordnung der Kunstwerke. Noch heute greifen Denkmalpflege und Kunstwissenschaft auf seine Zeichnungen als Zeitzeugnisse zurück.

Weitere Informationen zur Biographie Rahns sowie zur Austellung und zum Rahmenprogramm finden Sie hier:
Biographie Johann Rudolf Rahn (pdf)
Faltblatt (pdf)

Kurator/Kuratorin der Ausstellung: Dr. Jochen Hesse, lic. phil. Barbara Dieterich