Straube, Karl (1873–1950)


Organist

Porträt von Karl Straube

Signatur: Mus NL 117

Briefe, Bildmaterial, Varia. - 0.25 m.
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Karl Straube wurde am 6. Januar 1873 in Berlin geboren. Die erste musikalische Ausbildung genoss er bei seinem Vater, der Instrumentenbauer und Organist an der Berliner Heilig-Kreuz-Kirche war. 1888 wurde er Schüler Heinrich Reimanns. 1897 bekleidete er an der Willibrordi-Kirche in der niederrheinischen Garnisonsstadt Wesel ein eigenes Organistenamt. Hier erarbeitete er sich jenes Repertoire, welches auf den folgenden Konzertreisen seinen Ruhm als Orgelspieler begründete. Im Mai 1898 lernte er in Frankfurt am Main Max Reger kennen. Die aus dieser Begegnung entstandene Freundschaft sollte bis zum Tode Regers währen. Er beriet Reger in kompositorischen Fragen, regte ihn wohl zu mancher Komposition an und machte seine Werke – zumeist durch Uraufführungen – auf Tourneen in ganz Deutschland bekannt. 1902 wurde Straube als Organist an die Thomaskirche in Leipzig berufen. Wenig später übernahm er die Leitung des Bachvereins und wurde für die Aufführung sinfonischer Werke mit Chor im Gewandhaus verantwortlich. Als 1918 der Thomaskantor Gustav Schreck starb, erfolgte die einstimmige Wahl Straubes zu dessen Nachfolger. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 setzte ihn, da er 1931 öffentlich gegen Hitler Stellung bezog, unter Druck. Um sein Amt nicht einem Parteischergen überlassen zu müssen, trat er schliesslich der NSDAP bei. Trotzdem wurde er 1939 aufgrund seiner antifaschistischen Haltung aus dem Amt gedrängt. Bis 1948 blieb er Orgellehrer am Konservatorium und versuchte nach Kräften, die Ausbildung der Kirchenmusiker zu fördern.
Karl Straube ist am 27. April 1950 in Leipzig gestorben.

Der Name Karl Straubes ist mit der Renaissance der Orgelmusik eng verbunden. Sein Ziel war es, die Orgelliteratur des 17. und 18. Jahrhunderts dem Vergessen zu entreissen und gleichzeitig für zeitgenössische Orgelmusik zu werben. Während seiner Ausbildung bei Heinrich Reimann wuchs die Aufgabe, Bachs Orgelmusik vom Staub tradierter Interpretation zu befreien. Nach dem zunächst romantisierenden Zugang besann er sich später als Thomaskantor in Leipzig zunehmend auf die historische Aufführungspraxis der Werke Bachs. So führte er 1935 erstmals die Matthäuspassion in der originalen Besetzung, die Bach in einer Eingabe an den Rat der Stadt Leipzig bestimmt hatte, auf.

 

Literatur:

Gurlitt, Wilibald und Hudemann, Hans-Olaf (Hrsg.), Karl Straube. Briefe eines Thomaskantors, Stuttgart 1952
Hartmann, Günter, Karl Straube und seine Schule, Das Ganze ist ein Mythos, Bonn 1991
Held, Christoph und Ingrid (Hrsg.), Karl Straube. Wirken und Wirkung, Berlin 1976
Karl Straube zu seinem 70. Geburtstag, Gaben der Freunde, Leipzig 1943