Oboussier, Robert (1900–1957)


Komponist, Musikkritiker

Porträt von Robert Oboussier

Signatur: Mus NL 23

Textmanuskripte, Druckschriften, Varia. - 0.25 m.
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Robert Oboussier wurde am 9. Juli 1900 in Antwerpen geboren. Er studierte zuerst in Heidelberg und Mannheim, 1920/1921 am Konservatorium in Zürich bei Volkmar Andreae, Carl Vogler und Philipp Jarnach, später auch in Berlin, wo er die Dirigentenklasse der Hochschule für Musik besuchte (Siegfried Ochs, R. Krasselt). Danach war er als freier Komponist in Florenz, München und Paris (1922–1930) tätig. Als Komponist trat Oboussier erstmals 1923 am Kammermusikfest Donaueschingen vor die breite Öffentlichkeit.

Sein Brot verdiente Oboussier während dieser Zeit als Musikkritiker verschiedener Fachblätter und Tageszeitungen (Revue Musicale, Ménestrel, Revue hebdomadaire, Münchner Neueste Nachrichten, Frankfurter Zeitung). 1930 bis 1933 berief ihn die Frankfurter Zeitung nach Berlin, wo er neben musikwissenschaftlichen Vorträgen an der Lessinghochschule auch die Deutsche Allgemeine Zeitung als Musikreferent betreute (1933 bis 1938).

Seit 1939 lebte Robert Oboussier wieder in Zürich, wo er mit der Textredaktion des Erinnerungswerkes für die Schweizerische Landesausstellung 1939 betraut wurde. Anschliessend wirkte er einige Jahre als Musikreferent der Tat. 1941 berief ihn die SUISA als Mitarbeiter, 1942 als Leiter des neugegründeten Zentralarchivs schweizerischer Tonkunst, und von 1948 an war er als Vizedirektor der SUISA massgebend am weiteren Aufbau dieser Organisation beteiligt. 1954 wurde er als Vorstandsmitglied des Schweizerischen Tonkünstlervereins gewählt.

Aus gesellschaftlichen Gründen fühlte sich Oboussier gezwungen, seine homosexuellen Neigungen geheimzuhalten. Er wurde am 9. Juni 1957 nach einer flüchtigen sexuellen Bekanntschaft von einem aus einer Jugendstrafanstalt entflohenen Insassen in Zürich ermordet.

 

Literatur:

Schweizerischer Tonkünstlerverein (Hrsg.), 40 Schweizer Komponisten der Gegenwart, Amriswil 1956

Walton, Chris (Hrsg.), Adolf Brunner. Erinnerungen eines Schweizer Komponisten aus der Schule Philippp Jarnachs und Franz Schrekers, Zürich 1997

Wohlfahrt, Frank, "Das Werk Robert Oboussiers", Schweizerische Musikzeitung, 99 (1959), 308–311