Werner Bolliger (1928–2009)


Komponist

Porträt von Werner Bolliger

Signatur: Mus NL 151

Musikmanuskripte, Textmanuskripte, Druckschriften. - 1.8 m.
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Werner Otto Bolliger wurde am 12. Januar 1928 in Luzern geboren, wo er die Primarschule und die erste Hälfte der Kantonsschule besuchte. Bereits ab der zweiten Primarklasse erhielt er Klavierunterricht. Im Mai 1945 wechselte er an die Kantonsschule Aarau. Nach der abgeschlossenen technischen Matura 1947 trat Bolliger in das Konservatorium Zürich ein, um Klavier, Harmonielehre und Kontrapunkt, sowie Komposition bei Willy Burkhard zu studieren.

In den Fünfziger-Jahren bestritt er seinen Lebensunterhalt unter anderem als „Tingelpianist“, wobei er in etlichen Cabarets und Theatern der Schweiz sowie am Radio und Fernsehen auftrat. Daneben entstanden einige Kompositionen wie beispielsweise ein Klaviertrio, ein Bläserquintett, eine Violinsonate sowie eine Symphonie und eine Operette. 1961 erfolgte ein Umzug nach Spanien, wo in Werner Bolliger die Idee für ein monumentales Werk zu reifen begann. Er entschied sich, eine gross angelegte Kantate – eine Form, welche ihm viel Spielraum liess – zu komponieren. So entstanden schon bald die ersten drei Sätze zu Texten von Pascoaes und Quevedo, die von Bolliger selbst so genannten „spanischen“ Partituren. Mit der Zeit wurde ihm bewusst, dass der Rahmen für das Werk immer noch zu eng gesteckt war. Im Frühjahr 1968 siedelte Werner Bolliger nach Wien über. Dort beschäftigte er sich intensiv zunächst mit Mathematik, um, wie er selbst sagt, sein Hirn zu lüften. Davon ausgehend begann er sich zunehmend auch mit diversen Sprachen auseinanderzusetzen: Sanskrit, Assyrisch, Akkadisch, Sumerisch, Hebräisch und Russisch bildeten den Anfang. Später, inzwischen wieder in Spanien mit regelmässigen Aufenthalten in Wien, kamen weitere vorwiegend alte Sprachen wie Chinesisch, Altägyptisch oder Aztekisch hinzu. Aufgrund dieser Beschäftigung rückten immer mehr politische und religiöse Texte ins Zentrum des Interesses.

Nach der definitiven Rückkehr aus Spanien konnte Bolliger aufgrund einer Krankheit während längerer Zeit nicht arbeiten. Ab 1982 fand er eine Beschäftigung im Botanischen Garten Zürich. Nebenbei lernte er weitere Sprachen und Texte kennen, welche für sein Projekt wichtig werden sollten. Mit der über all die Jahre entstandenen Textzusammenstellung hat Werner Bolliger nach eigener Aussage „erreicht, was ich wollte: Eine umfassende Weltsicht von ältesten Sprachzeugnissen bis in die Gegenwart, bis in die Zukunft“.
Seit seiner ersten Abreise aus Spanien 1968 hat Werner Bolliger während 25 Jahren keine einzige Note komponiert. Erst 1993 nahm er das Komponieren wieder auf, wobei das letztlich gültige Gesamtkonzept der Kantate entstand. In der Zeit bis zum Frühjahr 2003 entstanden rund 2000 Seiten Partitur- und Particellmaterial, bis es Bolliger die Gesundheit verunmöglichte, an der Komposition weiter zu arbeiten.

Werner Bolliger starb am 21. Februar 2009 in Zürich.