Kempter, Lothar (1844–1918)


Dirigent, Komponist

Porträt von Lothar Kempter

Signatur: Nachl. L. Kempter

Musikmanuskripte, Musikdrucke, Textmanuskripte, Druckschriften, Varia. - 1.2 m. -
Findmittel Musikmanuskripte: RISM Schweiz
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Lothar Kempter wurde am 5. Februar 1844 als Sohn des Musiklehrers Friedrich Kempter in Lauingen (Bayern) geboren. Er besuchte das Gymnasium in Augsburg und begann auf Wunsch des Vaters ein Studium der Jurisprudenz an der Universität München. 1868 - der Vater war 1864 verstorben - wandte er sich der Musik zu. An der Königlichen Musikschule in München studierte er bei Hans von Bülow (Ensemble), Josef Rheinberger (Komposition), Franz Wüllner (Chorgesang) und Carl Bärmann (Klavier). Bereits 1870 wurde er Korrepetitor am Hoftheater und Dirigent des akademischen Gesangvereins. 1871 ging er als zweiter Kapellmeister des Stadttheaters nach Magdeburg. Im selben Jahr heiratete er die Sängerin Caroline Leonoff. Mit ihr hatte er zwei Söhne, Lothar (1873-1948) und Max (1879-1943). Nach drei Jahren am Strassburger Theater wurde er 1875 Kapellmeister am Aktientheater in Zürich, wo seine Frau bereits früher gastiert hatte. 1879 übernahm er zudem die Leitung der populären Tonhallekonzerte. In der Nachfolge von Gustav Weber war er ab 1886 während fast dreissig Jahren Lehrer für Theorie und Komposition an der Zürcher Musikschule. Von 1906 bis 1911 dirigierte er den Lehrergesangverein. 1892 erhielt er das Zürcher Bürgerrecht, 1911 die Ehrendoktorwürde der Universität Zürich. Elf Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1899 Hedwig Ratzinger (gest. 1908) und 1910 Philomena Jakob alias Philo Jarno, beide Sängerin am Zürcher Stadttheater. Am 14. Juli 1918 verstarb Lothar Kempter in Vitznau.

Lothar Kempter als Kapellmeister der Oper (1875-1915) und Friedrich Hegar als Dirigent der Tonhalle (1863-1906) prägten das Zürcher Musikleben während eines halben Jahrhunderts. Sie setzten die von Wagner in den 1850er Jahren geforderten Neuerungen um und führten ihr Orchester auf ein in Zürich seit Wagners Zeiten nicht mehr gehörtes Niveau und zu internationalem Ansehen. Für das Aktien- bzw. Stadttheater Zürich bedeutete Kempters Wirken eine Periode intensiver Wagner-Pflege. Er brachte alle Opern Wagners zur Aufführung und am 13. April 1913 Parsifal zur Erstaufführung ausserhalb von Bayreuth.
Sein kompositorisches Werk umfasst Bühnenwerke, Festspiele, Lieder, Männerchöre, Kantaten und einige Instrumentalwerke sowie zahlreiche Bearbeitungen für Orchester.

 

Literatur:

Conrad, Max, Lothar Kempter, Zürich 1938 (126. Neujahrsblatt der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich)

Refardt, Edgar, Historisch-biographisches Musikerlexikon der Schweiz, Zürich 1928