Bestandesgeschichte

Bücherwagen mit Altbeständen aus der Bibliothek der Allgemeinen Musik-Gesellschaft Zürich

Bücherwagen mit Altbeständen aus der Bibliothek der Allgemeinen Musik-Gesellschaft Zürich

Wie jede vergleichbare Institution widerspiegelt auch die 1914 gegründete Zentralbibliothek Zürich in ihren Beständen den Gang des kulturellen, wissenschaftlichen und insbesondere eben auch des musikalischen Lebens. Prägend war die Reformation Zwinglis, die ein öffentliches Musikleben bis weit ins 18. Jahrhundert hinein zum Erliegen gebracht hatte, und die verhältnismässig späte Gründung der Universität im Jahr 1833.


Die älteste der Zürcher Bibliotheken ist jene des Chorherrenstifts auf dem Grossmünster, erstmals 1260 erwähnt. Ein grosser Teil ihrer Bestände – darunter eine erhebliche Zahl von Musikhandschriften – fiel allerdings der Reformation zum Opfer. Die Stiftsbibliothek blieb in reduziertem Zustand erhalten und wurde 1835 zur Bibliothek der Cantonal-Lehranstalten, der Kantonsbibliothek, umfunktioniert. Die Aufhebung des Klosters Rheinau 1863 und die Überführung der Klosterbibliothek in die Kantonsbibliothek führten zu einem bedeutenden Zuwachs an liturgischen Musikhandschriften, Musikdrucken und musiktheoretischen Werken.


Die 1629 gegründete Zürcher Stadtbibliothek war hinsichtlich der Musik liberaler gesinnt als das Chorherrenstift. Zu ihren Beständen gehören einerseits Chor- und Liederbücher zürcherischer Provenienz andererseits kostbare Notendrucke des 17. und 18. Jahrhunderts, darunter auch Unikate des frühen Notendrucks, die aus dem Ausland auf unbekannten Wegen in die Limmatstadt gelangt sind.


Bei Inbetriebnahme der Zentralbibliothek als Kantons-, Stadt- und Universitätsbibliothek im Jahr 1917 galten als Sammelgebiete die an der Universität vertretenen Wissenschaften sowie Turicensia und Helvetica. Im Bereich Musik wurde vornehmlich Sekundärliteratur erworben; auf die Pflege einer für die Musikgeschichte repräsentativen Sammlung an Musikalien musste mangels finanzieller Mittel und Fachpersonals vorderhand verzichtet werden. Man beschränkte sich auf die Erwerbung einiger Gesamtausgaben bedeutender Komponisten. Diese zurückhaltende Bestandespflege wurde indessen durch den Umstand aufgewogen, dass die Zentralbibliothek bereits 1917 die Bibliothek der Allgemeinen Musik-Gesellschaft Zürich (AMG) als Dauerdepositum aufnehmen konnte.


Im Oktober 1971 wurden mit der Einrichtung der Musikabteilung die organisatorischen und personellen Voraussetzungen geschaffen, die einen systematischen Ausbau des Bereichs Musik – Musikalien, Sekundärliteratur und Tonträger – ermöglichten. Als Zugänge grösseren Umfangs seitdem seien erwähnt: 1971 die Schenkung einer Sammlung von musikalischen Erst- und Frühdrucken aus dem Nachlass des Zürcher Dirigenten und Komponisten Ernst Hess; 1972 die Erwerbung eines grösseren Postens von Musikalien vor allem des 20. Jahrhunderts aus dem Verlagsprogramm der Universal-Edition Wien; 1974 die Musikbibliotheken des Publizisten Willi Reich (Zürich) und des Musikwissenschaftlers Erwin R. Jabobi (Zürich). 1999 konnte das Archiv des Verlags Rieter-Biedermann (Winterthur und Leipzig) erworben werden und 2003 erhielt die Zentralbibliothek das Verlagsarchiv der Zürcher Liederbuch-Anstalt und die Bibliothek des Hymnologen Markus Jenny (Ligerz).


Darüber hinaus vereinigte die Musikabteilung nach und nach weitere Zürcher Bibliotheken unter ihrem Dach. Seit 1978 besitzt sie die alte Musikalienbibliothek des Opernhauses, 1999 konnte sie die alten Notenbestände des Konservatoriums und der Tonhalle übernehmen. Ein weiterer Aspekt der Sammlungstätigkeit betrifft die Erschliessung und Aufbewahrung von Nachlässen von Komponisten, Musikern und Musikwissenschaftlern.