Stadttheater und Opernhaus Zürich


Notenbibliothek

Signatur: Mus BAZ

Musikmanuskripte, Musikdrucke, Textmanuskripte, Druckschriften, Varia. - 160 m.
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Findmittel: Musikalienbibliothek des Opernhauses Zürich. Bestand in der Zentralbibliothek Zürich. Katalog, Winterthur 1995


Geschichte der Bibliothek: Die ältesten Aufführungsmaterialien des Zürcher Stadttheaters wurden 1891 von der Zürcher Theater-Aktiengesellschaft dem ehemaligen Direktor des Breslauer Stadttheaters, Emil Hillmann, abgekauft. Absicht dieses Kaufs war, die beim Brand des Zürcher Aktientheaters in der Neujahrsnacht von 1889 auf 1890 vernichtete Hausbibliothek zu ersetzen.

Leipzig 1843
Der Grundstock der Sammlung wurde vom Direktor des Leipziger Stadttheaters, Carl Christian Schmidt (1793-1855), zwischen 1843 und 1849 gebildet: Eine in den meisten Partituren und Libretti eingeklebte Etikette zeigt die Benutzungsordnung der "Bibliothek des Leipziger Stadttheaters"; zudem weisen Eintragungen von Probe- und Aufführungsdaten der Musiker darauf hin, dass dieses Material damals in Leipzig verwendet wurde.

Prag 1864
Unter dem Nachfolger Schmidts in Leipzig, Rudolph Wirsing (1808-1878), wurde die Bibliothek weiter ausgebaut. Als Wirsing 1864 zum Deutschen Königlichen Landestheater nach Prag überwechselte, nahm er sie mit. Auch zu diesen Vorgängen sind Spuren im Material zurückgeblieben: Einerseits Wirsings persönlicher kleiner Stempel sowie die Etikette mit der Benutzungsordnung der "Bibliothek des Deutschen Königl. Landestheaters zu Prag", deren Wortlaut demjenigen der Leipziger Etikette auffallend ähnlich ist, andererseits die Zensurvermerke der Prager Polizei oder Statthalterei sowie Eintragungen der Intendanten des dortigen Theaters. Wirsing stand in Prag von 1864 bis 1876 dem Deutschen, danach noch 15 Monate dem Tschechischen Landestheater als Direktor vor. 1878 wurde er an das Stadttheater nach Breslau berufen, starb aber im gleichen Jahr noch in Prag.
Auch die Tätigkeit Wirsings am Tschechischen Landestheater hat sich im Material niedergeschlagen: Einige Partituren, Klavierauszüge und Vokalstimmen sind mit deutschem und tschechischem Text versehen; zudem wurde einigen Beständen der Besitzerstempel des Tschechischen Landestheaters aufgeprägt.

Breslau 1879
1879 übernahm Emil Hillmann (?-1902), vormals Kapellmeister in Königsberg, die Direktion des Breslauer Stadttheaters samt der Theaterbibliothek Wirsings. 1883 zog er sich nach Wiesbaden zurück. Da die Eintragungen der Musiker 1883 abbrechen und erst 1891 wieder einsetzen, dürfte das Material seit dem Rücktritt Hillmanns bis zur Übernahme durch Zürich an keinem anderen Theater benutzt worden sein.

Zürich 1891
Laut dem Protokoll der 99. Sitzung des Verwaltungsrates der Zürcher Theater-Aktiengesellschaft vom 24. April 1891 enthielt Hillmanns Bibliothek ursprünglich "179 vollständige Opern & 800 Schauspiele". Sie sollte zunächst für 2000 Mark dem Zürcher Theater ein Jahr lang ausgeliehen werden und danach zum Kaufpreis von 7000 Mark ganz in dessen Besitz übergehen. Ende Mai wurde die Sammlung nach Zürich geliefert und vorläufig in der Tonhalle untergebracht.

Im Zürcher Stadttheater scheint die Existenz der Hillmann-Bibliothek zunehmend in Vergessenheit geraten zu sein. Nur wenige dieser Musikalien zeigen Spuren der Verwendung auf Zürcher Boden. Erst 1974 wurde ein Teil der Sammlung, der in zwei Räumen des Opernhauses Zürich lagerte, wiederentdeckt, und der Musikabteilung der Zentralbibliothek Zürich 1978 übergeben. Seitdem erhält die Zentralbibliothek regelmässig auch neuere Musikalien des Opernhauses.