Listesches Singinstitut und Kirchengesangverein Grossmünster


Notenbibliothek

Mitgliederausweis des Listeschen Singinstituts

Signatur: Mus LSI

Listesches Singinstitut:
Musikmanuskripte, Musikdrucke, Druckschriften, Protokolle, Rechnungen, Briefe, Varia. - 3 m.
Verzeichnis der Sammlung (pdf) →


Anton Liste (1772-1832) gründete bald, nachdem er 1804 als Musikdirektor der Allgemeinen Musik-Gesellschaft (AMG) nach Zürich berufen worden war, einen gemischten Chor. Diese Kleine Musikgesellschaft (ab 1806 belegt) wurde 1818 im Zuge einer Neuorganisation in Listesches Singinstitut umbenannt. Die Statuten von 1828 nennen als Zweck des Singinstituts, die "kunstgerechte, höhere Gesangbildung unter sich zu befördern". Versammlungsort war das "Haus zum Schneggen", 1826 vorübergehend auch das Zunfthaus zu Zimmerleuten. Jeden Winter wurden vier bis sechs sogenannte Deklamatorien veranstaltet, die meist im kleinen Casinosaal stattfanden. Das Publikum setzte sich vor allem aus Familienangehörigen und Freunden zusammen. An diesen Abendunterhaltungen wurde Gesang im Wechsel mit Gedichten oder allgemeinbildenden Vorlesungen von Mitgliedern oder Gästen vorgetragen. Oft kam es auch mit der AMG zu gemeinsamen Aufführungen grosser Chorwerke. 1826 zählte das Listesche Singinstitut rund 50 Mitglieder. Nach Listes Tod übernahm August Schuster die Leitung des Chors, die Mitgliederzahl brach aber rasch ein. 1835 fand die letzte Abendunterhaltung statt. Die Musikalien wurden bei Dr. Hirzel deponiert (1842). Im April 1844 wurde eine Sammlung Musikalien als "bey Oberst Lieut. Escher im Seidenhof in einem ... Kasten lagernd" verzeichnet. Später wurde ein Teil der Musikalien dem Kirchengesang-Verein in Zürich geschenkt. 1864 löste sich der Verein auf.

 

 

Mitgliederausweis des Kirchengesangvereins Grossmünster

Signatur: Mus KGG

Kirchengesangverein Grossmünster:
Musikmanuskripte, Musikdrucke, Druckschriften, Rechnungen, Briefe, Varia. - 2 m.
Verzeichnis der Sammlung (pdf) →


Der Kirchengesang-Verein der Stadt Zürich wurde 1842 von Prof. Johann Peter Lange (1802-1884) gegründet mit dem Ziel, über "einen ausgebildeten Chor für den evangelischen Gemeindegottesdienst" in den vier Stadtgemeinden zu verfügen. Im Gründungsjahr zählte der Chor 107, später 120 bis 130 Mitglieder. Wegen des Wunsches der vier Kirchgemeinden der Stadt nach eigenen Kirchengesangvereinen löste sich der Kirchengesang-Verein 1873 auf. Die Musikalien und das Klavier wurden dem neugegründeten Kirchengesangverein Grossmünster geschenkt. Als Dirigenten wirkten Carl Attenhofer, A. Edenhofer und Gustav Weber. Das Klavier wurde bereits 1877 als Schenkung der Musikschule Zürich übergeben. Am 9. Juni 1878 reichte der damalige Dirigent Gustav Weber seinen Rücktritt ein, da der Frauenchor zu schwach, zu wenige Männerstimmen vorhanden seien und die Sänger zudem zu oft fehlten, so dass keine qualitative Entwicklung möglich sei. Am 24. Juni 1878 löste sich auch der Kirchengesangverein Grossmünster auf.

 

Quelle:

Weber, Heinrich, Zürichs Musikleben von 1812-1850. 1. Teil, Zürich 1874 (62. Neujahrsblatt der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich)

 

Die Sammlung

Die aus dem Grossmünster Zürich stammende Sammlung vereint Bestände aus drei Gesangsvereinen: dem Listeschen Singinstitut, dem Kirchengesang-Verein in Zürich und dem Kirchengesangverein Grossmünster.
Auf Grund eines in den Akten erhaltenen Musikalienverzeichnisses (Mus KGG : B 14 : 1) war es möglich, die aus dem Listeschen Singinstitut stammenden Bestände zu identifizieren und damit die Listesche Sammlung wenigstens teilweise zu rekonstruieren. Diesen Musikalien wird deshalb eine eigene Signatur zugewiesen (Mus LSI). Die weiteren Musikalien stammen zum Grossteil aus dem Besitz des Kirchengesang-Vereins in Zürich. Da die Noten nach der Auflösung eines Vereins jeweils von der Nachfolgeorganisation weiterverwendet wurden, haben sich die Bestände vermischt. Daher wurde darauf verzichtet, später hinzugefügte Abschriften von älteren Manuskripten des gleichen Werks zu trennen. Aus diesem Grund finden sich auch im Verzeichnis der Listeschen Bestände Noten aus der Zeit des Kirchengesang-Vereins Zürich.