Die Öffentlichkeit ist seit dem 10. Juni 2021 eingeladen, über 2500 digitalisierte alte Zürcher und Schweizer Landkarten der Abteilung Karten und Panoramen der ZB geografisch zu verorten. Interessierte bearbeiten die Landkarten auf der Webplattform «Georeferencer».

Intuitives Tool

Das Werkzeug zur Georeferenzierung ist einfach in der Handhabung: Eine ausgewählte alte Karte wird mit einer modernen verglichen, auf beiden werden identische Merkmale identifiziert und Referenzpunkte gesetzt. Dies ermöglicht es, die alte Landkarte zu entzerren und als Überblendung auf einer aktuellen Karte darzustellen.

Alte Karten im Allgemeinen stark verzerrt

Das «Eigentliche Verzeichnuss der Städten, Graffschafften und Herrschafften, welche in der Stadt Zürich-Gebiet und Landschafft gehörig sind», zeigt, wie verzerrt Ausgangskarten bisweilen sein können. Bei der 4. Ausgabe der sogenannten Murer-Karte handelt es sich um einen Wiederabdruck von Anfang des 18. Jahrhunderts der originalen Druckstöcke. Gezeichnet hatte die Karte Jos Murer (1530-1580).

4. Ausgabe der Murer-Karte (oben) und dieselbe georeferenzierte, also geometrisch «zurechtgerückte» Karte als Überblendung (unten)

Bereits mehr als die Hälfte der Karten georeferenziert

In rund einem Monat wurden von der engagierten Crowd über 1300 Karten erfolgreich geografisch verortet. Um eine möglichst einheitliche Qualität zu gewährleisten, werden die georeferenzierten Landkarten vor ihrer späteren Freigabe auf Old Maps Online geprüft.

Erste Beobachtungen 

Es zeigt sich, dass das Ergebnis massgeblich von der Anzahl und Verteilung der Referenzpunkte abhängt: Gute Resultate werden im Allgemeinen erzielt, wenn die gewählten Punkte keine Cluster bilden, sondern über das ganze Kartenfeld verteilt sind.

Auffällige Abweichungen

Wenig überraschend ist, dass die älteren Karten besonders im Gebirge die stärksten Verzerrungen aufweisen. Diese sind unter anderem auf die im 16. und 17. Jahrhundert noch enorm schwierige Vermessung der Erdoberfläche zurückzuführen. Es zeigt sich zudem, dass einige stehende Gewässer wie Zürich-, Boden- und Genfersee oder Lago Maggiore in ihrer Gestalt ungenau erfasst und erheblich zu breit eingezeichnet wurden.

Wandel erfahren

Mit jeder Karte, die Citizen Scientists bearbeiten, erfahren sie mehr darüber, wie sich die Landkarten über die Zeit verändert haben. Wie wurden Gebirge und Gewässer, wie Städte, Dörfer, Strassen und Wege dargestellt? Gleichzeitig bieten sich Vergleiche an, wie sich die Landschaft, Siedlungen und Verkehrsinfrastruktur in der Zeit bis 1900 entwickelt haben.

«Die Landschaft Toggenburg», entworfen vom Zürcher Johann Jacob Scheuchzer (1672-1733)

Entdecken Sie kartografische Trouvaillen und georeferenzieren Sie Landkarten aus der Sammlung. Wir freuen uns auf Ihr Engagement! Das Projekt ist Teil des strategischen Schwerpunkts Citizen Science der Zentralbibliothek Zürich.


Mitarbeiter Abteilung Karten und Panoramen