Die Zentralbibliothek als Hüterin alter Schätze
Die Zentralbibliothek Zürich ist den meisten als moderne Hochschulbibliothek bekannt, die ihre Nutzerinnen und Nutzer mit aktueller Literatur in elektronischer und analoger Form versorgt und darüber hinaus ein vielfältiges Serviceangebot für Studierende und Forschende bereithält.
Nicht alle wissen, dass die Zentralbibliothek in ihren Spezialsammlungen auch Schätze von internationaler Bedeutung hütet: Kostbare Drucke, Nachlässe bedeutender Personen, seltene Kartenwerke, Musikautographen, Kunstwerke, Verlags- und Firmenarchive und mittelalterliche Handschriften.
Vorträge, Führungen und Ausstellungen
Neben der Konservierung, Erschliessung und Bereitstellung zur Benutzung von historischen Dokumenten ist es eine Kernaufgabe der Bibliothek, der Öffentlichkeit Kenntnisse über diese Dokumente zu vermitteln. Dies geschieht in Vorträgen, Einzelführungen und immer auch schon in Ausstellungen. Die im Jahr 2014 neu gestaltete und mit moderner Technik ausgestattete Schatzkammer, also das unterste Geschoss des Predigerchors, bietet einen idealen Rahmen für thematische Ausstellungen jeden Zuschnitts. Gemeinsam ist allen ZB-Ausstellungen, dass besonders bedeutende Dokumente oder Objekte aus den eigenen Sammlungen erklärt und kontextualisiert werden. Durch das Sammlungsprofil der Bibliothek ist meist auch ein deutlicher Zürich-Bezug gegeben.
«Krieg und Frieden» - Schweizer Bilderchroniken in der ZB
Aktuell ist in der Schatzkammer die Ausstellung «Krieg und Frieden – Bilderchroniken aus der Frühzeit der Alten Eidgenossenschaft» zu sehen. Die sogenannten Schweizer Bilderchroniken sind eine Reihe reich bebilderter und prächtig ausgestatteter handschriftlicher Chroniken, in denen ab dem 15. Jahrhundert zunächst einzelne Schweizer Städte stolz ihre eigene Vergangenheit darstellten. Da auch die Geschichte der anderen Orte stets mit einbezogen wurde, nahmen diese Werke zunehmend den Charakter von gesamteidgenössischen Chroniken an. Die Zentralbibliothek hütet einige der schweizweit bedeutendsten dieser Handschriften: Die Tschachtlanchronik als erste Schweizer Bilderchronik überhaupt, die «Grosse Burgunderchronik» von Diebold Schilling d.Ä. und die Zürcher Edlibachchronik. Hier geht es zur Ausstellung mit ihrem reichhaltigen Begleitprogramm.
Zugang zu historischen Materialien für alle
Die Vermittlung kulturellen Wissens in Ausstellungen ist, wenn diese auch noch so attraktiv gestaltet sein mögen, in ihrer Reichweite stets limitiert – räumlich wie zeitlich. Die ausgestellten Handschriften oder anderen kostbaren Objekte können zwar ansprechend präsentiert und erklärt werden; eine wirkliche Annäherung an die Exponate ist aber nicht möglich. Deshalb nutzt die Zentralbibliothek seit Jahren die Möglichkeit, besonders wichtige Handschriften, Graphiken, Karten oder Drucke der Allgemeinheit auf www.e-manuscripta.ch oder z.T. auch anderen Plattformen wie www.e-codices.ch kostenfrei digital zur Verfügung zu stellen. Im Zuge der Ausstellung wurden so einige der Schweizer Bilderchroniken aufwändig digitalisiert und aufgeschaltet: Eine Liste findet sich hier.
Analoge und digitale Nutzung
Die Digitalisierung wichtiger Materialien aus den Sammlungen der Zentralbibliothek wie auch anderer Bibliotheken und Archive garantiert Interessierten auf der ganzen Welt einen unkomplizierten Zugang zu kulturgeschichtlich bedeutsamen Dokumenten. Auch die Originale können auf diese Weise geschont und besser für die Zukunft erhalten werden. Die digitale Darbietung hat aber auch ihre Grenzen: Die besondere Materialität einiger Dokumente ist nur unzureichend nachvollziehbar, etwa wenn Seiten eingeklebt oder Textteile überschrieben wurden. Die analoge und digitale Nutzung historischer Ressourcen sind deswegen keine Alternativen, sondern nur gemeinsam wirklich sinnvoll und fruchtbar: Probieren Sie es gleich aus – in unserer Ausstellung «Krieg und Frieden»!
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Stv. Leiter Handschriftenabteilung |

