Aktuelle Forschungs- und Digitalisierungsprojekte

Mit grossem Engagement beteiligen sich die Spezialsammlungen der ZB an universitären Forschungsprojekten. Die Metadaten werden dabei gemäss den projektspezifischen Anforderungen erhoben und erfüllen höchste wissenschaftliche Standards. Das wissenschaftliche und technische Fachpersonal der ZB entwickelt mit Ihnen projektspezifische Erschliessungsvarianten und Datenmodelle: Zu innovativen Umsetzungslösungen, die den Forschungsprojekten einen Mehrgewinn versprechen, bietet die ZB gerne Hand. Unsere nationalen und internationalen Kooperationen werden von privaten und staatlichen Förderinstitutionen unterstützt und sind gut mit der akademischen Forschungslandschaft vernetzt.

Digitale Edition der Korrespondenz von Johann Caspar Lavater

Die ZB besitzt über 20'000 Briefe von und an Lavater (1741-1801), den grossen Zürcher Theologen des 18. Jahrhunderts. Für die Online-Edition seiner Korrespondenz (lavater.com) erstellen wir rund 110'000 Digitalisate und erarbeiten die dazugehörigen Metadaten, welche in die Editionsdatenbank exportiert werden. Für die Projektlaufzeit von 2018-2020 wurde eine vom SNF-finanzierte Mitarbeiterstelle (50%) in der ZB eingerichtet. Das Editionsprojekt ist am Deutschen Seminar der Universität Zürich angesiedelt.

Für Auskünfte:

Das Physiognomische Kabinett von Johann Caspar Lavater

Der umtriebige Zürcher Pfarrer Lavater (1741-1801) wurde durch seine Überlegungen zur Physiognomik in ganz Europa bekannt. Das bis heute weitgehend unbekannt gebliebene Physiognomische Kabinett war zugleich Basis wie Ergebnis seiner Reflexionen. Die ZB besitzt ca. 1500 Bilder dieser Sammlung, die sie von 2019 bis 2020 inhaltlich erschliessen und digitalisieren wird. Anschliessend werden die Digitalisate in die Online-Edition der Lavater Briefe integriert (lavater.com). Das Einjahresprojekt wird finanziell unterstützt durch die UBS Kulturstiftung.

Für Auskünfte:

Conrad Ferdinand Meyers Verlagsbriefwechsel in digitaler Form

Conrad Ferdinand Meyers (1825-1898) Briefwechsel mit seinem Leipziger Verleger Hermann Haessel offenbart Einblick in die Entstehung wichtiger literarischer Werke Meyers. Für die historisch-kritische C.F. Meyer-Briefausgabe digitalisiert die ZB ca. 2500 Briefe aus ihrem Besitz und erarbeitet 2019 die notwendigen Metadaten. Das vom SNF-geförderte Editionsprojekt des Deutschen Seminars der Universität Zürich (cfmeyer.ch) wird am Ende ca. 10'000 Digitalisate der ZB in ihre Datenbank importieren.

Für Auskünfte: 

Digitale Erschliessung und Präsentation des Werks von Johannes Itten

Die ZB besitzt den schriftlichen Nachlass des Malers, Kunsttheoretikers und -pädagogen Johannes Itten (1888-1967), der ca. 17 Laufmeter mit rund 120‘000 Dokumenten an Korrespondenz, Manuskripten, Drucken, Lebensdokumenten und Bildmaterialien aller Art umfasst. In Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Universität Regensburg wird der Bestand digitalisiert, wissenschaftlich erschlossen und in Verbindung mit dem neuen digitalen Itten-Werkverzeichnis‘ durch die Universitätsbibliothek Heidelberg nach und nach auf arthistoricum.net präsentiert. Die erste Projektphase dauert von 2019-2020.

Für Auskünfte:

Retrodigitalisierung der NZZ (1780-1950)

Die ZB digitalisiert in Kooperation mit der NZZ und der Schweizerischen Nationalbibliothek (NB) die Jahrgänge 1780-1950 der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). Die produzierten Images werden von einem Projektteam des Instituts für Computerlinguistik der Universität Zürich weiterbearbeitet. Das Projekt ist integriert in das dreijährige SNF-geförderte Forschungsvorhaben «Impresso. Media monitoring of the past» und probiert u.a. vielversprechende neue Methoden der OCR aus.

Die ZB lässt die Digitalisate von externen Dienstleistern so aufbereiten, dass sie auf dem nationalen Zeitungsportal e-newspaperarchive.ch präsentiert werden können. Die Seiten werden segmentiert und strukturiert sowie für die automatische Volltextsuche durch OCR-Verfahren vorbereitet. Die NB wird die Digitalisate anschliessend auf der Plattform aufschalten und sie damit der Öffentlichkeit frei zugänglich machen.

Für Auskünfte:

Abgeschlossene Forschungs- und Digitalisierungsprojekte

DigiTUR (2013-2018): über fünf Millionen produzierte Scans

Die ZB führte von 2013 bis 2018 ein eigenes Digitalisierungsprojekt durch, in dem repräsentative Bereiche des von der ZB verwahrten Zürcher Kulturguts erschlossen und online zugänglich gemacht wurden. Dank der Förderung des Lotteriefonds des Kantons Zürich sowie der Stadt Zürich mit einer Summe von ca. zehn Millionen CHF wurden über fünf Millionen Scans produziert, die auf den nationalen Plattformen (e-rara.ch, e-manuscripta.ch, e-newspaperarchives.ch sowie e-codices.ch) eingesehen werden können. Retrodigitalisiert wurden 4,5 Millionen Seiten Alter Drucke, 400‘000 Seiten historischer Zürcher Zeitungen, je ca. 100‘000 Seiten handschriftlicher Materialien und Musikalien, 50‘000 graphische Blätter und Fotografien sowie rund 2‘500 Karten und Panoramen. An dem Projekt waren zwischenzeitlich über 20 Spezialisten aus allen Fachbereichen beschäftigt. Ein kurzer YouTube-Film von Lorenz von Meiss dokumentierte 2017 das Projekt, das bis heute eines des grössten Digitalisierungsprojekte der Schweizer Bibliotheken darstellt.

Für Auskünfte:

Retrodigitalisierung für Forschungsprojekte

Wir empfehlen Forschungsprojekten, die über 100 Scans benötigen, sich frühzeitig – aber spätestens während des Verfassens des Forschungsantrags – mit uns in Verbindung zu setzen. Im gemeinsamen Gespräch können die genauen Bedürfnisse analysiert und die passenden Lösungen erarbeitet werden (Bild- und Metadaten, Datenformate und -transfer u.a.). Zudem werden zuverlässige Angaben zum finanziellen und zeitlichen Aufwand errechnet. Auf diese Weise können die Projekte gegenüber den Forschungsförderern die genauen Kosten sowie Produktions- und Lieferzeiten ausweisen.

Für ein Beratungsgespräch wenden Sie sich bitte an den Produktionsmanager Digitalisierung:

Folgende Aspekte sind für die Planung relevant:

  • Um welche ZB-Bestände handelt es sich? Bitte die Signaturen mit angeben und, falls möglich, auch bereits Seitenzahlen resp. Laufmeter
  • Kurzbeschreibung des Vorhabens
  • Projektdauer und Termine; aktueller Projektstand

Bitte beachten Sie: Die Zentralbibliothek kann aus konservatorischen o.ä. Gründen von einer Digitalisierung absehen.

Scannen im DigiZ oder extern

Grundsätzlich ist vorgesehen, die Digitalisierung im hauseigenen Digitalisierungszentrum (DigiZ) durchzuführen. Einerseits sollten wertvolle Objekte und Sammlungen das Haus nicht verlassen, andererseits können die Qualitätsstandards intern am besten überwacht und eingehalten werden.

Wo Vorhaben durch externe Dienstleister effizienter und damit kostengünstiger realisiert werden können, wird diese Variante geprüft. Dies betrifft Projekte, die entweder aufgrund ihres Umfangs oder ihrer Beschaffenheit intern erhebliche Ressourcen binden würden bzw. zusätzliche Ressourcen benötigen:

  • Zeitungsdigitalisierung: Die ZB verfügt derzeit über keinen spezialisierten Scanroboter. Für die Segmentierung der Digitalisate (OCR und Tiefenerschliessung auf Artikelebene) sind darüber hinaus automatisierte Verfahren notwendig, die nur durch spezialisierte Dienstleister durchgeführt werden können.
  • Massendigitalisierung (Big Data-Projekte): Im Fokus stehen urheberrechtsfreie Bücher und Zeitschriften des 18. und 19. Jahrhunderts, die keinen besonderen kulturhistorischen Sammlungswert für die ZB haben.
  • Aufwendige und umfangreiche Restaurierungsarbeiten als Voraussetzung für die Digitalisierung: Aufgrund beschränkter eigener Ressourcen (Personal und Infrastrukturen) werden bei Aufträgen von Forschungsprojekten besondere konservatorische Massnahmen unter Umständen durch externe Dienstleister durchgeführt.

Konservatorische Vorbereitung

Der Aufwand für bestandserhaltende Massnahmen im Hinblick auf die Digitalisierung richtet sich nach dem Wert der Objekte. Ziele solcher Massnahmen sind: Optimierung der Lesbarkeit (z.B. durch Ausbinden) und Stabilisierung sowie Nachbearbeitung. Im Zweifelsfall wird auf eine Digitalisierung verzichtet.

Wenn es vom inhaltlichen Wert des Bestands und von seinem konservatorischen Zustand her vertretbar ist, können auch geeignete Massnahmen zur Erleichterung bzw. zur Beschleunigung des Scannens ergriffen werden (Ausbinden).

Einhalten von internationalen Standards

Das DigiZ bewirtschaftet einen umfangreichen Gerätepark, um allen Ansprüchen der Vielfalt der Vorlagen (Formate, Materialien, Erhaltungszustand usw.) gerecht zu werden. Die technologische Entwicklung wird aufmerksam beobachtet und bei Bedarf durch entsprechende Anschaffungen adaptiert (schnellere Scanner, Scanroboter, Workflowsoftware).

Hinsichtlich der Scanqualität richtet sich das DigiZ nach international akzeptierten Standards in Bezug auf das Format, die Auflösung und das Farbmanagement. Es orientiert sich bei der Anschaffung von Scannern an den für die Digitalisierung von Kulturgütern entwickelten Qualitätsnormen von Metamorfoze und FADGI. Gescannt wird in TIF, RGB, 24 Bit, ein Format, das sicherstellt, dass mit Hilfe gängiger Systeme der digitalen Langzeitarchivierung (DLZA) die Ergebnisse über Generationen hinweg lesbar gehalten werden können. Bestände, die sich durch einen grossen Umfang auszeichnen und bei denen Farbigkeit keinen Beitrag zur Information oder zur Qualität der OCR leistet, können zur Optimierung des Speicherbedarfs in Graustufen gescannt werden.