Betsy Meyer, besorgt um den Nachruhm ihres Bruders Conrad Ferdinand Meyer
Betsy Meyer (1831–1912) hatte ein besonderes Verhältnis zu ihrem sechs Jahre älteren Bruder Conrad Ferdinand Meyer (1825–1898). Gut 44 Jahre wohnte sie mit dem bekannten Schriftsteller zusammen. Erst als dieser 1875 heiratete, trennten sich ihre Haushalte; dennoch blieb Betsy Meyers Einfluss auf das dichterische Werk ihres Bruders bestehen. Als Korrespondentin und langjährige Mitarbeiterin war sie massgeblich an der Überarbeitung und Herausgabe der Schriften von Conrad Ferdinand Meyer beteiligt. Teilweise kann ihr sogar eine Mitautorschaft an seinen Werken zugesprochen werden. Aus diesem Grund startete die Zentralbibliothek Zürich (ZB) am 5. Mai 2025 eine Citizen Science-Kampagne zu ausgewählten Briefen seiner Schwester Betsy.
Mit der Transkriptionssoftware Transkribus hat die ZB automatisch Rohtranskriptionen von rund hundert Briefen von Betsy Meyer an das Ehepaar Adolf (1855–1920) und Lina Frey-Beger (1853–1942) erstellt. Diese Rohfassungen können nun im Transkriptionstool von e-manuscripta.ch von Citizen Scientists korrigiert und ergänzt werden.

«Material könnte ich Ihnen unendlich viel liefern an Erinnerungen und Briefen»
Mitarbeiterin an der ersten Conrad Ferdinand Meyer-Biografie
Aufgrund des engen Verhältnisses zwischen Betsy und Conrad Ferdinand Meyer hatte der Bruder ihr schon früh eine bedeutende Rolle im Erinnerungs- und Gedenkprozess zugeschrieben. Im Vorwort zur ersten Meyer-Biografie, «Conrad Ferdinand Meyer. Sein Leben und seine Werke», die im Jahr 1900 erschien, schrieb der Autor Adolf Frey (Vorwort, S. III–IV):
«Als mich Conrad Ferdinand Meyer, der seine Vergangenheit außerordentlich zu beschweigen liebte, in aller Form als denjenigen bezeichnete, der sein Leben beschreiben sollte, gab er gleichzeitig der Schwester, «die allein Bescheid noch weiß von allen Augenblicken seines Lebens», den Auftrag, mir bei meinem Vorhaben zur Seite zu stehen, wenn dereinst die Zeit gekommen sein würde.»
Dementsprechend kam Betsy Meyer der Anfrage von Adolf Frey gerne nach und lieferte ihm seit 1892 Informationen über ihren Bruder. Die Briefe des Citizen Science-Projektes zeugen von diesem Austausch. Betsy Meyer hatte freilich auch eigene Vorstellungen davon, wie die Biografie über ihren Bruder gestaltet sein sollte. Am 19. Oktober 1892 bat sie Adolf Frey, das Buch ähnlich zu verfassen wie seine im selben Jahr veröffentlichten «Erinnerungen an Gottfried Keller» (ZB Zürich, Ms CFM 392.4):
«Ja, lieber Freund, so mahlen Sie einst auch das Bild meines geliebten Bruders. Kann und darf ich Ihnen dabei Farbenreiberdienste thun mit Erzählen alter lieber Erinnerungen, so benützen Sie mich, soweit möglich […].»
Im Vorwort seiner Biografie von 1900 äusserte Adolf Frey die Hoffnung, dass er diesem Wunsch nachgekommen sei und er den «Hauch der Liebe und des feinen Geistes» (Vorwort, S. IV) von Betsy Meyer in sein Werk über Conrad Ferdinand Meyer mitaufgenommen habe. Der Schwester schickte er ein gedrucktes Exemplar mit persönlicher Widmung (ZB Zürich, CFM 1204):
Das Widmungsexemplar ist Teil der Autorenbibliothek von Conrad Ferdinand Meyer, die von der ZB digitalisiert und im ZBlog vom 30. Januar 2025 kontextualisiert wurde.
Die Eheleute Frey-Beger und ihr Interesse am Werk von Conrad Ferdinand Meyer
Adolf und Lina Frey-Beger waren beide Literaturwissenschaftler:innen. Lina Beger war die erste Frau, die an der Philosophischen Fakultät der Universität Bern promovierte. 1892 veröffentlichte sie zudem die Untersuchung «Conrad Ferdinand Meyer’s Gedichte und Novellen», welche die Eheleute an Betsy Meyer schickten. Diese war sehr angetan von der Beurteilung ihres Bruders durch die Autorin, wie sie in einem Brief vom 9. September 1892 an Adolf Frey mitteilte (ZB Zürich, Ms CFM 392.1):
«Natürlich machen Sie mir große Freude durch Zusendung des Essais Ihrer lieben Frau, die so großes Verständnis für den poetischen Charakter meines Bruders hat.»
Die Eheleute Frey-Beger bereiteten die Biografie über Conrad Ferdinand Meyer gemeinsam mit Betsy Meyer vor. In den Briefwechseln zwischen den Dreien geht es nicht nur um Anekdoten über den Dichter, sondern auch um Besuche und Geschenke – Geschäftliches und Persönliches vermischen sich dabei.
Die Erschliessung der Brief Betsy Meyers an Adolf und Lina Frey-Beger
Helfen Sie mit, die Briefe von Betsy Meyer an Adolf und Lina Frey-Beger zu korrigieren! Sie können verfolgen, wie über die Zeitdauer von knapp fünf Jahren freundschaftliche Themen ausgetauscht werden, und Sie können erkennen, wie sehr Betsy Meyer daran interessiert war, dass die Biografie von Adolf Frey ihren Bruder in ein positives Licht rücke.
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Abteilung Plattformen und Daten |





