Alte Drucke und Rara
Vom Frühdruck bis zu bibliophilen Raritäten: Die Abteilung Alte Drucke bewahrt ein wertvolles Kulturerbe für Forschung und Öffentlichkeit, das vor Ort und vielfach online nutzbar ist.
500 Jahre Buchgeschichte
Bei uns finden Sie die ältesten gedruckten Bücher der Zentralbibliothek Zürich – rund 300’000 Bände aus der Mitte des 15. Jahrhunderts bis 1850, darunter die zweitgrösste Inkunabelsammlung der Schweiz. Zudem umfasst unser Bestand alte Zürcher Drucke, Flug- und Kleinschriften sowie naturwissenschaftliche Klassiker, ergänzt durch über 30 Privatbibliotheken und besondere Werke des 19. bis 21. Jahrhunderts.
Unser gesamter Bestand ist online auf swisscovery und swisscollections verzeichnet. Für die Nutzung im provisorischen Lesesaal Spezialsammlungen (P20) bitten wir Sie, die gewünschten Werke vorab online zu bestellen.
Aktuelles
Alte Drucke und Rara
Bestand
Unsere Sammlung umfasst neben historischen Drucken bis 1850 auch ausgewählte Werke aus dem 19. bis 21. Jahrhundert, darunter Titel mit besonderer Provenienz, grossformatige Tafelwerke, Zeitschriftenbände und Kuriosa. Thematisch decken wir zahlreiche Fachgebiete und Sprachen von Arabisch bis Sanskrit ab. Detaillierte Informationen zur Bestandsgeschichte finden Sie im «Handbuch der historischen Buchbestände der Schweiz», Band 3, ab Seite 365−491 (PDF).
Inkunabeln
Mit 1562 Wiegendrucken (Inkunabeln) verfügen wir über den zweitgrössten Bestand in der Schweiz. Er ist ausführlich im «Inkunabelkatalog der Zentralbibliothek Zürich» beschrieben. Darunter finden sich zahlreiche Zimelien der frühen Buchdruckerkunst, etwa:
- verschiedene Ausgaben der Schedelschen Chronik
- der erste datierte Schweizer Druck aus dem Jahr 1470
- der älteste Zürcher Druck (um 1479 erschienen)
- die Malermi-Bibel von 1471 mit künstlerisch hochstehendem Buchschmuck des Pico-Meisters
Zürcher Drucke
Einen zentralen Schwerpunkt der Sammlung bildet die Zürcher Buchproduktion, die mit Christoph Froschauers Offizin 1519 einen ersten Höhepunkt erreichte. Nach einer Phase des Rückgangs erlebten Kultur und Buchproduktion in der Mitte des 18. Jahrhunderts eine neue Blüte, besonders geprägt durch das Verlagshaus Orell, Gessner & Co., das 1771 zu Orell, Gessner, Füssli & Co. fusionierte.
Tafelwerke
Zu unseren Prachtstücken zählen Tafelwerke des 16. bis 19. Jahrhunderts mit Kupferstichen, Radierungen und Lithografien. Besonders geografische und naturwissenschaftliche Werke aus der Bibliothek der 1746 gegründeten Naturforschenden Gesellschaft Zürich, aber auch solche zur Altertumskunde und Architektur (Signaturen Aeg, Fol sowie KK und KK bis) wurden häufig mit aufwendigen und teilweise handkolorierten Illustrationen versehen.
Flug- und Kleinschriften
Aus unseren Sammlungen an Flug- und Kleinschriften hervorzuheben sind:
- zahlreiche Flugschriften der Reformationszeit (versch. Signaturen)
- eine Sammlung zum Dreissigjährigen Krieg, begründet vom Zürcher Pfarrer Josias Waser (1598–1629) – Beschreibung U.B. Leu: «Nuhu trit herfur o pfaltzischer Lew»
- Hochzeitsgedichte
- Leichenreden/Nekrologe des 17. bis 19. Jahrhunderts (teilweise digitalisiert)
- Rund 7500 Flugschriften der Französischen Revolution aus dem Besitz von Paul Usteri
- Genfer politische Flugschriften aus der Zeit von 1725 bis 1846
Privatbibliotheken
Über 30 Privatbibliotheken verschiedener Persönlichkeiten aus Literatur, Musik, Politik, Publizistik, Religion, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft wurden teils in ihrer Originalordnung belassen, teils rekonstruiert und digitalisiert. Darunter:
- Huldrych Zwingli (1484–1531)
- Heinrich Bullinger (1504–1575)
- Johann Jakob Bodmer (1698–1783)
- Johann Caspar von Orelli (1787–1849)
- Gottfried Keller (1819–1890)
- Conrad Ferdinand Meyer (1825–1898)
Der Bestand wird weiter ergänzt, zuletzt mit einer Sammlung an Rossica und Bohemica von Felix Philipp Ingold (geb. 1942).
Hier finden Sie eine Liste der Privatbibliotheken im Bestand Alte Drucke (PDF).
Donatorenbücher der Stadtbibliothek Zürich
In den drei Donatorenbüchern der Stadtbibliothek Zürich werden die jährlich geschenkten Bücher und Namen der Schenkenden seit Bibliotheksgründung 1629 bis ins Jahr 1881 nachgewiesen. Auf e-manuscripta.ch stehen Transkriptionen zur Verfügung, zurzeit ist der dritte und letzte Band in Arbeit. Zusätzlich werden ausgewählte, häufige Donatoren in swisscovery und swisscollections namentlich eingetragen. Beides sind wichtige Daten für die Provenienzforschung.
Rara – Werke aller Epochen
Ebenfalls in unserem Lesesaal einsehbar sind:
- Bibliophile Bücher (buchkünstlerisch oder historisch bedeutsam, z.B. Erstausgaben)
- Drucke mit Widmungen oder berühmten Provenienzen, wie der Kleinbestand der Künstlerin Ruth Steinegger (1917–2012) (vieles unter der Signatur AWD)
- Werke mit hohem Marktwert, darunter Faksimiles wie z.B. der Stuttgarter Bilderpsalter (Signatur AWF)
- In Form, Umfang usw. besondere Bücher wie das kleinste Buch der Welt (Signatur AWE)
- Bibliophile Sammlungen, etwa die von Kunstschaffenden signierten Werke aus dem Besitz von Günter Lott (1936–2011) und Werner Weber (1919–2005) (Signatur AWG)
Ausgewählte Zeitschriften
Zu den häufig konsultierten Zeitungen und Zeitschriften zählen:
- «Nebelspalter» (Jahre 1875–1895 auf Google Books)
- «Schweizer Illustrierte Zeitung» (1911–1965) bzw. «Schweizer Illustrierte» (ab 1965)
- «Zürcherisches Wochenblatt»
- «Sie & Er»
- Fremdenblätter (Signatur: WA 652)
Fachliteratur
In unserem Lesesaal finden Sie Literatur zur Druck- und Buchgeschichte (Buchherstellung, Buchschmuck und Buchillustration, Geschichte einzelner Druckereien, Verzeichnisse einzelner Druckorte sowie nach Epochen und Sprachen), Kataloge in- und ausländischer Bibliotheken sowie einiger Privatbibliotheken, Auktionskataloge und ausgewählte Nachschlagewerke. Die verfügbaren Titel finden Sie auf swisscollections (Signatur LAD).
Bildergalerie
Kataloge & Findmittel
Online-Recherche
Unsere alten Drucke sind online nachgewiesen und für die Lesesaal-Benutzung vorab zu bestellen:
Sie finden hier Archivmaterial (inkl. Nachlässe), Bildmaterial, Alte Drucke und Rara, Dokumentensammlungen, Filmmaterial, Handschriften, Karten, Musikaufnahmen, Musiknoten, Textaufnahmen sowie Einträge in Kantonsbibliographien. Es handelt sich um einen Metakatalog, der auf verschiedene Datenpools zugreift.
Beteiligte Institutionen:
- Aargau, Kantonsbibliothek Aargau
- Basel, Schweizerisches Wirtschaftsarchiv
- Basel, Universitätsbibliothek
- Bern, Universität, Institut für Medizingeschichte: Archiv und Sammlung Hermann Rorschach
- Bern, Universitätsbibliothek
- Beromünster, Chorherrenstift
- Frauenfeld, Kantonsbibliothek Thurgau
- Luzern, Zentral- und Hochschulbibliothek
- Solothurn, Zentralbibliothek
- St. Gallen, Kantonsbibliothek inkl. Vadianische Sammlung
- St. Gallen, Stiftsbibliothek
- Trogen, Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden
- Zürich, Zentralbibliothek
- Zofingen, Stadtbibliothek
Metakatalog für differenzierte und gezielte Recherchen nach Vorbesitzern, Adressaten, Druckern, Druckorten sowie zur Indexsuche.
swisscovery bietet Zugang zu den Beständen von rund 500 wissenschaftlichen Bibliotheken in der Schweiz. Enthalten sind physische und elektronische Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, aber auch Non-Book-Materialien und Millionen von elektronischen Artikeln.
swisscovery UB und ZB Zürich erlaubt die Recherche im gesamtschweizerischen Bestand und eine gezielte Recherche in den Beständen der Universitätsbibliothek (UB) und der Zentralbibliothek (ZB) Zürich.
Gesamtschweizerische Rechercheoberfläche, zum Bestellen.
Im Rahmen eines mehrjährigen Projekts bereinigen wir laufend unvollständige und/oder uneinheitliche Titelangaben alter Drucke in swisscovery und swisscollections. Ziel ist eine bessere Auffindbarkeit und Bestellbarkeit.
Gedruckte Kataloge
- «Inkunabelkatalog der Zentralbibliothek Zürich», von Christian Scheidegger. Baden-Baden 2008–2009.
- «Bibliographie der Zürcher Druckschriften des 15. und 16. Jahrhunderts», von Manfred Vischer. Baden-Baden 1991.
- «Zürcher Liedflugschriften: Katalog der bis 1650 erschienenen Drucke in der Zentralbibliothek Zürich», von Eberhard Nehlsen. Baden-Baden 2021.
- «Heinrich Bullingers Privatbibliothek», von Urs B. Leu et al. Zürich 2004.
- «Der bibliophile Reformator – Rudolf Gwalthers Privatbibliothek», von Urs B. Leu et al. Baden-Baden 2020.
- «Conrad Gessner's Private Library», von Urs B. Leu et al. Leiden 2008.
- «Huldrych Zwinglis Private Library», von Urs B. Leu et al. Leiden 2019.
- Zu den Privatbibliotheken von Johann Jakob Bodmer (1698–1783), Johannes Fries (1505–1565), Johann Caspar von Orelli (1787–1849) und Konrad Pellikan (1478–1556) erschienen Aufsätze – die Angaben dazu entnehmen Sie unserer Liste aller Privatbibliotheken (PDF).
- «Handbuch der historischen Buchbestände der Schweiz», Band 3, ab Seite 365−491 (PDF).
Beratung & Vermittlung
Zu unseren Services zählen:
- Hilfe bei der Katalogrecherche im Altbestand
- Bereitstellung von alten Drucken zur Benutzung im provisorischen Lesesaal Spezialsammlungen (P20). Für Ihren Besuch stehen eine Präsenzbibliothek, zehn Arbeitsplätze und WLAN zur Verfügung. Bitte beachten Sie unsere Benutzungsordnung.
- Annahme von Bestellungen für Reproduktionen
- E-Books on Demand (EOD) für urheberrechtsfreie Bücher von 1500 bis 1900
- Bearbeitung von Ausleihgesuchen (Leihgaben)
- Auskunft bei Fragen rund um das alte Buch
- Themenspezifische Führungen nach Absprache
- Vorträge zum Altbestand der ZB nach Absprache
- Katalogisierung der Drucke mit Angabe von Spezifika (Einband, Provenienz, Annotationen etc.)
- Mehrjährige Digitalisierungsprojekte
Wollen Sie künftig keine Veranstaltungen mehr verpassen? – Bleiben Sie auf dem Laufenden und abonnieren Sie unseren ZB-Newsletter!
Kontakt
Alte Drucke und Rara
Digitalisate
Auf der Plattform e-rara.ch, einem Projekt der Elektronischen Bibliothek Schweiz e-lib.ch, werden digitalisierte alte Drucke aus Schweizer Bibliotheken, unter anderem auch aus der Zentralbibliothek Zürich, öffentlich und kostenlos angeboten. Als erster inhaltlicher Schwerpunkt werden die Schweizer Drucke des 16. Jahrhunderts digitalisiert und aufbereitet. Diverse thematische Kollektionen von gedruckten Büchern sowie gedruckte Karten aus dem 16. bis 19. Jahrhundert erweitern das Angebot.
Digitalisierte Drucke des 15. bis 20. Jahrhunderts. Unsere folgenden Bestände sind auf e-rara grösstenteils digital verfügbar:
- Bibliothek der Naturforschenden Gesellschaft Zürich
- Bibliothek des Benediktinerklosters Rheinau
- Ephemera, mit über 1200 Ereignisberichten, Bittschriften, Kalendern, Werbeblätter etc.
- Flugschriften vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, darunter viele Liedflugschriften
- Die Privatbibliotheken von Huldrych Zwingli (1484–1531), Johann Jakob Bodmer (1698–1783), Gottfried Keller (1819–1890) und Conrad Ferdinand Meyer (1825–1898)
Auf der Zurich Open Platform (ZOP), dem Open-Access-Repositorium der Zentralbibliothek Zürich, werden Publikationen aus und über Zürich (Turicensia) öffentlich und kostenlos angeboten. ZOP macht digitale Turicensia der Gegenwart sowie digitalisierte Turicensia des 19. und 20. Jahrhunderts zugänglich. Auf der Plattform sind auch Bestände anderer Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen von Stadt und Kanton verfügbar.
Auswahl an Publikationen, die in Zürich erschienen sind: Nekrologe, Dissertationen, Adressbücher usw.
e-newspaperarchives.ch ist die Nachfolgeplattform von Presse suisse en ligne, die 2011 von der Schweizerischen Nationalbibliothek (NB) und der Médiathèque Valais gegründet wurde. Sie bietet Zugang zu den Archiven von Zeitungen aus der ganzen Schweiz, die von der Schweizerischen Nationalbibliothek und ihren kantonalen Partnern, unter anderem der Zentralbibliothek Zürich, digitalisiert und online gestellt wurden.
Aus dem Raum Zürich sind die folgenden Zeitungen zur privaten Nutzung frei verfügbar (Stand Februar 2025):
- Wir Brückenbauer / Migros-Magazin (1943-2004)
- Chronik der Stadt Zürich / Zürcher Wochen-Chronik (1899-1918)
- Construire / Migros Magazine (1944-2004)
- Eidgenössische Zeitung (1838-1864) (Public Domain)
- Die Gewerkschaft (1901-1992)
- Neue Zürcher Nachrichten (1895-1991)
- Neue Zürcher Zeitung (1780-2020) (Sperrfrist von 25 Jahren)
- SVEA-Nachrichten (1920-1987)
- Die Tat (1935-1978)
- VHTL-Zeitung (1904-2004)
- Zürcherische Freitagszeitung (1705-1914)
- Zürcherisches Wochenblatt (1801-1842) (Public Domain)
- Der Allmann / Der Freisinnige (1853-1950) (Vorgängertitel des Zürcher Oberländers)
Zentraler Zugang zu digitalisierten Schweizer Zeitungen und Zeitschriften.
Google Books ist eine Online-Sammlung, die aus Millionen digitalisierter Bücher besteht. Die integrierte Suchfunktion ermöglicht eine Volltext-Recherche.
Digitalisierte Werke von 1500 bis 1900, mit Schwerpunkt ab 1700.
Auf der Plattform e-manuscripta.ch werden digitalisierte handschriftliche Quellen aus Schweizer Bibliotheken und Archiven, unter anderem auch aus der Zentralbibliothek Zürich, öffentlich und kostenlos angeboten. Die Handschriften und Archivalien stammen aus mehreren Jahrhunderten, das Spektrum reicht von Texten, Briefen und Archivgut über Musikhandschriften bis hin zu Karten, Plänen und anderen graphischen Materialien.
Die auf e-manuscripta.ch veröffentlichten Donatorenbücher verzeichnen die von 1629 bis 1881 der Stadtbibliothek geschenkten Bücher.
Digitalisate bestellen
Sie finden das gesuchte Digitalisat auf keiner Plattform oder benötigen eine hochwertige Druckvorlage? – Bitte wenden Sie sich direkt an uns. Auf Anfrage stellen wir kostenpflichtige Digitalisate für Forschungszwecke und Publikationen her.
