Wagner, Richard (1813–1883)


Komponist

Porträt von Richard Wagner

Wagner, Richard (1813–1883)

Musikmanuskripte, Musikdrucke, Textmanuskripte, Druckschriften, Briefe, Varia
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Die Zürcher Jahre (1849 bis 1858)
Als Richard Wagner 1849 nach seiner Teilnahme am Dresdner Maiaufstand vor der drohenden Verhaftung aus Dresden flüchtete, war Zürich zunächst nur eine Durchgangsstation auf dem Weg nach Paris. Doch konnte er dort nicht Fuss fassen und kehrte nach Zürich zurück, wo er schliesslich bis August 1858 blieb. Neben der ausbleibenden Amnestie mag dazu die freundliche Aufnahme beigetragen haben. Zu den neu gewonnenen Freunden zählten Politiker wie die Staatsschreiber Johann Jacob Sulzer und Franz Hagenbuch, die Musiker Alexander Müller und Wilhelm Baumgartner, die Ehepaare Johann Bernhard und Johanna Spyri, François und Eliza Wille sowie seine Gönner Otto und Mathilde Wesendonck.

Die Zeit im Zürcher Exil brachte für Wagner eine Wende und Neuorientierung in Leben und Werk. Zunächst dirigierte er in der Saison 1850/1851 als Gastdirigent am Zürcher Aktientheater und leitete 1852 und 1855 die Erstaufführungen seiner Opern Der Fliegende Holländer und Tannhäuser. Bis 1855 liess er sich für mehrere Abonnementskonzerte der Allgemeinen Musikgesellschaft verpflichten. Produktiv war Wagner jedoch vor allem als Schriftsteller bzw. Dichter und Komponist. Es entstanden kunsttheoretische Schriften mit neuen ästhetischen Entwürfen sowie Texte für neue Musikdramen, die von nicht weiter ausgearbeiteten Entwürfen bis hin zu fertigen (Vers-)Dichtungen reichen. Mit der Zürcher Zeit ist besonders die Entstehung der Dichtung des Ring des Nibelungen verbunden, die sich aus der bereits in Dresden noch als dreiaktige Heldenoper konzipierten Dichtung Siegfrieds Tod zur Ring-Tetralogie entwickelte und im Februar 1853 erstmals als Privatdruck erschien. Neben der schriftstellerischen Tätigkeit, die sich vor allem auf die ersten Jahre in Zürich konzentrierte, widmete sich Wagner nach einer langen Pause seit dem Lohengrin auch wieder dem Komponieren. Es entstanden massgebliche Teile der Musik des Ring des Nibelungen, Tristan und Isolde und Parsifal, dessen erstes Konzept vom April 1857 datiert. Neben diesen Musikdramen komponierte Wagner in Zürich auch die erste Fassung der Wesendonck-Lieder für Singstimme und Klavier nach Texten von Mathilde Wesendonck. Parallel zur Entstehung der Schriften und Kompositionen wurde im Mai 1853 in enger Zusammenarbeit mit den Zürcher Kulturinstitutionen eine weitere Idee konzipiert und erstmals verwirklicht: Die der Festspiele mit eigenen Werken.

Die Zentralbibliothek Zürich besitzt eine der bedeutendsten Wagneriana-Sammlungen der Welt, darunter autographe Briefe, Erstdrucke seiner Schriften und Notenausgaben, die autographe Reinschrift des Librettos zu Siegfrieds Tod und die Stichvorlage zur Erstausgabe der Partitur der Walküre.

 

Literatur:

Hanke, Eva Martina, Wagner in Zürich. Individuum und Lebenswelt, Kassel 2007 (Schweizer Beiträge zur Musikforschung, Band 9)
Kunstwerk der Zukunft. Richard Wagner und Zürich (1849–1858), hrsg. von Laurenz Lütteken und Eva Martina Hanke, Zürich 2008
Walton, Chris, Richard Wagner’s Zurich. The muse of place, Rochester, N.Y. 2007
Walton, Chris, Richard Wagners Zürcher Jahre 1849–1858. Ein biographischer Index, Zürich 2000 (184. Neujahrsblatt der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich)
Zimmermann, Werner G., Richard Wagner in Zürich. Materialien zu Aufenthalt und Wirken, Zürich 1986 und 1988 (170. und 172. Neujahrsblatt der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich)

Erismann, Hans, Richard Wagner in Zürich, Zürich 1987
Fehr, Max, Richard Wagners Schweizer Zeit, 2 Bde, Aarau und Leipzig 1934 und 1953
Wille, Jürg, Werner G. Zimmermann, Richard Wagner in Zürich. Zum 100. Todestag von Richard Wagner, hrsg. von der Präsidialabteilung der Stadt Zürich, Zürich 1983
 

Richard Wagner als Dirigent in Zürich