Conrad Gessners «De omni rerum fossilium genere, gemmis, lapidibus, metallis et huiusmodi, libri aliquot», erschienen 1565. Es enthält, neben zahlreichen anderen, Holzschnitte eines Bleistifts und einer Krabbe. (Bild: ZB Zürich)

Vor genau 460 Jahren erschien eines der wichtigsten erdwissenschaftlichen Werke der frühen Neuzeit: das Fossilienbuch aus der Feder des Zürcher Universalgelehrten Conrad Gessner (1516–1565). Sein Verständnis von der Natur der Versteinerungen war noch etwas unscharf und schwer fassbar. Trotzdem stellt das Werk in der Geschichte der Geologie, Mineralogie und Paläontologie einen Meilenstein dar.

Gessner kannte Isidors «Etymologiae» und Hemmerlis «De balneis naturalibus», die Fossilien mit der Sintflut in Verbindung brachten, doch er war kein Anhänger des Diluvialismus. Zwar räumte er die Möglichkeit ein, dass fossile Zähne auf Tierkadaver zurückgehen, oder bezeichnete ein fossiles Holz als ein in Stein verwandeltes Stücklein Baum. Doch die wahre Herkunft vermutlich nahezu aller übrigen Versteinerungen erkannte der Universalgelehrte nicht. Er beschrieb sie als steinerne Kunstwerke der Natur, die das Abbild von Pflanzen und Tieren wiedergeben.

Trotz (aus heutiger Sicht) inhaltlicher Mängel stellt das von Gessner publizierte Bildmaterial einen wichtigen Beitrag zur Förderung der natur- und vor allem erdwissenschaftlichen Buchillustration dar. Wohl findet sich die erste Abbildung eines Fossils bereits in der 15 Jahre früher gedruckten Kosmographie von Sebastian Münster (1489–1552), und ein Jahr später veröffentlichte Christoph Entzelt (1517–1583) in seiner «De re metallica» zwei zusätzliche Holzschnitte mit Fossilien. Gessner kommt aber das Verdienst zu, weitere 196 fossile Objekte auf 72 Holzschnitten veröffentlicht zu haben. Die meisten Holzschnitte geben Sammlungsgegenstände wieder, die Gessner bei sich zuhause aufbewahrte, war er doch einer der ersten Zürcher, wenn nicht sogar der erste, der Fossilien und Mineralien sammelte.

Es war höchste Zeit, diesen wichtigen Zürcher Druck in eine moderne Sprache zu übersetzen und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Basler Latinistin Petra Schierl hat sich der Aufgabe angenommen und die deutsche Fassung des Werks wurde vor wenigen Wochen publiziert.


- Urs Leu
Alte Drucke und Rara