Rahn transkribieren
Am 7. Mai startet mit einem Workshop das Transkriptionsprojekt der Briefe von Johann Rudolf Rahn, dem Vater der Schweizer Kunstgeschichte und Denkmalpflege.

Vater der Schweizer Kunstgeschichte und Denkmalpflege
Zehn Jahre nach der grossen Retrospektive zum 100. Todesjahr von Johann Rudolf Rahn (1841–1912) ist die Bevölkerung eingeladen zu helfen, seine handschriftliche Korrespondenz in Druckschrift zu übertragen. Rahn entstammt einem alteingesessenen Zürcher Zunftmeister- und Ratsherrengeschlecht. Aufgrund seiner Hauptschrift, der Geschichte der bildenden Künste in der Schweiz (1873–1876), gilt er heute als Vater der Schweizer Kunstgeschichte. 1878 wurde er ordentlicher Professor der Kunstgeschichte an der Universität Zürich; 1883 erhielt er zusätzlich das Ordinariat am Polytechnikum, der heutigen ETH Zürich. Seine nach Kantonen geordnete Statistik der Schweizer Kunstdenkmäler (1872–1888) markierte den Beginn einer flächendeckenden Inventarisierung schweizerischer Kulturgüter. Rahn gilt deswegen als Mitbegründer der Denkmalpflege in der Schweiz, zumal er 1880 die Vaterländische Gesellschaft für Erhaltung historischer Denkmäler, die heutige Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK), mit initiierte. Darüber hinaus war Rahn ein talentierter Zeichner, dessen Œuvre rund 5’000 Blätter umfasst. Diese geben in dokumentarischer Intention meist historischen Bauten und architektonische Details wieder.
Briefe als wichtige Quellen
Trotz Rahns Bedeutung für die Entwicklung der Kunstgeschichte als eigenständige Forschungsdisziplin in der Schweiz ist seine Korrespondenz wissenschaftlich noch nicht aufgearbeitet. Da die Briefe prominente Adressaten wie die Universitätsprofessoren Carl Brun, Jacob Burckhardt, Paul Ganz und Josef Zemp, Repräsentanten der frühen Archäologie und Denkmalpflege wie Ferdinand Keller, Albert Naef, Robert Durrer und Theodor Vetter und Vertreter des Sammlungswesens wie Heinrich Angst und Heinrich Zeller-Werdmüller umfassen, kann davon ausgegangen werden, dass sich aus den Korrespondenzen wichtige Erkenntnisse über die Anfänge der Denkmalpflege in der Schweiz, über die Entwicklung des Faches Kunstgeschichte an den hiesigen Universitäten, über das Museumswesen des jungen Bundesstaates wie auch über die Genese der Publikationen Rahns gewinnen lassen.
Transkribieren
Rahns Briefe umfassen auf knapp 10'000 Seiten einen Zeitraum von fast fünfzig Jahren, von April 1863 bis in den November 1911. Im Herbst 2021 wurden sie digitalisiert und auf e-manuscripta online veröffentlicht. Die Namensregister werden von Mitarbeitenden der ZB transkribiert, die Briefempfänger identifiziert und mit Hilfe der Gemeinsamen Normdatei GND beschlagwortet. Dies erlaubt den gezielten Zugriff auf Briefe an einzelne Korrespondenzpartner. Das Transkriptionstool von e-manuscripta bietet allen Interessierten die Möglichkeit, ausgewählte Briefe in Druckschrift zu übertragen, ihre Transkriptionen online zugänglich zu machen und so Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung zu stellen.

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Leiter Graphische Sammlung und Fotoarchiv |



