Kinderwünsche anno dazumal

Unsere Familienarchive geben vielfältige Einblicke in die Familienkultur und die Geschichte der Zürcher Jugend. Zum Beispiel das umfangreiche Familienarchiv Hirzel, das neben Nachlässen von Bürgermeistern, Ratsherren, Offizieren, Ärzten, Theologen oder Kaufleuten auch Dokumente von Schulkindern überliefert.
Unser Bild zeigt Wunschzettel der Kinderschar von Kaufmann Hermann Hirzel und Ida geb. von Meiss. Treuherzig schrieb Hermann Hirzel junior im Advent 1866: «Wie jedes Jahr werdet ihr auch heute mehr darauf verzeichnet finden, als ich erwarten darf, was nur geschieht, um euch eine schöne Auswahl darzubieten und damit ihr nicht in Verlegenheit gerathet, wenn ihr aus irgendeinem Grunde das eine od. andere nicht zu berücksichtigen gewillt seid.» Sein Bruder Rudolf wählte drei Jahre später lila Papier und setzte klare Prioritäten: «1. Ein Andenken an den lieben Papa.» Der Vater war 1869 verstorben.
Ein Fotoalbum, ein Fächer, Bücher, verschiedene Kleidungsstücke und eine Agenda stehen auf einer nicht datierten Liste ihrer Schwester Barbara. Adressierte sie ihre Wünsche früher an ihre Mutter als «Stellvertreterin des Christkindes, Zürich», so heisst es bei der Heranwachsenden nun: «Liebstes Mami! Von Aufgaben, Arbeiten, Weben u. s. w. ganz überschüttet; ist es mir unmöglich eine längere und schönere Einleitung zu machen. Doch ich hoffe, dass mein Wunschzettel desswegen von dir nicht ganz unbeachtet bleibe ...»
Was Barbara Hirzel geschenkt erhielt, ist mit einem Bleistiftkreuz bezeichnet. Die gewünschte «Zürcherbauernmädchentracht» war anscheinend nicht darunter.
- Monica Seidler-Hux
Handschriftenabteilung