Eine Dekade e-manuscripta.ch. Jubiläumsanlass und Visual Library-Anwendertreffen in der ZB
Am 13. März 2023 jährte sich die Aufschaltung von e-manuscripta.ch, der Plattform für digitalisierte handschriftliche Quellen aus Schweizer Bibliotheken und Archiven, zum zehnten Mal. Das sollte gebührend gefeiert werden.
Der Anlass bot eine gute Gelegenheit, als Gastgeberin für das seit mehreren Jahren regelmässig stattfindende Anwendertreffen von Visual Library (VL), der Software, auf der Plattformen wie e-manuscripta.ch oder auch e-rara.ch basieren, aufzutreten. So lud die ZB als eine der vier Partnerinstitutionen der Plattform und gleichzeitig Sitz der Geschäftsstelle auf den 13. und 14. März in ihre Räume ein.
70 Teilnehmende aus dem D-A-CH-Raum


An diesen Anwendertreffen kommen jeweils Vertretungen aus Institutionen und Organisationen zusammen, die mit der Software Visual Library von Semantics/Walter Nagel arbeiten, um sich über die aktuellen Projekte und Weiterentwicklungen auszutauschen.
Nach dreijährigem pandemiebedingtem Unterbruch war die Motivation besonders gross, endlich wieder in direkten Begegnungen den Austausch zu pflegen. Da nahmen um die 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland und Österreich gerne die Anfahrt nach Zürich in Angriff. Auch aus den verschiedenen inländischen Partnerinstitutionen nahmen zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter die Gelegenheit für eine Teilnahme in näherer Umgebung wahr, während die Schweizer Delegation in anderen Jahren normalerweise aus der Leiterin der Geschäftsstelle von e-manuscripta.ch und dem Verantwortlichen für die technische Infrastruktur an der ETH-Bibliothek besteht.
VL als Repositoriumslösung und im Einsatz für Retrodigitalisierungsprojekte
Die vorgestellten Projekte (das genaue Programm findet sich hier) umfassten eine grosse thematische Bandbreite und zeigten verschiedene mögliche Einsatzbereiche oder zusätzliche Funktionen der VL auf, welche vielleicht auch bei den Schweizer Plattformen gelegentlich zur Verwendung kommen könnten. Bei zwei Präsentationen ging es um Repositorien, wobei es sich einerseits um eines für elektronische Pflichtexemplare und beim andern um eine Ablage von Open Access-Veröffentlichungen handelt. Ziel ist jeweils ein hoher Automatisierungsgrad der Abläufe aber auch die Vereinheitlichung der Datenformate.
Im nächsten Themenblock kriegten wir einen Einblick in ein Crowdsourcing-Projekt, bei welchem es um die Erschliessung von Theaterzetteln ging, die Details zu einzelnen Aufführungen enthielten wie etwa dem Stücktitel und den beteiligten Personen. Wie sich die Volltexte von Zeitungen weiterbearbeiten und anreichern lassen durch Lokalisierung von Personen und Orten sowie Verknüpfung mit deren Einträgen in der Normdatei mittels Named Entity Recognition, wurde uns in der zweiten Präsentation vorgeführt.
VL als Tool für Sammlungspräsentation
Aus dem Museumsbereich wurde ein Projekt des Wiener Museums für Moderne Kunst präsentiert, das noch ganz am Anfang steht. Es ist vorgesehen, dass mit Hilfe eines Crowdsourcing-Tools während museumspädagogischen Veranstaltungen die Kinder und Jugendlichen beschreiben, was sie auf den gezeigten Bildern sehen. Ziel ist, möglichst unvoreingenommene Beobachtungen mit allgemein verständlichen Begriffen zu erhalten.
In einem besonders gross angelegten Frankfurter Projekt wird eine dezentral aufbewahrte Sammlung auf einer gemeinsamen Präsentationsoberfläche zusammengefügt. Darunter sind mehrere Nachlässe, die in separaten Datenbanken mit ganz unterschiedlichen Metadatenformaten erschlossen worden sind. Auch Editionen von Tagebüchern im TEI-Format sind anzutreffen, die nun für eine Präsentation neben der jeweiligen Abbildung aufzubereiten sind.
IIIF in e-manuscripta.ch
Die Präsentationen vom Dienstag drehten sich um grosse Verbundsysteme in Österreich und der Schweiz, bei welchen eine zentrale Infrastruktur erarbeitet worden ist und auch persistente Identifier sowie die Langzeitarchivierung einen Teil des Angebots ausmachen.
Der Reigen der Vorträge nahm ihren Abschluss mit einem Abstecher in die Welt des International Image Interoperability Frameworks IIIF und der Präsentation der bei e-manuscripta.ch integrierten Möglichkeit, den ausgewählten Titel mit einem einzigen Mausklick in den ZB-Viewer zu laden, wobei alle weiteren Titel ebenfalls im gleichen Tab gesammelt werden können.
Kontinuierlicher Projektaustausch erwünscht
Zum Abschluss der Tagung wurde in einer Diskussion über weitere Austauschmöglichkeiten ganz deutlich, wie gross das Interesse ist, zu den vorgestellten und auch zukünftig anstehenden Projekten regelmässig auf dem Laufenden zu bleiben. Da wird es vom Austausch von Mailadressen über Projektlisten bis hin zu regelmässigen Videokonferenzen verschiedene Initiativen geben, die es ermöglichen sollen, möglichst frühzeitig von ähnlichen Vorhaben Kenntnis zu erhalten und auch gemeinsam nach optimalen Lösungen bei auftauchenden Schwierigkeiten zu suchen.
Festvortrag zu K.I. in der Handschriftenerschliessung


Der Montagabend stand ganz im Zeichen des 10-jährigen Jubiläums. Der Festvortrag fand in einem grösseren Hörsaal der Universität Zürich statt und wurde gehalten von Prof. Dr. Malte Rehbein von der Universität Passau. Unter dem Titel «Auf dem Weg zu Big Data? Handschriftenerschliessung zwischen Fachwissen, Citizen Science und K.I.» spannte er den Bogen von der Steuerung der Wahrnehmung von Quellenmaterial mittels besserer Erschliessungstiefe bis zur Rolle der Technik als handelnder Akteurin und der Frage, wie weit bereits die Infrastrukturanbietenden wissenschaftliche Daten produzieren.
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| Leiterin Geschäftsstelle e-manuscripta.ch |

