Ein Gesangbuch geht um die Welt

Der Nachrichter sprach mit seim Mund,
Und weynet auch von Herzens Grund,
Also gar inniglichen:
Ich bin unschuldig an diesem Blut,
Das glaub ich fest in meinem Muth,
Obschon ich hab müssen richten.
Das sollen die Worte des Scharfrichters gewesen sein, nachdem er 1614 den Täufer Hans Landis in Zürich geköpft hatte. Die Strophe stammt aus dem 132. Lied des «Ausbundes». Das Gesangbuch der Täufer ist eine Auswahl (ein Ausbund) unterschiedlicher Lieder und wird heute noch von einigen täuferischen Gemeinschaften Nordamerikas im Gottesdienst gebraucht.
Die religiöse Minderheit der Täufer hat ihren Ursprung in Zürich und ist dieses Jahr 500 Jahre alt geworden. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts wurde sie aus Zürich vertrieben. Später wanderten viele mit anderen täuferischen Flüchtlingen nach Nordamerika aus.
Die Lieder des «Ausbundes» sind geprägt von Besorgnis und vermitteln Gottvertrauen in bedrohlichen Zeiten. Viele davon sind Erzähllieder und schildern, wie das über Hans Landis, das Schicksal täuferischer Märtyrer und Märtyrerinnen. Die gesungenen Leidensklagen waren regimekritisch und sprachen in der Schweiz nachweislich nicht nur Täufer an.
- Christian Scheidegger
Alte Drucke und Rara