100 manuelle Transkriptionen als Grundlage für die Künstliche Intelligenz
Die Künstliche Intelligenz hat auch im Bereich der Editionswissenschaften Einzug gehalten und vermag mittlerweile recht gut Handschriften aus dem 18./19. Jahrhundert automatisch zu erkennen. Gemeinsam mit der Zentralbibliothek können Sie dazu beitragen, ein digitales Editionsprojekt vorzubereiten: Wir benötigen bis Ende Jahr 100 manuelle Transkriptionen von Briefen von Hans Georg und Hermann Nägeli. Die ZB bewahrt die Korrespondenz und den Nachlass der beiden auf.
Einflussreicher europäischer Musikverleger, Komponist und Musikpädagoge
Im kommenden Jahr soll zum 250. Geburtstag von Nägeli ein gross angelegtes Digitalisierungs- und Editionsprojekt der Korrespondenz von Hans Georg Nägeli (1773–1836) und seines Sohnes Hermann Nägeli (1811–1872) starten. Das Projekt ist unter der Leitung von PD Dr. Louis Delpech in enger Zusammenarbeit mit dem Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Zürich geplant.
Hans Georg Nägeli gilt bis heute als eine der herausragendsten Persönlichkeiten nicht nur der Zürcher, sondern gar der europäischen Musikgeschichte. Er druckte 1794 als erstes eigenes Verlagsprodukt sein bis heute noch gesungenes Arrangement des Gesellschaftslieds «Freut euch des Lebens», verfasste bedeutende musikalische Lehrwerke und gab Musikstücke von Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven oder Georg Friedrich Händel erstmals heraus. Mit der Gründung seines «Singinstituts» setzte er sich für den Aufbau eines alle Volksschichten umfassenden Chorwesens ein und ermunterte seine Zeitgenossen eifrig dazu, weitere Kinder- und Männerchöre zu gründen. Darüber hinaus schrieb er Hunderte von Vokal- und Chorwerken und erhielt dafür schon bald den Übernamen «Sängervater». Nägeli war aber nicht nur Komponist, Musikverleger und Pädagoge mit europaweitem Renommee; ebenso engagiert trat er auch als Schriftsteller und Politiker in Erscheinung. Ab 1831 wirkte er bis zu seinem Tode als Zürcher Erziehungs- und Grossrat. Sein Sohn Hermann Nägeli setzte als Geschäftsnachfolger die Tätigkeiten seines Vaters fort.
3’000 Nägeli-Briefe in der ZB
Der Nachlass von Hans Georg Nägeli gehört zu den bedeutendsten musikhistorischen Nachlässen der ZB. Rund 3000 Briefe haben sich in unserem Bestand erhalten und bezeugen die verschiedenen Facetten der Tätigkeiten und Interessen. Neben privaten Mitteilungen finden sich viele geschäftliche Korrespondenzen darunter, die er mit europäischen Musikverlagen, Pädagogen im Umfeld von Johann Heinrich Pestalozzi, international bedeutenden Musikern und musikalischen Gesellschaften austauschte. Sein Sohn Hermann fertigte Abschriften von Briefen an, korrespondierte jedoch auch selbst. Die Privat- und Geschäftskorrespondenz der beiden bietet die einzigartige Möglichkeit, das musikalische Selbstverständnis der Schweiz um 1800 und die europäische Reichweite von Zürcher Netzwerken aus musikhistorischer Perspektive kennenzulernen.
Seien Sie Wegbereiter der ersten digitalen Nägeli-Edition!
Zu den wichtigen ersten Arbeiten für die digitale Edition gehört es, eine gewisse Anzahl transkribierter Briefseiten als Trainingsmaterial zu erstellen. Hierfür bitten wir Sie um Ihre Unterstützung! Im Transkriptionstool von e-manuscripta.ch erstellen Sie Ihre Abschrift vom Digitalisat des Briefes und schicken diese zur Freigabe an die Redaktion. Die Transkriptionen werden zunächst auf e-manuscripta.ch aufgeschaltet. Anschliessend sollen diese vom Editionsteam dazu genutzt werden, mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz ein Handschriftenerkennungsmodell zu erstellen, das es erlaubt, die weiteren Briefe der beiden Nägelis und ihrer Korrespondenzpartner automatisch zu transkribieren. In der englischen Fachterminologie nennt man dieses Verfahren «Handwritten Text Recognition», abgekürzt «HTR».
Transkribieren Sie mit uns Nägeli-Briefe
Wir laden Sie hiermit ein, zusammen mit uns ausgewählte Briefe von Hans Georg und Hermann Nägeli zu transkribieren. Bereits haben wir 50 Briefe von Hans Georg digitalisiert und auf e-manuscripta.ch zur Transkription freigeschaltet. Davon sind schon 23 Briefe fertig transkribiert oder in Arbeit. Ab heute, dem 29.6. werden wir dort wöchentlich fünf Briefe von Hermann Nägeli publizieren. Unser Ziel ist es, bis Ende Jahr von beiden Nägelis je 50 Briefe zu transkribieren. Weitere Informationen zu den Briefen und zum Transkribieren finden Sie hier.
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Abteilungsleiter Digitale Produktion und Plattformen |




