Träume ich, träume ich von Schnee

Träume ich von Schnee – als Wunschtraum, als Albtraum – so finde ich Antwort auf die tieferliegende Bedeutung in Lexika der Traumsymbole. Dort heisst es, der Schnee im Traum sei ein Gefahrensignal, ein Zeichen, dass das Gefühlsleben zu erfrieren droht. Der Schnee kündet schwere Zeiten an oder steht als Sinnbild des Lebensalters. Schnee und vielmehr noch Eis gelten in der Sprache der Träume meist als Symbole für Einsamkeit und Not. Die Einträge sind zuweilen kurios und erinnern an Orakelsprüche, an ein Horoskop für die kommenden Tage. Doch ist den Schreibenden klar, dass nur der Traumzusammenhang zur Deutung beitragen kann – und der Schneetraum vielleicht ein freudiger Wunschtraum bleibt.
Die Traumforschung hat nicht im Jahr 1900 mit Freuds Traumdeutung begonnen. Der erste schriftlich überlieferte Traum stammt aus dem Gilgamesch-Epos aus der altbabylonischen Zeit. Träume wurden auch im alten Ägypten untersucht und von ausgebildeten Priestern gedeutet. Träume waren Ausdruck von schicksalhaften oder mystischen Kräften, von Göttern gesandt (vgl. «Philosophie des Traums» sowie «Träume: die geheimnisvolle Sprache des Unbewussten»).
Heute gelten sie als Rückerinnerungen an Erlebtes und sind in ihrer Kreativität oft bizarr, gleichzeitig alltäglich und dadurch faszinierend. Die Quelle der Träume wird auch in der Schlafforschung und Schlafmedizin untersucht. Der Traum bietet ein vielseitiges Forschungsfeld, was die Publikation «Der Traum an der Universität Zürich» zeigt.
Träume sind mit dem Traum-Ich verbunden und somit gebunden an das träumende Selbst mit seinen Tagesresten. In der interdisziplinären Publikation «Das nächtliche Wir» rücken die Autor*innen weg vom träumenden Individuum und fokussieren auf die "Kollektivität" des Traums.
Vielleicht haben wir alle von Schnee geträumt?
- Esther Baier-Kreuzer
Liaison Services