Die aktuellen Debatten, die in den Sozialen Medien unter den Hashtags #IchBinHanna oder #WasPostdocsWollen geführt werden, werfen ein grelles Licht auf die prekären Arbeitsverhältnisse junger und junggebliebener Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen. Polemisch zusammengefasst lässt sich das Dilemma vielleicht so charakterisieren: viel Arbeit bei minimaler Entlöhnung der temporären (Projekt-)Stelle und darüber hinaus auch noch miese Karriereaussichten. Etwas Linderung in einer solchen Zwangslage bieten möglicherweise die von der Zentralbibliothek Zürich ausgeschriebenen Willy-Bretscher-Fellowships. Die Forschungsstipendien sind mit CHF 4000 pro Monat dotiert und werden finanziert aus einem grosszügigen Legat der Witwe von Willy Bretscher, Dr. Katharina Bretscher-Spindler. Sie werden in diesem Jahr erstmals ausgeschrieben.

Forschungsprojekte im Bereich der Digital Humanities

Forschende, die ein Digital-Humanities-Projekt realisieren möchten, das sich auf Bestände oder Daten der Zentralbibliothek Zürich stützt und dabei den zeitlichen Schwerpunkt im 20. Jahrhundert hat, können sich um ein Fellowship bewerben. Das Stipendium kann je nach Projektidee eine Dauer von drei bis maximal zwölf Monate haben und kann frühestens am 1. April 2022 angetreten werden. Erwartet wird von den Fellows, dass sie ihren Forschungsmittelpunkt nach Zürich verlegen, ihre Zeit überwiegend dem Forschungsvorhaben widmen und dieses der interessierten Öffentlichkeit vorstellen.

Die ZB als Partnerin der Forschung

Mit der Vergabe von Willy-Bretscher-Fellowships nimmt die Zentralbibliothek Zürich ihre Aufgabe als geistes- und sozialwissenschaftliche Forschungsbibliothek und Partnerin der Forschung wahr. Die ZB ist bereit, den Fellows die fürs Vorhaben benötigte IT-Infrastruktur (Soft- wie Hardware) sowie Digitalisate und die notwendigen Metadaten zur Verfügung zu stellen. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten erhalten während ihres Forschungsaufenthalts einen Freiraum, um sich ganz auf die Realisierung ihrer innovativen Ideen konzentrieren zu können. Die Anträge werden von einer Auswahlkommission bestehend aus Angehörigen der Zentralbibliothek und der Universität Zürich beurteilt.

Willy Bretschers Interesse an Themen des 20. Jahrhunderts

Die zeitliche und thematische Profilierung der Fellowships schliesst ans Schaffen und Wirken von Willy Bretscher (1897-1992) an. Willy Bretscher war von 1933 bis 1967 NZZ-Chefredaktor, zudem von 1951 bis 1967 FDP-Nationalrat und von 1948 bis 1968 Vizepräsident der Liberalen Weltunion. Er «wandte sich als Chefredaktor der NZZ sowohl gegen die Anpassung an den Nationalsozialismus wie gegen den Kommunismus im Kalten Krieg und setzte dagegen die Positionen des Liberalismus» (Historisches Lexikon der Schweiz). Sein Leben war somit geprägt von den grossen Themen des 20. Jahrhunderts und er gestaltete dieses als Journalist und Politiker mit.



Leiter Produktionsmanagement Digitalisierung