Im Juni finden in Zürich traditionsgemäss das Zurich Pride Festival und zahlreiche Veranstaltungen zu queeren Themen statt. Das Festival selbst geht am 20. und 21. Juni über die Bühne. Dass dieser Monat weltweit als Pride Month begangen wird, geht auf die Stonewall-Aufstände von 1969 in New York zurück. Damals widersetzten sich queere Menschen erstmals öffentlich der anhaltenden Polizeigewalt, insbesondere in Schutzräumen von Schwulen, Lesben und trans Personen. Die Proteste rund um das «Stonewall Inn» gelten als Wendepunkt im Kampf für LGBTQ+-Rechte und führten zu einer globalen Bewegung, die bis heute für Gleichstellung, Anerkennung und Sichtbarkeit kämpft. Der Begriff «Pride» – Englisch für «Stolz» – steht dabei für Selbstannahme statt Scham und Verdrängung. 

Dass auch die Zentralbibliothek Zürich im Juni Ausstellungen und Veranstaltungen durchführt, ist Ausdruck eines offenen Kulturverständnisses: Die Bibliothek bietet Wissen und Literatur für alle – dazu gehören selbstverständlich auch queere Perspektiven. LGBTQ+-Personen gehören zur vielfältigen Nutzer*innenschaft, genauso wie zum Team. Queere Fragen prägen Literatur, Film, Musik, Wissenschaft und Medien, und damit auch die Bestände der Zentralbibliothek Zürich. Was im Pride Month gezeigt wird, ist kein Sonderthema, sondern Teil des kontinuierlichen Angebots. 


Queere Themen in Ausstellungen, Veranstaltungen und im Bestand

Im Lesesaal der Zentralbibliothek Zürich sind im Juni zwei Ausstellungen zu sehen, die unterschiedliche Facetten queerer Lebensrealitäten beleuchten. «Queer Kids», basierend auf dem gleichnamigen Buch von Christina Caprez mit Fotografien von Judith Schönenberger, porträtiert Jugendliche jenseits klassischer Geschlechternormen. Ihre Geschichten geben Einblick in das Ringen um Identität, Akzeptanz und Selbstverwirklichung. Parallel dazu zeigt «This is Zurich» analoge Fotografien von Vasil Shterev, die das queere Zürcher Nachtleben aus persönlicher Perspektive dokumentieren: roh, intim und selbstbestimmt. Beide Ausstellungen sind während der Öffnungszeiten im Lesesaal zugänglich. 

Das Begleitprogramm vertieft die Auseinandersetzung mit queeren Themen. Am Dienstag, 10. Juni, leite ich gemeinsam mit Stefan Schmidlin, Dozent an der ZHdK und Vorstandsmitglied der IGDA Schweiz in der LGBTQ Special Interest Group, eine interaktive Veranstaltung zum Thema «LGBTQ+ in Games». Wir sprechen über queere Repräsentation in digitalen Spielen, kreative Freiräume und die Herausforderungen, mit denen queere Spielentwickler*innen konfrontiert sind. Am Freitag, 13. Juni, wird im Kino Stüssihof der Dokumentarfilm «Loving Highsmith» gezeigt, gefolgt von einem Gespräch mit Regisseurin Eva Vitija. Der Film beleuchtet die queere Seite der bekannten Autorin Patricia Highsmith. Den Abschluss bildet am Donnerstag, 19. Juni, ein Abend zur queeren Geschichte: Philipp Hofstetter und René Hornung stellen ihr Buch über Jakob Rudolf Forster vor, einen schwulen Aktivisten des 19. Jahrhunderts, der sich in seiner Autobiografie selbst als «Heiratsvermittler von Brunnadern» bezeichnete. Die Zentralbibliothek Zürich digitalisiert dieses seltene Werk und macht es über e-rara zugänglich. 

Queere Themen sind in Literatur, Medien und Forschung längst angekommen und die Zentralbibliothek Zürich trägt dazu bei, dass sie sichtbar und zugänglich bleiben. Ihr Sammelauftrag umfasst nicht nur wissenschaftliche Literatur, sondern auch Romane, Kunstbücher, Autobiografien, Musiknoten, Nachlässe, audiovisuelle Medien und mehr. Im Juni zeigt die Bibliothek im Lesesaal exemplarisch Werke, die queere Themen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten, für alle, die sich informieren, vertiefen oder wiedererkennen möchten. 




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