«Vertraute Gespenster» von Anna Ruchat

Teresa, eine junge Frau aus einfachen Verhältnissen, will mehr von der Welt sehen als ihre Heimat, das Veltlin. In Zürich tritt sie eine Stelle als Kindermädchen an und taucht in das Universum einer wohlhabenden Familie ein. Unter der glänzenden Oberfläche des Akademikerhaushalts lauert viel Unausgesprochenes, das tunlichst bleiben soll, wo es ist.

In einer klaren, unprätentiösen Sprache erzählt Anna Ruchat in «Vertraute Gespenster» von diesem Familiengefüge und dem Leben einer jungen Frau, der die Welt ihrer Kindheit fremd wird, bevor die Fremde zur neuen Heimat geworden ist. Der formal gewandt konstruierte Roman kombiniert unterschiedliche Erzählperspektiven und umfasst eine grosse Zeitspanne; zwischen dem ersten und dem zweiten Teil des Buches liegen rund 30 Jahre. Nicht nur die Figuren, auch der Roman selbst lässt vieles unausgesprochen. So wird die Atmosphäre im Haushalt von Maria, Bruno und ihren Kindern für die Leserinnen und Leser greif- und erlebbar.

Als Schauplatz ist Zürich eine stille, aber stets präsente Nebendarstellerin. Die Stadt ist eines der Romanelemente, die in der einen und anderen Variante bereits durch Anna Ruchats Erzählband «Neptunjahre» geistern. Die im Tessin beheimatete Autorin ist Zürich als Geburts- und Studienort gleich doppelt verbunden.

«Vertraute Gespenster», «Neptunjahre» und weitere Veröffentlichungen von Anna Ruchat sind bei uns ausleihbar – in deutscher Übersetzung und meist auch im italienischen Original.