«Ne tirez pas sur le pianiste» – unter dieses Motto hätte man das letzte ZB-Konzert stellen können. Der Pianist André Desponds improvisierte über vier Takte, die der Zürcher Musikverleger Hans Georg Nägeli in seiner Erstausgabe der G-Dur Sonate op. 31,1 von Beethoven hinzugefügt hatte.

Beethoven, Ludwig van: Deux sonates pour le piano forte [op. 31,1-2]. Zuric : Naigueli, [1803?]. Zentralbibliothek Zürich, Mus WG 75: 5 / Public Domain Mark

«Wo steht das, zum Teufel?» Das war die erboste Reaktion Beethovens als Ferdinand Ries ihm die Sonate aus der frisch aus Zürich eingetroffenen Erstausgabe vorspielte. In der Folge liess er eine Neuausgabe der Sonate in einer «Edition très correcte» bei Nikolaus Simrock in Bonn drucken.

Die Edition von Nägeli und zahlreiche weitere wertvolle, alte und teils auch unikale Musikdrucke finden sich insbesondere in den Beständen der früheren Stadtbibliothek und der Bibliothek der Allgemeinen Musik-Gesellschaft Zürich.

200 musikalische Nachlässe

Die Musikabteilung der Zentralbibliothek hütet zudem rund 200 Nachlässe von Komponisten, Musikerinnen und Musikwissenschaftlern sowie einige Chor-, Orchester- und Verlagsarchive. Diese Musikalien, Tonträger und Archivalien stehen neben dem «normalen» Ausleihbestand im Lesesaal der Musikabteilung, teils auch digitalisiert auf der Plattform e-rara, Forschenden, Musikerinnen und Musikern und anderen Interessierten zur Verfügung.

Kammermusik im Predigerchor

Weil Musik aber erst richtig lebt, wenn sie erklingt, organisiert die Musikabteilung seit mittlerweile zwanzig Jahren die «Mittagsmusik im Predigerchor». In dieser Konzertreihe kommen unsere musikalischen Schätze in Kombination mit Werken aus dem gängigen Konzertrepertoire zur Aufführung. Das nächste Mal am 9. Dezember mit dem Violinduo Marina Yakovleva und Misha Yakovlev.

Konzertimpression: Das Ensemble Shiki spielt Kammermusik.

Musik und Wissenschaft

In Kooperation mit der Allgemeinen Musik-Gesellschaft Zürich, dem Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Zürich und anderen Partnern, zuletzt Prima volta und dem Verein Hommage Alexander Schaichet , pflegt die Musikabteilung auch besondere Konzertformate, die sich an der faszinierenden Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft bewegen.

Auf grosses Interesse stossen die szenischen Lesungen. Im nächsten April soll die dritte Lecture performance «Alexander Borodin (1833-1887) - Chemiker und Komponist» zur Aufführung kommen.

Beliebt sind auch kommentierte Konzerte wie «I dilettosi fiori – spätmittelalterliche Instrumentalmusik» am 27. November: Corina Marti, Clavisimbalum und Flöten, und Inga Mai Groote, Professorin am Musikwissenschaftlichen Institut, präsentieren Werke von Guillaume Machaut und anderen.

Wenn Sie einen unserer Anlässe besuchen möchten, reservieren Sie bitte unter musik@zb.uzh.ch einen Platz. Aufgrund der aktuellen Situation ist die Platzzahl beschränkt.


Leiterin Musikabteilung