Die Sammlung von Heinrich Appenzeller mit über 1’600 Druckgrafiken Franz Hegis ist neu auf der Plattform e-rara zugänglich.

31. Januar 2024

Franz Hegi nach Johann Jakob Biedermann, Kraezerenbrücke, ca. 1811


Als der Zürcher Kunsthändler Heinrich Appenzeller (1854–1921) im Dezember 1921 im Alter von 67 Jahren verstarb, erinnerte die Neue Zürcher Zeitung in einem Nachruf an den umtriebigen Inhaber eines Geschäftes für Mal- und Zeichnungsmaterial. Vor allem würdigte man seine Dienste für die Künstlergesellschaft und die Stadtbibliothek, für die er wesentliche Organisations- und Katalogisierungsarbeiten geleistet hatte. Unter anderem hatte Appenzeller «mit großen persönlichen Opfern einen mustergültigen Katalog der Arbeiten unseres geschickten Zürcher Kupferstechers Franz Hegi im Druck herausgegeben». Sein Fachwissen über Franz Hegi (1774–1850) hatte sich Appenzeller durch den jahrelangen Aufbau einer exquisiten Sammlung von über 1'000 Druckgrafiken des Zürcher Künstlers angeeignet, welche die Grundlage für seinen umfassenden Werkkatalog von 1906 bildete.

Die durch spätere Ergänzungen auf über 1'600 Druckgrafiken angewachsene Sammlung kam nach dem Tod Appenzellers in 15 grossen Mappen in die Zentralbibliothek. Die Bilder wurden inzwischen online katalogisiert und können nun vollständig auf swisscovery, swisscollections und der Plattform e-rara eingesehen werden. Über 1’000 Drucke von Hegi befinden sich zudem in der Graphischen Sammlung der ETH Zürich. Im Kunsthaus Zürich ist schliesslich das Manuskript von Hegis Autobiografie erhalten, ebenso sieben Bände mit über 1’000 seiner Zeichnungen, die Heinrich Appenzeller dort in Alben zusammengestellt hat.

Lausanne – Basel – Zürich. Stationen eines Künstlerlebens

Franz Hegi, dessen Aussehen im Alter von ungefähr 75 Jahren wir durch ein Porträt von unbekannter Hand kennen, das an den Anfang von Appenzellers Katalog gestellt ist und das auch 1906 in der illustrierten Zeitschrift Die Schweiz abgebildet wurde, stammt ursprünglich aus Lausanne, verbrachte aber den grössten Teil seines Lebens in Zürich.

Porträt von Franz Hegi, in: Die Schweiz 1906

Nach seiner Ausbildung bei Matthias Pfenninger, vor allem in der damals noch jungen Aquatintatechnik, arbeitete er einige Jahre bei Peter Birmann in Basel, bevor er 1802 dauerhaft in Zürich ansässig wurde. Seine Lebensgeschichte ist geprägt von seinen – thematisch sehr vielfältigen – Aufträgen und der lebenslangen Perfektion seiner Darstellungskunst in der malerischen Drucktechnik der Aquatinta.


Meister der Radierkunst – Von A wie Aquatinta bis Z wie Zwischentöne

Hegi, der vor allem als Radierer tätig war, hat in der Aquatinta die atmosphärischen Qualitäten dieser Drucktechnik voll ausgelotet. So bringt in einem über mehrere Blätter laufenden «Rundgang» durch das Gefängnis im ehemaligen Zürcher Wellenbergturm ein Wärter Licht ins Dunkel eines Kerkers, indem er mit einer Kerze in den Raum hineinleuchtet. Das winzige Licht entfaltet in der Finsternis des fensterlosen Gemäuers seine volle Leuchtkraft und bestrahlt die grauen Mauern des Verlieses.

Der dunkle Kerker, 1838

Noch eleganter wird das Spiel mit den Stimmungswerten in den kolorierten Drucken. Durch die Abstufung von Farbwerten und Helligkeitstönen wird eine zuvor in der Druckgrafik vor allem in Umrissradierungen mögliche atmosphärische Wrkung erreicht, die sogenannte Luft- oder Farbperspektive, die nun voll ausgelotet werden konnte. In einer Ansicht von Sitten aus den 1830er-Jahren zeigt sich durch die gekonnte Handhabung der Ätztechnik eine tiefenräumliche Durchstufung des Bildraums. Die sich auf zwei Hügeln erhebenden Gebäude im Bildmittelgrund wirken diffus und auf märchenhafte Weise der Realität enthoben.

Ansicht von Sitten, 1830er-Jahre

Auch im Kontrast von schattigen und sonnigen Partien wird das Wirkungspotential der unterschiedlichen Entfernungen ausgeschöpft. Der im Schatten gelegene Vordergrund verstärkt zusätzlich diesen Effekt in einer Ansicht von Schloss Thun, das in hellen Tönen im Bildmittelgrund in milchig-opaleszentes Licht getaucht erscheint.

Schloss Thun, nach einer Zeichnung von Johann Jakob Wetzel, 1827

In den Diensten anderer Künstler

Franz Hegi ist trotz seines umfangreichen zeichnerischen Werks vor allem als Stecher von Vorlagen anderer Künstler in Erinnerung geblieben. Er arbeitete nach Zeichnungen so unterschiedlicher Künstler wie Johann Rudolf Schellenberg, Johann Heinrich Füssli oder David Hess. Mittels der malerischen Handhabung der Aquatinta blieb es aber nicht bei einem reinen Ausführen von gezeichneten Vorlagen, sondern es war auch möglich, in gewissem Rahmen eigene Akzente zu setzen.

Eine Illustration aus der 1818 erschienenen Badenfahrt von David Hess (1770–1843) veranschaulicht, wie gekonnt Hegi die zeichnerischen Vorlagen in der Umsetzung in eine Druckgrafik transferierte: Die von Hess im Manuskript zur Badenfahrt  in einer farbigen Zeichnung festgehaltenen Spanischbrötli waren eine in Zürich sehr beliebte Leckerei. Aus dem eher nüchternen Tischchen bei Hess ist in Hegis Version ein regelrechter Gabentisch geworden, auf dem auf einem Spitzendeckchen eine ovale Spanschachtel vor Spanischbrötchen regelrecht überquillt. Hegi schuf somit, wie Maria Gertrud Dönz-Breimaier 1940 in ihrer Dissertation Franz Hegi und sein Kreis hervorgehoben hat, «aus diesen Zeichnungen kleine Meisterwerke der Buchillustration (…), die zum besten gehören, was er in diesem kleinen Format geätzt hat.» (S. 70).

Spanischbrötli, Zeichnung im Manuskript von David Hess, 1815

Die Spanischbrötchen, Radierung von Franz Hegi, 1818










Zu Hegis Arbeiten für Johann Heinrich Füssli (1741–1825) zählt die Darstellung Josephs als Traumdeuter für das 22. Neujahrsstück der Künstler-Gesellschaft in Zürich von 1826. Zu sehen ist jener Moment, in dem Joseph im Gefängnis dem ebenfalls inhaftierten Mundschenk dessen Begnadigung und dem Hofbäcker die Todesstrafe voraussagt (Gen 40, 9–18). Auch hier arbeitet Hegi in der Ausgestaltung der Figuren im Braundruck mit den Mitteln der Hell-Dunkel-Kontraste und -Schattierungen, indem er Füsslis dramatisch bewegter Figur des Bäckers durch den hell hervorgehobenen Joseph ein optisches Gegengewicht verleiht.

Franz Hegi nach Johann Heinrich Füssli, Joseph erklärt dem Bäcker und Mundschenk ihre Träume, 1826Zumindest einmal hat Hegi nach den Vorlagen einer Künstlerin gearbeitet: Für Elise Wysard-Füchslin (1790/91–1863), eine Bieler Zeichnerin und Kunstmalerin, die sich auf Trachtendarstellungen spezialisiert hatte, ätzte Hegi die Darstellung einer jungen Frau in Berner Tracht, die von der Trachsler’schen Buchhandlung in Zürich vertrieben wurde. Das Bernermädchen, trägt, so Heinrich Appenzeller in seiner Beschreibung, «einen kleinen Strohhut auf dem Kopfe und hält in der linken Hand, die Arme übereinandergelegt, einen Brief. Der schöne Zopf reicht bis auf die gestreifte Schürze hinunter.»

Franz Hegi nach Elise Füchslin-Wysard, Costume de Berne, 1830er-Jahre

Mit Hegi auf Reisen

Geografisch ist Franz Hegi vor allem als Bildchronist Zürichs verortet, jedoch war der vielbeschäftigte Radierer auch mit der Darstellung nationaler und internationaler Ansichten befasst und sozusagen auf der ganzen Welt auf Reisen und dokumentierte berühmte Sehenswürdigkeiten und architektonische Neuerungen. Nach Johann Jakob Biedermann schuf er 1811 eine Ansicht der neu errichteten Kraezerenbrücke und bezeugte mit dem Blatt die technische Neuerung.

Das monumentale Löwendenkmal, das 1821 nach einem Entwurf des dänischen Bildhauers Bertel Thorwaldsen in Luzern in den Felsen geschlagen worden war, dokumentierte Hegi sowohl in Nahaufnahme während seiner Entstehung als auch aus der Entfernung. Das nach Johann Baptist Marzohls Zeichnung gefertigte Blatt belegt auch die Beliebtheit des Motivs bei Touristen.

Das Löwendenkmal in Luzern, Lithografie Hegis nach eigener Zeichnung, 1830er-Jahre

Das Luzerner Löwendenkmal, nach einer Zeichnung von Johann Baptist Marzohl, 1840er-Jahre










Nach einer Zeichnung von Johann Jakob Wetzel gestaltete Hegi 1820 auch eine Ansicht von Bregenz, das wir als Betrachtende zusammen mit zwei Wanderern durch einen Felsendurchgang erblicken. Durch den zweifarbigen Druck hebt sich der hellblau gefärbte Hintergrund mit der Stadt und dem Bodensee strahlend von der dunkelgrauen Rahmung ab, wodurch die räumliche Tiefenwirkung noch verstärkt wird.

Ansicht von Bregenz nach Johann Jakob Wetzel, 1820

Wenn der Künstler selbst auch nur wenige Male gereist ist (ausserhalb der Schweiz ist nur ein Aufenthalt in Paris belegt), so hat er mit der Radiernadel doch gleichsam alle Ecken der Welt auf dem Arbeitstisch «durchstochen», von Osten nach Westen und von Norden nach Süden. Ansichten vom Markusdom in Venedig oder dem Mailänder Dom ätzte er ebenso wie von Notre Dame in Paris oder der Winterpalast in St. Petersburg, der seit 1917 die Eremitage beherbergt. Auch Motive aus weiter entfernten Ländern landeten auf Hegis Arbeitstisch und dokumentieren, wie zum Beispiel eine Ansicht einer Missionsstation in Antigua, auch koloniale Spuren in der Welt.

Meister der Staffagefiguren

Ein wesentliches Element vieler Ansichten sind sogenannte Staffagefiguren, die als «heimliche Helden» zwischen Bildvordergrund und -hintergrund vermitteln und die Bilder beleben. Mit Schirmen und Spazierstock bewaffnet wandert eine Gruppe von Spaziergänger:innen vor dem Nidelbad, oder es blickt eine Frau durch ein Fernrohr, um die Aussicht im Tösstal zu betrachten. Eine Familie steht bewundernd vor dem Nägeli-Monument an der Hohen Promenade in Zürich.

Staffagefiguren im Fokus: Eine Gruppe vor dem Nidelbad, eine Frau sieht durch ein Fernglas, eine Familie bewundert das Nägeli-Monument

Staffage ist auch austauschbar: Vor demselben Wasserfall in Erlenbach ist einmal eine rastende Gesellschaft zu sehen, ein anderes Mal ein eleganter Dandy, der lässig mit überschlagenen Beinen sitzend die Aussicht geniesst, die sein Begleiter ihm offenbar erläutert.

Schute d'Eau a Erlenbach a deux lieues de Zurich, um 1810

Schute d'Eau a Erlenbach a deux lieues de Zurich, um 1810

Illustrationen von wissenschaftlichen Werken und Kinderbüchern

Nicht nur Ansichten und ihre Ausgestaltung prägten das Schaffen Hegis, auch in vielen anderen Darstellungsformen war er beschäftigt. So zeigte er die grossflächigen Verbrennungen am Opfer eines Blitzeinschlags, Jakob Meyer vom Blitzes-Strahl getroffen bey St. Gallen den 4 Juny 1808 oder mehrere Laufkäfer für ein Insektenhandbuch, darunter einen Vertreter der Gattung Ocydromus aus der Familie der Carabidae. Neben diesen sachlich-trockenen Wissenschaftsillustrationen ätzte er aber auch ein malerisches Wiesenstück nach Johann Rudolf Schellenberg für das Neujahrsstück der Künstler-Gesellschaft in Zürich von 1807. Nach Zeichnungen von Carl Schulthess stach er nicht nur einige Zeichenvorlagen wie eine Vase, sondern auch winzige Bildchen wie die Verzeihung für das Taschenbuch Iris. Darüber hinaus schuf er zahlreiche Illustrationen für Taschenbücher und Neujahrsblätter.

Unter den Illustrationsarbeiten seien sechs kleinformatige, unkolorierte Drucke mit Szenen aus der Robinson-Geschichte hervorgehoben, die zur Illustration der deutschen Ausgabe von Henry Lemaires Robinsonade von 1825 in der Trachslerschen Buch- und Kunsthandlung dienten. Diese «neue verbesserte Auflage» mit dem deutschen Titel Kleiner Robinson oder Abentheuer des Robinson Crusoe, um 1810 auf Französisch als Petit Robinson, ou Les aventures de Robinson Crusoë erschienen, diente gemäss Titel Zur Unterhaltung für die Jugend und zeigt sechs wichtige Momente im Leben des berühmten Insulaners, vom Schiffbruch, über Begegnungen mit Tieren bis zum ersten Aufeinandertreffen mit Freitag und dem gemeinsamen Verlassen der Insel.

Robinson-Ausgabe aus der Bibliothek am Guisanplatz, 1825 (2. Auflage), NON 23275

In den 1950er-Jahren wurde Heinrich Appenzellers Sammlung durch zahlreiche Hegi-Drucke aus dem Nachlass von Dr. Rudolf von Schulthess-Rechberg (1860–1951) ergänzt, darunter auch sechs weitere Drucke mit denselben Szenen, allerdings in anderer Ausführung, die sich enger an den Illustrationen des französischen Originals zu orientieren scheinen. Sie könnten möglicherweise der deutschen Ausgabe von 1818 zuzuordnen sein. In dem erhaltenen Exemplar der zweiten Auflage in der Bibliothek am Guisanplatz sind die Illustrationen in kolorierter Fassung enthalten, wodurch die Bilder zusätzliche Prägnanz und atmosphärische Verdichtung erfahren. Im Vergleich einzelner Motive wie Robinsons Entdeckung von menschlichen Fussspuren im Sand in der (vermutlich) ersten und zweiten Fassung zeigen sich grundlegende Unterschiede in der Auffassung der Figur Robinsons und seiner Umgebung. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit diesen Illustrationen, zu denen im Kunsthaus Zürich auch die Vorzeichnungen erhalten sind, könnte der Robinson-Forschung neue Facetten hinzufügen und damit Adolf Seebaß’ lapidare Beschreibung der Ausgabe von 1818 als «hübsches, reizend illustriertes Büchlein» (1983, S. 289, Nr. 1623) inhaltlich erweitern.


Menschliche Fussspuren im Sand in zwei Versionen, um 1818/1825

Vorzeichnungen zu Robinson Crusoe, undatiert, Kunsthaus Zürich, Graphische Sammlung, in: Franz Hegi, VII., Studien zu Kupferplatten, S. 21

Sechs Illustrationen zu Robinson Crusoe, undatiert (um 1825)

Sechs Illustrationen zu Robinson Crusoe, undatiert (um 1818?)


Die Hegi-Sammlung von Rudolf von Schulthess-Rechberg enthält zahlreiche kolorierte Trachtendarstellungen und Ansichten, aber auch einige Märchen-Illustrationen nach Ludwig Emil Grimm. Die Szenen von Hänsel und Gretel mit der Hexe und dem im Glassarg liegenden Schneewittchen sind in nächtliches Dunkel getaucht, das nur von Mond und Sternen beleuchtet wird, wodurch ein Spiel mit gruseligen bis geheimnisvollen Lichteffekten entsteht.

Hänsel und Gretel und Schneewittchen nach Ludwig Emil Grimm, um 1825


Franz Hegis Zürich. Von der Wasserkirche zur Stadtbibliothek

Seine Heimatstadt hat Hegi mehrmals zeichnend und radierend in den Blick genommen. Eine Zeichnung der Ansicht von der Bauschanze aus der Ansichtensammlung der Graphischen Sammlung zeigt Zürich im Jahr 1814 als idyllisch-verträumten Ort.

Zürich von der Bauschanze, 1814

Einige Jahre später erblicken wir die Aussicht von der Zürcher Gemüsebrücke mit allerlei buntem Treiben von Spaziergänger:innen, Soldaten, Kindern und Händlern.

Aussicht von der unteren Brücke in Zürich, 1830er Jahre

In einigen Blättern wird auch die Zentralbibliothek, respektive ihre Vorgängerinstitution, zum Motiv: Für Neujahrsblätter der Stadtbibliothek und die Geschichte der Wasserkirche und der Stadtbibliothek in Zürich von Salomon Vögelin hat Hegi die Baugeschichte der Stadtbibliothek seit dem 17. Jahrhundert festgehalten: Das Innere der Wasserkirche zur Zeit ihrer Bestimmung für wissenschaftliche Zwecke, 1630 und Das Innere der Wasserkirche zur Zeit ihrer Benutzung als Bibliothek, 1673. Der Einblick von 1717 zeigt den Innenraum mit den neu errichteten Galerien mit Globus und ausgestopftem Krokodil, das von der Decke hängt und der Bibliothek das Flair eines Kunst- und Raritätenkabinetts verleiht.

Das Innere der Wasserkirche mit den neu errichteten Galerien im Jahr 1717, 1846

Im Grunde handelt es sich bei diesem und dem folgenden Blatt um ein Bilderpaar ähnlich dem Prinzip von «Schuss» und «Gegenschuss», indem Hegi den Blick in die andere Richtung des Raumes schwenkt, wobei das Gegenbild allerdings um 130 Jahre zeitversetzt ist. In der seltenen Abfolge von der Vorzeichnung im Kunsthaus, über die Druckplatte, bis zur Druckgrafik können wir bei diesem Werk dem Künstler gleichsam bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Das Innere der Wasserkirche in der Neuzeit, 1847, Zeichnung aus dem Kunsthaus Zürich, Graphische Sammlung, in: Franz Hegi, VII., Studien zu Kupferplatten, S. 74

Druckplatte für das Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Zürich auf 1847














In der gedruckten und der zusätzlich kolorierten Fassung aus dem Grafikbestand wird der Raum mit seinen Akteuren plastisch. Neugierig blick ein Herr mit einem Buch in der Hand über die Balustrade der 1718 erbauten Galerie hinab auf eintretende Besucher:innen der Bibliothek, darunter ein Kind, das wissbegierig auf einen grossen Globus zueilt.

Das Innere der Wasserkirche in der Neuzeit, 1847, unkolorierte und kolorierte Fassung

Franz Hegi war somit vor allem ein Chronist seiner Zeit mit der Radiernadel. Er hielt Ansichten von Landschaften und Gebäuden ebenso fest, wie gesellschaftliche Ereignisse wie den Auftritt des musikalischen Wunderkinds Wolfgang Amadeus Mozart bei Salomon Gessner in Zürich oder historische Momente wie die Hinrichtung von Marie Antoinette in Paris. Paul Leeman-van Elck (1884–1960), seines Zeichens Weinhändler sowie Sammler und Forscher über die Buchdruckerkunst, sah in Hegi in einer seiner Schriften einen geschulten Kupferstecher und exakten Zeichner, der «im Rahmen eines Kleinmeisters» beachtliche Leistungen vollbracht habe. Und im Nachruf im Neujahrsblatt der Künstlergesellschaft von 1851 attestierte man dem vielbeschäftigten und vielseitigen Künstler für sein Handwerk so notwendige Tugenden wie «Bienenfleiss» und «Seelenruhe». Mit den neu digitalisierten Drucken von Franz Hegi ist nun ein weiteres Fenster in die reiche Bilderwelt der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts für Interessierte und Forschende geöffnet.


 Graphische Sammlung und Fotoarchiv