Erlesenes aus dem Nachlass von Albert Heim (1849 –1937). Bald sind 90 seiner Notiz- und Tagebücher vollständig auf e-manuscripta zu finden. (Bild: C. Schmid / ZB Zürich; v.l.n.r.: Nachl. Heim XVI.21, Bl. 39v; XVI.17.16a; XVI.50, Bl. 57r)

Die Zentralbibliothek Zürich digitalisiert für ein Forschungsprojekt der ETH Notiz- und Tagebücher des Schweizer Geologen und ETH-Professors Albert Heim (1849–1937). Bald werden alle Bände des Projekts online publiziert sein. Neben Hinweisen auf sein wissenschaftliches Arbeiten bieten die Bücher immer wieder private Einblicke in Heims Familienleben: An einer Stelle findet sich ein Bleistiftporträt seiner Frau Marie Heim-Vögtlin (1845–1916), der ersten Schweizer Ärztin. Auf eine andere Seite haben die gemeinsamen Kinder Arnold und Helene im Alter von 11 und 8 Jahren ihre Namen geschrieben. Und schliesslich liegt einem der Notizbücher ein undatierter Brief von Marie bei, den sie ihrem Mann kurz nach dessen Abreise auf eine seiner vielen Exkursionen geschickt hat.

Doch wovon handelt der Brief? Marie berichtet vom Besuch eines Hundehalters, dessen Hund «in den Adlisberg» gebracht werden sollte. Am Fusse des Zürcher Adlisbergs, im Sommerhaus der Familie, hielt Albert Heim Hunde, unter anderem mit dem (umstrittenen) Ziel, Zughunde zu züchten. Seine eigenen Hunde holten beispielsweise als Wagentiere die Kinder von der Schule ab. Im Wald hinter dem Haus pflegte Heim die Tiere für seine kynologische Forschung zu beobachten.

Weil der Hundekenner und -züchter Albert Heim abwesend war, wollte der Besucher die Sache – nämlich seine Hündin gezielt mit einem der Hunde Heims zu paaren – verschieben. Doch Marie Heim-Vögtlin verstand genug von der Materie, um zu wissen, dass das keine gute Idee war: Wenn man die Läufigkeit eines Hundes ausnutzen möchte, ist es nicht ratsam, zu lange zuzuwarten. So bittet sie ihren Mann darum, entsprechende Informationen zu schicken, denn sie «werde wohl die Sache vermitteln müssen».

Glaubte ihr der Besucher nicht? Versuchte sie gar nicht erst, ihn selbst zu überzeugen? Wir wissen es nicht. Ob Albert Heim die gewünschten Informationen rechtzeitig geschickt hat, ist auch nicht bekannt. Der Brief erzählt zwar nicht die ganze Geschichte, doch er erlaubt einen wertvollen Einblick in das Leben zweier namhafter Zürcher Persönlichkeiten, die einander zeitlebens in ihren Tätigkeiten unterstützten – und in eine Zeit, in der auch Eiliges per Brief geklärt wurde.



Elke Huwiler
Digitale Produktion und Plattformen