תורה נביאים וכתובים – Urtext des Bestsellers Nr. 1
Mit über 5 Milliarden Exemplaren ist die Bibel, grösstenteils in Übersetzungen, das mit Abstand meistverkaufte Buch der Welt. Die hebräische Bibel ist die Sammlung heiliger Texte des Judentums und hat auch über Jahrhunderte einen bedeutenden, bis heute wirksamen Einfluss auf die europäische Kultur ausgeübt. Die Familie Soncino in Norditalien begründete den hebräischen Buchdruck und gab wichtige jüdische Bücher heraus. Gerschom ben Mose Soncino druckte 1494 in Brescia die hebräische Bibel in einer verbesserten Auflage und in einem handlichen Format, bestimmt für jüdische und christliche Leser.
Die Kirche in der Antike hatte die heiligen Schriften der Juden übernommen, doch erst in der Renaissance erwachte unter den Christen ein neues Interesse am biblischen Urtext. Die Bibelausgabe von Soncino hat zum Beispiel Martin Luther für seine deutsche Bibelübersetzung benutzt, und auch in Zürich wurde sie gelesen. Nachdem Konrad Pellikan (1478-1556) früh Hebräisch gelernt hatte, schenkte ihm sein Onkel im Jahr 1500 ein schönes Exemplar dieser Bibelausgabe. Pellikan wurde 1526 Professor für Griechisch, Hebräisch und Altes Testament in Zürich und richtete später die reformierte Stiftsbibliothek am Grossmünster ein, wohin diese Bibel nach seinem Tod gelangte.
Unser Bild zeigt den Beginn der Genesis mit einer Titelminiatur (im Zentrum der hebräische Textbeginn «Am Anfang=בראשית») und einer Halbbordüre. Diese und weitere Buchmalereien in frühen hebräischen Drucken werden derzeit für einen Beitrag in der Encyclopedia of Jewish Book Cultures Online näher untersucht.
- Christian Scheidegger
