Sogenannte Land-Lawine an einem unbekannten Bergort STF XIII, 77 (Daniel Düringer)

Wikimedia Commons

Neu befindet sich die Sammlung Steinfels der Graphischen Sammlung der ZB Zürich auf Wikimedia Commons. Dieser Upload ist ein Präzedenzfall: noch nie wurde ein so grosser Spezialbestand der ZB auf Wikimedia Commons zugänglich gemacht. Er eignet sich dafür bestens, da er historisch-authentisch als vollständige Sammlung erhalten und gut erschlossen ist. Dieser Bestand stellt ein seltenes Beispiel einer privaten helvetischen Sammlung aus dem späten 18. Jahrhundert dar. Die nach inhaltlichen Kriterien geordnete Sammlung traf mit einem nicht ganz vollständigen handschriftlichen Registerband von Johann Martin III Usteri-Escher (1754-1829) in der ZB ein, dem Sohn des Sammlers. Die Einzelstücke sind zusätzlich in einem «Zettelkatalog» aus den Jahren 1969-70 nachgewiesen und werden im Kulturgütermagazin der ZB aufbewahrt. 


Zürich im Winter, mit gefrorenem Seeufer STF II, 45 (Conrad Meyer)

Die Plattform bietet Digitalisate mit CCO Lizenz (Public Domain) in hoher Auflösung (Extra Large bis 1889 x 2160 px jpg) kostenlos zur Verwendung an und macht die Bilder weltweit sicht- und nutzbar. Unter den rund 2100 Werken (ca. 1500 Druckgrafiken, 570 Zeichnungen und Aquarelle) dieser Zürcher Privatsammlung finden sich hunderte von Schweizer Künstlern stammende Ansichten, aber auch Karten, Darstellungen der damaligen technischen Errungenschaften, Archäologisches, alpine Sujets, Abbildungen von Naturkatastrophen und vieles andere mehr. Unter den Künstlern sind Daniel Düringer (1720-1786), Johann Melchior Füssli (1677-1736), Johann Caspar Ulinger (1703-1768) und weitere bedeutende Schweizer Maler, Zeichner und Druckgrafiker zu nennen. Angelegt wurde die Sammlung zwischen ca. 1770 und 1790 vom Zürcher Seidenfabrikanten und Kaufmann Hans Martin (Johann Martin II) Usteri vom Neuenhof-von Muralt (1722-1803) und war zu ihrer Zeit nur einer kleinen Elite zugänglich. Ihren digitalen «Derivaten» von heute jedoch sind keine Grenzen gesetzt.


Kärtchen aus der KarteiSchublade für Grossformatige im PlanschrankKurzbeschreibung der Sammlung auf Wikimedia Commons


Wieso «Sammlung Steinfels»?

Die Kollektion trägt den Namen ihres letzten Besitzers, des Chemikers Heinrich Wilhelm Steinfels (1874-1929), obwohl sie eigentlich «Sammlung Usteri-von Muralt» oder «Sammlung Usteri vom Neuenhof» nach ihrem Urheber heissen müsste. Dieser hatte selber als Dilettant gezeichnet. Usteri montierte die Werke auf Unterlagebogen von einheitlichem Format in 21 Bänden. Die zugehörigen handschriftlichen Betitelungen in brauner Tinte gehen vermutlich ebenfalls auf ihn zurück. Die Erwerbung von wertvollen Kulturobjekten wie Kunstwerken verlieh dem Sammler die Reputation eines Mannes von Welt und wohlhabenden Connaisseurs. Usteri genoss im damaligen Zürich den Ruf eines vorzüglichen Kunstkenners und gab anscheinend einige der Bilder eigens für seine Privatsammlung in Auftrag. Typischerweise wurden sie in extra dafür angefertigten Bänden oder Vorzeigemappen aufbewahrt und dann im privaten oder geselligen Rahmen als Prestige-Objekte zur Schau gestellt. Die Sammlung umfasst drei Viertel aller bis in die 1780er Jahre produzierten schweizerischen Landschaftsstiche.

Zeichnung des Alten Seidenhofes, ca. 1855: Wohnhaus der Familie Usteri Zürich L1, Seidenhof I, 2 Pp A4 (Emil Schulthess)

Der ohne männliche Nachkommen gebliebene Sohn des Johann Martin III, Konrad Usteri-Wegmann (1795-1873), selbst ein bekannter Landschaftsmaler, verkaufte jedoch den Bestand an Pfarrer Heinrich Cramer in Zürich (1806-1874). Das Datum und den Beweggrund kennen wir nicht. Künstlerinnen sind in der Sammlung nicht vertreten. Dennoch machten sich Frauen verdient um die Bewahrung des Usteri-Erbes und schliesslich um die Ermöglichung von dessen Ankauf durch die ZB Zürich. Pfarrer Cramers Sohn lebte im Ausland, und die deshalb wohl als Erbin der Usteri-Sammlung bestimmte einzige Tochter, Barbara Luise (1838-1919), heiratete 1860 Jakob Friedrich Steinfels (1837-1898). Dadurch gelangten die Bilder in den Besitz der bekannten Zürcher Kerzen- und Seifenfabrikantenfamilie. Ein Sohn aus dieser Ehe, Heinrich Wilhelm Steinfels, stiftete 1925 die Sammlung der Zentralbibliothek Zürich, freilich nur als «Depositum». Fünf Jahre später, 1930, konnte sie von der ZB dank der Gönnerschaft von Emma Lina Escher-Abegg (1869-1949) - unter der Bedingung der Beibehaltung des Steinfels-Namens sowie der separaten Aufbewahrung als intakte Sammlung. Hermann Escher, Gründer und erster Bibliotheksdirektor der ZB, veröffentlichte am 4. Juli 1932 einen NZZ-Artikel über den geglückten Kauf der exklusiven Kollektion. «Unsere Kenntnis des alten Zürichs», so schrieb er, werde «in vollkommenster Weise durch eine Folge von Federzeichnungen bereichert». Weiter vermerkt Escher, dass die Sammlung «dank grosszügiger Hilfe den Weg in unveränderliches öffentliches Eigentum gefunden» habe. Mit dem aktuellen Upload auf Wikimedia Commons geht dieser demokratische Weg nun weiter.

Bilder lesen 

Nicht nur Bücher aus der ZB, sondern auch unsere Bilder können «gelesen» werden. Was erzählt uns die Sammlung Steinfels über das Leben damals? Sachgetreue Darstellungen vermitteln uns Zeithistorisches und Zeittypisches, geben Aufschluss über das äusserliche Erscheinungsbild von Menschen und deren Umwelt, von Dingen und Tätigkeiten. Neben beispielsweise der Veranschaulichung von landwirtschaftlichen Arbeiten und Geräten führen uns die imposanten Gletscherzeichnungen von anno dazumal den heutigen Schwund dieser Landschaftsformer eindrücklich vor Augen. Doch nicht nur Konkretes lässt sich visuell ableiten: auch gesellschaftliche Konventionen, Besitzstand und soziale Unterschiede sowie die Stellung der Frau im Ancien Régime kommen in ihnen zum Ausdruck. Zudem verweisen die Bilder nicht selten auf frühere Werke und sind somit in einer kunsthistorischen Tradition zu verstehen. Und letztlich können wir auch unsere eigenen Geschichten über die Bilder legen oder aus ihnen schreiben.

Sujets

Den weitaus grössten Teil der rund 2100 Werke machen die Landschaftsdarstellungen aus, sogenannte Veduten, zwar vor allem jene aus dem Kanton Zürich. Diese topographischen Ansichten reichen von Stadtbildern über pastorale Landschaften bis zu ehrfurchtgebietenden Alpendarstellungen und verstehen sich auch als Symbole finanzieller, politischer und kultureller Macht. Sie widerspiegeln den Besitz von Land und Liegenschaften oder versetzen mancherorts die Arbeit auf dem Feld in ein arkadisches Idyll. Das Auge und die Sinne wurden durch diese künstlerischen Darstellungen trainiert, so dass eine bestimmte modische Sichtweise entstand. Eine weitere Kategorie bilden die Zeichnungen, die oft viel intimer daherkommen und mitunter eine beschönigende Version des damaligen Alltags zeigen. Schauen wir uns einige kleine Bildergalerien an.


Galerie von Herrenhäusern samt Familien und Freizeitaktivitäten

Gesellschaftliche Ungleichheit spiegelt sich in denjenigen Bildern, die herrschaftlichen Haus- und Landbesitz zelebrieren. In diesen Werken begegnet uns oft die Konvention der «Staffage», d. h. die Positionierung von Figuren oder Objekte im Bildvordergrund, die die Perspektive betonen und die betrachtende Person miteinbeziehen. Kompositorische Schemata, wie Massstab, Dimension, Grösse, Platzierung oder Körperhaltung von Porträtierten, geben uns Hinweise, wie das Bild zu lesen ist. In der Radierung des Château Richenbach von Ludwig Nöthiger (1719-1782) beispielsweise dominiert der Garten im französischen Stil: Das kleine Boot und die winzigen Figuren im rechten Vordergrund sollen den Eindruck von der Grösse des Geländes unterstreichen. Dem gleichen Ziel dient auch der unermessliche Himmel, wobei dieser eigentlich eine Übernahme aus der klassischen Ölmalerei ist. Idealisierte Familienszenen finden sich in den Werken genauso wie die standesgemässen Freizeitvergnügen der Männer, so etwa die Jagd. Der Alltag der weniger begüterten Schicht erschliesst sich uns aus der 124 Zeichnungen zu Zürich und Umgebung beinhaltenden Serie des als Ofenmaler bekannt gewordenen Künstlers Jakob Kuhn (1740-1816). Hier finden sich bescheidenere Behausungen, dargestellt in unprätentiöser, wirklichkeitsnaher Manier.

Galerie von Veduten und klassischen Ansichten 

Diese Abbildungen haben sowohl dokumentarischen wie auch definierenden Charakter. Sie führen zwar wirklichkeitsgetreue Darstellungen von Ortschaften und Städten vor Augen, sind aber manchmal von einem glorifizierenden Patriotismus geprägt und formten und festigten damit das Selbstbild und die Identität des Bürgertums. Schon damals gab es unter den Städten der Eidgenossenschaft einen Wettstreit um Ansehen und Vormachtstellung. Embleme, Wappen und Inschriften fungieren als Symbole des Prestiges. Die meist sehr detaillierte Wiedergabe der Bauten ist von unschätzbarem Wert für die Rekonstruktion der damaligen Stadtbilder, für die Kenntnis ihrer Entstehung und Geschichte sowie letztlich für unser Verständnis der früheren städtischen Lebensformen. Neben Abbildungen herrschaftlicher und vornehmer Bauten stossen wir auch auf einfachere und ärmlichere Behausungen, welche dem Zahn der Zeit nur höchst selten standhielten. Der Blick auf diese andere Welt war in der Kunst jener Zeit eher ungewöhnlich, und so sind diese Zeugnisse von ganz besonderem Wert.

Galerie von Pastoralen Ansichten samt landwirtschaftlichen Aktivitäten 

Das Genre des Pastoralen in Kunst und Literatur geht von einer idealisierten Vorstellung des Landlebens aus, in dem Viehzucht und Landwirtschaft von genügsamen Bauern im Einklang mit den Jahreszeiten und dem Wetter betrieben werden. Dieses idyllische Bild einer heilen, unverdorbenen Welt wurde im 17. und im 18. Jahrhundert mit der Wende zur «Empfindsamkeit» vor allem von gebildeten Stadtbewohnern gepflegt.

Auch der Seidenfabrikant Usteri, Besitzer einer Grossmanufaktur, wusste künstlerische Darstellungen eines solchen «Arkadiens» zu schätzen. Seine Sammlung enthält etliche Beispiele dieses Bildtypus, welche besonders von David Herrlibergers (1697-1777) ruhigen, bukolischen Szenen verkörpert wird. Eine frühere, an einem Holzschnitt aus der letzten Ausgabe von Stumpfs «Schweytzer Chronick» angelehnte prächtige Federzeichnung von Johannes Meyer (1655-1712) vom Kloster Beerenberg, entstanden 1674, zeigt alte Ruinen, im Hintergrund einen Hirten mit seiner Herde und im Vordergrund Hunde und einen antikisierten Jäger an einer Brunnenquelle. Diese Szenen sind völlig imaginär. Neben solchen idealisierten Szenen gab es jedoch auch diverse Darstellungen einer eher irdischen Version des Landlebens, so beispielsweise in der Darstellung von Holzfällern an der Birs (1622-24) von Matthaeus Merian, wenngleich auch diese kräftigen Gestalten etwas romantisiert und heroisiert scheinen. Einen Mittelweg zwischen stilisiert und wirklichkeitsnah finden wir in Daniel Düringers (1720-1786) Ansichten vom Leben in den Alpen. Ein weiteres bukolisches, aber realitätsnahes Bild aus dem 18. Jahrhundert zeigt die lebensechte Figur eines schlafenden Hirten, dessen Schafe unbeaufsichtigt weiden.

Galerie von Berglandschaften

Der «Berg» ruft andere Emotionen hervor: Staunen, Bewunderung und Ergriffenheit beim Anblick grandioser Gipfel und beim Ausblick von ihnen oder bei der Betrachtung imposanter Wasserfälle. Solche Ehrfurcht wurde im 18. Jahrhundert kultiviert. Sie war Ausdruck der Sensibilität des verfeinerten und gebildeten Menschen, der in Berührung mit sowohl den Ideen der Aufklärung und Klassik als auch dem Gefühlskult der «Empfindsamkeit» und der beginnenden Romantik gekommen war.

Die Bewunderung der unverdorbenen Natur, Kennzeichen folglich für die Lauterkeit und den gesellschaftlichen Rang der Person, wurde durch die damaligen «Influencer» aus England, Frankreich und Deutschland – adelige und vermögende Reisenden auf der Grand Tour – angeregt und prägte, gefördert durch die Literatur,  den europäischen Kunstgeschmack. Die Schweiz mit ihren Naturschönheiten galt als besonders pittoresque. «Une belle veüe dans la Comté de Sargans», gestochen von Johann Caspar Ulinger (1703-1768), verdeutlicht denn auch anhand der Körperhaltung der zwei männlichen Bildfiguren im Vordergrund, wie die Landschaft gebührend zu bewundern sei. Die sogenannten «Schweizer Kleinmeister» bemühten sich um Bilder der Natursehnsucht für Reisende und Einheimische zugleich. Grandiose, überwältigende und teilweise auch furchterregende Versionen der Schweizer Berglandschaft lagen im Trend. Auch von Usteri in Zürich wurden sie angekauft.

Von den Menschen des 18. Jahrhunderts wurden die Gletscher für unheimliche Überbleibsel und Kuriositäten aus der Eiszeit gehalten. So erstaunt denn nicht, dass ihre Abbildungen zuweilen fast an gigantische zackige Zuckerglasuren erinnern.

Besonders bei den Zeichnungen gibt es auch ungezwungenere, weniger schematische Darstellungen von Alpenlandschaften. Von Schweizer Künstlern wie Emanuel Büchel (1705-1775), die Verbundenheit mit ihren Bergen empfanden, wurden sie schwungvoll und viel weniger schroff gezeichnet und topographisch sehr präzis wiedergegeben. Auf uns heutige Betrachter(innen) wirken solche Bilder «natürlicher» als die «naturverherrlichenden» Varianten. So suggerieren beispielsweise Salomon Gessners (1730-1788) Radierungen statt Furcht und Ehrfurcht vor den Bergriesen eher Vertrautheit mit ihnen und ein Gefühl der Geborgenheit.

Galerie von Naturkatastrophen und Technik

Darstellungen von Unwettern und Katastrophen - Überschwemmungen, Feuersbrünste, Erdrutsche und Lawinen - gibt es überraschend viele. Sie übten mit ihren eindringlichen Bildern der zerstörerischen Kraft der Natur eine besondere Faszination aus. Dokumentiert wurden solche Ereignisse von den Künstlern teils im Andenken und zur Erinnerung an das mit ihnen verbundene menschliche Leid, teils aber gewiss auch aus Vorliebe für Sensationelles. Es existieren sogar «Vorher und Nachher»-Serien. Es ist kaum vorstellbar, dass solche «Schocker» in Salons und guten Stuben aufgehängt wurden. Nichtsdestotrotz liess dieses Genre Sammlerstücke besonderer Art entstehen.

Usteri sammelte des Weiteren faszinierende Abbildungen der zeitgenössischen Technologie oder der technischen Neuheiten und Errungenschaften. Physik, Ingenieurwesen und Kriegshandwerk machen eine erhebliche Sektion dieser Sammlung aus. Abbildungen modischer Bäderorte und ihrer Anlagen sowie archäologische Sujets zeugen vom Interesse des Sammlers an Wissenschaft und Geschichte. Eine Skizze von Johann Jakob Scheuchzer (1672-1733) zeigt die Passerellen-Konstruktionen zum Thermalwasser in der Tiefe der Taminaschlucht und kombinierte sozusagen die Novitäten aus den Fachgebieten Ingenieurwissenschaften, Geologie und Balneologie.

Kartographie

Rund 30 Werke der Sammlung Steinfels stellen geographischen Karten dar. Da sie von den Spezialistinnen der ZB als Kartenmaterial erschlossen und katalogisiert wurden, sind die Metadaten dementsprechend mit Geo-Koordinaten und weiteren kartographischen Merkmalen versehen. Besonders erwähnenswert scheint die wertvolle Manuskriptkarte zu Stallikon von Hans Konrad Gyger (1599-1674) von circa 1650.


Kartographische Darstellung des Laufs der Birs STF XVI, 41 (Emanuel Büchel)Manuskriptkarte von Stallikon, ZH STF Giger H.C. XXI, 49 (Grossformat) Pp






















Der Upload

Der Anstoss zum Upload-Projekt ging von einem ZB-Workshop im Juni 2021 aus, in welchem unsere institutionelle Partizipation am gesamten «Wikiversum» thematisiert wurde. In der Folge bereitete ein vierköpfiges Team aus den Abteilungen ZB Lab, Liaison Librarians, Metadaten Management und der Graphischen Sammlung den Upload der Sammlung Steinfels auf Wikimedia Commons vor. Für die Mapping-Diskussionen waren in den Jahren 2021 und 2022 zahlreiche Sitzungen nötig. Es galt, das Bibliotheksformat MARC21 in das Wikimedia Commons Template für «Artwork» zu mappen. Da das Projekt neben der alltäglichen Arbeit verfolgt wurde, kam es nicht so zügig wie erhofft voran. Zu Beginn war das Know-How gar nicht vorhanden, und vieles musste in Kürze gelernt und angeeignet werden.

Als besonders knifflige Aufgaben erwiesen sich IIIF (noch nicht verfügbar auf Wikimedia Commons aber vorhanden auf den Plattformen der Quelldaten), das zu erzielende Format oder die Auflösung der Bilddateien (Jpg, TIF, Grösse?) sowie die Heterogenität der Ur-Metadaten, die über eine längere Zeitspanne nach ganz unterschiedlichen Standards entstanden waren. Die daraus resultierenden Probleme sind teilweise bis heute nicht optimal gelöst.

Zudem musste die Zitierformulierung der besitzenden Institution bestimmt und festgelegt werden. Ferner entpuppten sich die historischen Signaturen der alten Sammlung als völlig ungeeignet für eine digitale Aufbereitung. Als interessantes Hindernis erwies sich die spezifisch bibliothekarische Verwendung der verschiedenen Klammern (spitze, runde, eckige). Diese haben nicht in jeder Programmiersprache dieselbe Bedeutung. Und vor spezielle Schwierigkeiten stellte uns die Forderung des unique identifier: sämtliche Werktitel mussten für die Datenverarbeitung eindeutig sein - ein erhebliches Problem, da nicht wenige Titel fingiert werden mussten, so etwa mit dem Behelf «Ansicht von Zürich», welcher dann bei der Recherche zu hunderten von Treffern führte. Zur Identifizierung verhilft die mitgelieferte (allerdings sperrige!) ID-Nummer des einzelnen Datensatzes aus dem Katalogisierungssystem.

Wikimedia Commons: Suche nach der Systemnummer

Bei den Test-Uploads Ende 2021 stellten wir fest, dass das klassische, Java-basierte Import-Tool «Pattypan» nicht funktionierte. Ein «Import Wizard» (ein Dienstprogramm für Service Management, das den Import von Batch-Daten aus anderen Anwendungen vereinfacht) wurde vergebens gesucht. Erfreulicherweise erschien aber bis im Frühling 2022, als wir für den definitiven Upload bereit waren, eine neue Pattypan-Version. Das Projekt zwang uns, eigene Entscheidungen aus früheren Projekten und Workflows nochmals zu überdenken, d. h. Dubletten zu katalogisieren und Bilder nicht als Werkgruppen zu erschliessen, da sie andernfalls fatalerweise zu Lücken auf Wikimedia Commons führen würden. Dank den elektronischen Plattformen e-rara und e-manuscripta und ihrem ID-Systems liessen sich die «Kandidaten» für den Steinfels-Import effizient identifizieren und die einzelnen Bilder taggen. Der Haupt-Import erfolgte dann im Mai 2022 - mit kleinen Nachlieferungen mittels des Pywikibots. 


Ausblick

Die Geschlossenheit und Reichhaltigkeit dieser grossartigen Sammlung macht sie so besonders. Als Dokument der Lebens- und Geisteswelt des Zürcher Patriziats des 18. Jahrhunderts erschliesst und entschlüsselt sie uns, zumindest partiell, ein Stück Vergangenheit der Schweiz, ihrer Natur und ihrer Menschen.

Wikimedia Commons präsentiert sie in einer hervorragenden Bildqualität: Einzelne Federstriche können per Zoom-Funktion in minutiösen Details untersucht werden - mit einer Präzision, die am Original unmöglich ist. Das Recherchieren hingegen verläuft über die Bibliothekskataloge (swisscollections, swisscovery) zweifellos schneller und erfolgreicher. «A» bezeichnet den Anfangsort der Lawine STF XIII, 77 (Daniel Düringer)Auch was die ausführliche Beschreibung und Kontextualisierung eines Bildes (Metadaten) anbelangt, erweist sich der Bibliothekskatalog als unersetzlich. Die Diskrepanz zwischen den sehr reichhaltigen Metadaten und ihrer erforderlichen Standardisierung für die Nachnutzbarkeit bleibt für uns noch ein zu bewältigendes Problem.

Als Anreicherung der Bildbeschreibung auf Wikimedia Commons sind gewisse «strukturierte» (d. h. verifizierte und mit Identifier ausgerüstete) Begriffe wie Personen und Geographica mit einer ergänzenden Wiki-Datenquelle verlinkt, nämlich Wikidata, via SPARQL Endpoint: in diesem Werk beispielsweise ist der Künstler Johann Melchior Füssli mit seinem Wikidata-Eintrag verlinkt.

Derzeit sind die Umstrukturierung und der Ausbau von Wikimedia Commons im Gange: Künftig sollen die Metadaten anstatt in Templates direkt in Wikibase erfasst werden. Es ist geplant, für fällige Aktualisierungen der Steinfels-Metadaten auf Wikimedia Commons das Datenverarbeitungs-Tool OpenRefine einzusetzen. So lässt sich sagen, dass die ZB für kommende weitere Wiki Aktivitäten bereits über einen erheblichen Erfahrungsschatz verfügt.




Graphische Sammlung und Fotoarchiv