Die Teuerungstafel listet Lebensmittelpreise vom Juni 1817 auf, dem Höhepunkt der Teuerungskrise. «Kernen» (Dinkel) kosteten rund 7-mal mehr als noch 1815. Kolorierte Lithografie, nach April 1819. (Bild: ZB Zürich)

Als im April 1815 in Indonesien der Vulkan Tambora ausbrach, hatte dies Auswirkungen bis ins ferne Zürich: Aufgrund der weltweiten Klimaabkühlung durch Vulkanasche erlebte man 1816 auch hierzulande ein «Jahr ohne Sommer». Starke Regenfälle und Schneefall bis in den Sommer führten zu Ernteeinbussen und einem markanten Anstieg der Lebensmittelpreise. Diese Teuerung traf vor allem die bereits zuvor verarmten Heimarbeiter und Kleinbauern hart, viele litten schweren Hunger.

Die Hungerkrise liess eine tief verunsicherte Bevölkerung zurück. Das zeigte sich auch an der blühenden Erinnerungskultur, die bald nach der Krise einsetzte: Private wie Künstler schufen Teuerungs- und Hunger-Memorabilia, die an die dramatischen Ereignisse erinnern sollten. Die Zentralbibliothek Zürich besitzt einige solcher grafischen Hungerandenken.

Aus diesem Bestand stammt auch das oben abgebildete Dokument: eine sogenannte Teuerungs- oder Hungertafel. Die drei Vignetten im oberen Teil illustrieren Krisenursachen, die mittige Tabelle dokumentiert Lebensmittelhöchstpreise und der abschliessende Kasten berichtet über ergriffene Hilfsmassnahmen. Als Perle gewählt wurde dieses Stück nicht etwa, weil es sich um ein Unikat handeln würde – ganz im Gegenteil! Wie andere Teuerungs-Memorabilia wurde auch diese Tafel vielfach kopiert. In verschiedenen Sammlungen im Kanton Zürich finden sich mindestens zehn Versionen dieses Motivs aus je unterschiedlicher Hand, aber fast bis auf den Buchstaben identisch.

Von der gezeigten Teuerungstafel existieren zahlreiche Kopien. Alle weisen praktisch identische Bildelemente, Zahlen und Texte auf, einige sind namentlich gezeichnet. (Bilder: ZB Zürich; Ortsmuseum Wollishofen; Ortsmuseum Hinwil; Schweizerisches Nationalmuseum)


- Tobias Scheidegger
  Abteilung Turicensia