Im vergangenen Jahr schenkte Eduard Widmer (*1932) der Zentralbibliothek Zürich seinen fotokünstlerischen Vorlass mit Schweizer Motiven. Nach einer Lehre als Postbeamter absolvierte er von 1959 bis 1962 die Fachklasse für Fotografie bei Walter Binder und Serge Stauffer an der damaligen Kunstgewerbeschule Zürich. Anschliessend war er im Werbeatelier von Josef Müller-Brockmann und für die Expo 64 in Lausanne tätig. Bereits 1965 machte Eduard Widmer sich selbständig.

Seine Aufnahmen erschienen in den Kulturzeitschriften DU und Turicum sowie im Magazin des Tages-Anzeigers. Ab Mitte der 1960er-Jahre veröffentlichte er seine Fotografien in Einzelpublikationen in den Verlagen Atlantis, Office du Livre, Ex Libris, Haupt und Zytglogge: Guarda, Das Engadinerhaus und Das grosse Burgenbuch der Schweiz erfuhren enorme Popularität. 1984 und 1991 folgten Führer und Buch zu den Forschungs- und naturwissenschaftlichen Ausstellungen Phänomena und Heureka in Zürich.

Neben der Schweiz galt Eduard Widmers künstlerisches Interesse der Türkei, wo zwischen 1958 und 1978 eindrückliche Fotoreportagen osmanischer und byzantinischer Architektur sowie seldschukischer Kunst entstanden. Eine Auswahl an Fotografien erschien 2019 unter dem Titel Türkei 1958–1978. Politik, Religion und Gesellschaft im Alltag. Neben den kunst- und architekturhistorischen Motiven nehmen soziale Themen einen grossen Raum im Schaffen von Eduard Widmer ein. Unter dem Titel Soziale Berufe fotografierte er über Jahrzehnte hinweg Szenen aus der Alten-, Kranken- und Hauspflege und aus Kindertagesstätten.


- Jochen Hesse
Graphische Sammlung