Mit Unterstützung der Familienstiftung Hirzel sichert die ZB das Archiv eines der bedeutendsten Zürcher Bürgergeschlechter für künftige Generationen. 

Mitglieder der Familie Hirzel prägten die Geschichte Zürichs vom 16. bis 19. Jahrhundert als Bürgermeister, Räte und Landvögte. Sie waren Offiziere, Pfarrer und Gelehrte. Das Archiv dieser einflussreichen Familie kam 1900 in die damalige Stadtbibliothek. Heute ist es in der Handschriftenabteilung der ZB zugänglich und wird von Forschenden rege genutzt.

Hirsch und Zelt im Wappen der Familie Hirzel. Zeichnungen aus Pfarrer Erhard Dürstelers genealogischem Werk «Stemmatologia tigurina», 18. Jh. (ZB, Ms. E 18a, f. 452r)


Briefe der Aufklärung 

Besonders nachgefragt sind die über 2’300 Briefe samt Beilagen aus dem Nachlass des Stadtarztes Hans Caspar Hirzel (1725-1803). Kein Wunder: Jean-Jacques Rousseau, Jakob Gujer genannt Kleinjogg, der Brugger Arzt und Lavater-Freund Johann Georg Zimmermann, der Philosoph Johann Georg Sulzer, der Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock oder die Salonnière Sophie von La Roche sind nur einige der bekannten Namen, die darin auftauchen. 

Porträt des Stadtarztes Hans Caspar Hirzel (1725-1803) von Friedrich Oelenhainz (1745-1804), 1790. (ZB, Inv 173) Beispiel für einen restaurierten Briefbogen aus der Sammlung des Stadtarztes Hans Caspar Hirzel, 18. Jh. (ZB, FA Hirzel 238.117)
















Eine diplomatische Mission im Tagebuch 

Ein anderes Highlight ist das Pariser Tagebuch von Salomon Hirzel (1580-1652). Darin notierte er 1634-1635 seine Eindrücke als Teilnehmer an der Mission der Eidgenossenschaft betreffend die Handelsprivilegien. Neben Briefen und Tagebüchern umfasst das Familienarchiv Hirzel zahlreiche andere interessante Materialien, etwa Akten zum Stipendienfonds, den Salomon Hirzel stiftete, Chroniken und Stammtafeln, Militaria und Schriftstellerisches, aber auch Objekte wie Kupferplatten für Porträtstiche und eine Siegelsammlung. 


Kupferplatte mit dem Porträt von Bürgermeister Hans Ludwig Hirzel (1652-1710), 1710, gezeichnet von Johann Melchior Füssli, gestochen von Johann Heinrich Huber. <br>(ZB, FA Hirzel 203 la) Der entsprechende Porträtstich findet sich in Erhard Dürstelers genealogischem Werk «Stemmatologia tigurina». (ZB, Ms. E 18a, f. 465r)






















Restaurierungs- … 

Das Familienarchiv Hirzel in der ZB ist grundsätzlich in gutem Zustand. Gleichwohl sind im Laufe der Jahrhunderte Schäden entstanden, die nun restauratorische Massnahmen notwendig machen. Ein typisches Schadensbild ist der so genannte Tintenfrass – ein chemischer Abbauprozess historischer Tinten, der zur Zerstörung des beschriebenen Papiers und damit der Dokumente führen kann. Häufig sind auch über die Jahrhunderte brüchig gewordene Faltstellen und Blattränder, bestossene Ecken von Bucheinbänden und beschädigte Siegel. 

 Tintenfrass kann zu Ausbrüchen im Schriftbild führen. (ZB, FA Hirzel 235)

 

 … und Konservierungsbedarf 

In vielen Fällen können präventive und konservatorische Massnahmen verhindern, dass in Zukunft Schäden entstehen. Dazu gehört etwa die Reinigung der Objekte oder die Umverpackung in alterungsbeständige massgefertigte Archivschachteln. Dank der grosszügigen Unterstützung der Familienstiftung Hirzel arbeitet die ZB das Familienarchiv Hirzel seit Ende 2020 restauratorisch und konservatorisch systematisch auf. Zudem wird eine Auswahl der restaurierten Dokumente auf der Plattform e-manuscripta digital zur Verfügung gestellt. 

 Ausgleich von Formatunterschieden mit Hilfe eines Schachteleinbaus. <br>(ZB, FA Hirzel 203 ma)

 Blick über die Schulter 

In den nächsten Monaten werden wir Ihnen einen Blick über die Schultern des Restaurierungsteams erlauben, ausgewählte Objekte vorstellen und verschiedene Projektbeteiligte zu Wort kommen lassen. Interessiert? Dann folgen Sie dem Hashtag #RestaurierungHirzel.




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