«Jo, Tess und die andern» von Jens Steiner

Ein Haus in Wollishofen, ein Freundeskreis, der Idealismus der 1980er-Jahre: In seinem neuen Roman «Jo, Tess und die andern» lässt Jens Steiner eine Zeit wiederaufleben, in der eine andere Welt möglich schien. Eine Welt jenseits der Kleinfamilie. Eine bessere Welt als die der eigenen Eltern. Der Autor erzählt die Geschichte als Briefroman. Kann das gutgehen? Ja, es kann, wie Jens Steiner zeigt. Die unterschiedlichen Schreibstimmen klingen glaubwürdig und das Erzählen in Briefen und E-Mails steht der Geschichte nicht im Weg, im Gegenteil.

Tomek, das Kind im Freundeskreis um das Paar Jo und Tess, kehrt als Erwachsener in das Haus am Rand der Stadt zurück. Dort stösst er auf eine Sammlung von Briefen, die von einer vergangenen Zeit erzählen. Einer Zeit, in der Jo immer wieder verschwand und Tess deswegen ihren Freundeskreis mobilisierte. In den Briefen entfalten sich Leben und Lebensentwürfe der 80er-Jahre. Zwischen den Briefwechseln tauscht sich der erwachsene Tomek per E-Mail mit seiner Mutter über die Briefe und die damalige Zeit aus. Nicht erst in dieser Gegenwart des Romans, die 2020 während der Pandemie angesiedelt ist, weicht der Idealismus einem ernüchterten Realismus.

«Jo, Tess und die andern» ist bei uns ausleihbar und in der Zürich-Präsenzbibliothek in der Turicensia Lounge können Sie vor Ort darin lesen. In unserem Bestand finden Sie auch Jens Steiners frühere Romane, ebenso Micha Lewinskys neustes Werk «Freunde von früher», das eine verwandte, aber in den 1990er-Jahren spielende Geschichte erzählt.