Anlässlich des 30-jährigen Zurich Pride Festivals gibt es den ganzen Juni lang im Lesesaal der ZB Zürich eine Auslage zu LGBTQ-Themen. Die Dienstleistungen der ZB Zürich werden von der LGBTQ-Gemeinschaft genutzt, und queere Menschen sind unter den Angestellten vertreten. Daher ist es der ZB Zürich wichtig, Unterstützung und Verbundenheit mit dieser sozialen Gruppe zu zeigen. 


Das Zurich Pride Festival wird jährlich im Juni gefeiert. Pride ist Englisch für «Stolz» und steht für die Selbstakzeptanz und ist das Gegenteil von Scham und Selbstverleugnung. Der Juni gilt weltweit als Pride Month und erinnert an die Stonewall-Aufstände vom 28. Juni 1969 in New York City, die historisch als Wendepunkt im Kampf für LGBTQ-Rechte gelten. Diese Aufstände führten zu einer weltweiten Bewegung, die sich für gesellschaftliche Gleichberechtigung und Akzeptanz einsetzt, was in einigen Ländern in einem rechtlichen Diskriminierungsschutz und in die Ehe für alle mündete. Bereits 1978 fand in Zürich die erste Demostration statt. Seit 1994 wird die Veranstaltung jedoch regelmässig und jährlich durchgeführt. 2009 wurde Zürich zur Gastgeberstadt der Europride, was zur Umbenennung der Veranstaltung von Christopher Street Day (CSD) in Zurich Pride Festival führte. 2024 wird nun das 30-jährige Jubiläum dieser regelmässigen, jährlichen Durchführung gefeiert.



Für junge queere Menschen sind die Selbstfindung und das Coming-out schwierige Prozesse. Sie erleben im Freundes- und Familienkreis oft negative Sprüche und die Herabwürdigung queerer Identitäten. Diese negativen Erfahrungen können zu Selbstablehnung und Selbsthass führen und im schlimmsten Fall zu Suizid. Auch heute noch ist die Selbstmordrate unter LGBTQ-Menschen deutlich höher als im Rest der Gesellschaft. Viele junge queere Menschen verstecken und verstellen sich zu Beginn ihres Lebens zum Schutz oder reden sich ein, nicht queer zu sein. Darum sind positive Vorbilder und die Sichtbarkeit queerer Kultur wichtig, um die Selbstakzeptanz und den Coming-out-Prozess zu erleichtern. Der Pride Month verbreitet die Botschaft: Sei selbstbewusst mit deiner Geschlechtsidentität und sexuellen Orientierung und zufrieden mit dir, so wie du bist.

Mit der Auslage im Lesesaal beabsichtigt die Zentralbibliothek Zürich die Vielfalt ihrer Bestände zu queeren Themen sichtbar zu machen und bietet eine Auswahl davon zum Stöbern und zum Ausleihen an. Die Bibliothek sammelt Literatur und Medien zu diesem Themengebiet und unterstützt damit die Forschung an der Universität Zürich, wie beispielsweise in den Gender Studies und Geschichtswissenschaften. Dank des Sammelauftrags der Turicensia bietet die ZB zudem eine Auswahl von Werken queerer Literaturschaffender aus dem Raum Zürich an. Die Sammlung umfasst auch Nachlässe und Noten von queeren Musikschaffenden, die im Kanton Zürich gewirkt haben, wie beispielsweise von Paul Burkhard und Nico Kaufmann. Paul Burkhard war ein bedeutender Komponist und Dirigent, bekannt für seine Werke «D’Zäller Wiehnacht», «Die kleine Niederdorfoper» und «Der schwarze Hecht». Nico Kaufmann war ein talentierter Pianist, Komponist und Schüler und Liebhaber des berühmten Komponisten Vladimir Horowitz. Auch das queere Filmschaffen spielt eine bedeutende Rolle in den Beständen der Filmwissenschaft, wie das Werk «Der Kreis» von Regisseur Stefan Haupt zeigt. Der Film zeichnet die Geschichte der in Zürich ansässigen Homophilenbewegung «Der Kreis» und ihrer Mitglieder nach, die eine international bekannte Zeitschrift mit demselben Namen herausgegeben hat. Im Bereich Comic und Manga findet sich beispielsweise das in den USA umstrittene Buch «Gender Queer» von Maia Kobabe, das aufgrund seiner offenen Darstellung von Geschlechtsidentität und Sexualität zu Debatten geführt hat, um es aus vielen öffentlichen Schulen zu entfernen. Ebenso findet sich die Graphic-Novel-Serie «Heartstopper» von Alice Oseman, die als Webcomic begann und von einem grossen Streamingdienst erfolgreich als weltweit rezipierte Serie adaptiert wurde. Auch gibt es japanische Boys-Love-Manga, die eine grosse Fanbasis in Japan, Taiwan und Südkorea haben und Gegenstand kulturwissenschaftlicher Forschung sind.


Bild aus dem Bestand der Monacensia München

Begleitend zu dieser Pride-Auslage im Lesesaal finden im Juni drei Anlässe statt. Bei der Veranstaltung «Annemarie Schwarzenbach und ihre queeren Familien» diskutieren Daniela Kohler und Elias Zimmermann mit Alexis Schwarzenbach über die berühmte Schweizer Schriftstellerin, Journalistin und Fotografin des 20. Jahrhunderts. Dabei wird Schwarzenbachs Queerness und deren Einfluss auf ihre verschiedenen familiären Verbindungen beleuchtet. In der Diskussion «Hass, Hetze, Cancel Culture» rekonstruieren die Journalistinnen Nadine Brügger und Nora Zukker den Fall «Oh Boy» und debattieren mit Donat Blum über die Herausforderungen von Queerness, Feminismus, Männlichkeit und die Dynamiken der Cancel Culture. Abschliessend lesen bei der Veranstaltung «Liebe, Lesen, Sex und Glitter» die Dichterin Liliia Zhernova, die Autoren Donat Blum und Zora del Buono ihre Texte, begleitet von einer Performance des Künstlers Mischa Badasyan, der durch seine einjährige Performance, bei der er täglich ein Date hatte, bekannt wurde. Dieser Abend wird von der queeren Literaturzeitschrift «Glitter» präsentiert, die sich seit 2017 mit viel Engagement der Förderung queerer Literatur verschreibt.

 



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