Der doppelbegabte John Elsas

Der Künstler John Elsas, 1851-1935, war ein Erwerbsleben lang Kaufmann und Börsenmakler in Frankfurt. Erst im Alter von 74 Jahren begann er Blätter in Kombination unterschiedlicher Techniken, Collagen aus Buntpapieren, Aquarell, Tusche und Knittelversen zu gestalten. Aus der Wechselwirkung des scharfen Sprachwitzes und der sprühenden Bildideen entsteht poetischer Mehrwert. Die Qualität dieser Erzeugnisse ist schon den Zeitgenossen von Elsas aufgefallen. Die Arbeiten dieses doppelt Begabten wurden von den damaligen Grössen der Kunstkritik gewürdigt und in Galerien der Avantgarde in Berlin und Paris gezeigt. In Zürich setzte sich der Architekturkritiker und Kunsthistoriker Peter Meyer für dieses erstaunliche Alterswerk ein. John Elsas bedankte sich bei Meyer in einem Brief und mit 12 Blättern, die heute im Nachlass Meyers in der ZB liegen. Dieses kleine aber wertvolle Konvolut ist einzusehen auf e-manuscripta, der Plattform für digitalisierte handschriftliche Quellen aus Schweizer Bibliotheken und Archiven.
Etwa 25’000 Bilder und Knittelverse sind in wenigen Jahren entstanden. Weder dem heuer 170-jährigen Produzenten noch seinen Schöpfungen ist ihr hohes Alter anzusehen. Eine grössere Auswahl des Werks ist ab dem 30. Juni im Strauhof, dem Zürcher Museum für Literatur, zu bestaunen, nämlich anlässlich des 80-jährigen Bestehens von Omanut, dem Forum für jüdische Kunst und Kultur. Der Verein wurde 1941 von jüdischen Emigranten in Zürich mitten im Krieg gegründet. Zum Jubiläum führt ein vielgestaltiges Programm durch das Jahr.