Burkhard Mangold (1873–1950)

Vor 150 Jahren wurde Burkhard Mangold (1873–1950) geboren. Er war eine einflussreiche Künstlerpersönlichkeit im Basel der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Heute ist er vor allem als Pionier des Schweizer Künstlerplakats bekannt. Kompositorisch war sein Schaffen bahnbrechend, weil er die Dominanz der Schrift überwand und sich auf die gegenständliche Wiedergabe des beworbenen Produkts konzentrierte, wodurch dessen Qualität und Einzigartigkeit betont wird.
Mangolds Œuvre umfasst jedoch weit mehr Gattungen als die Plakatkunst. Insbesondere in der Stadt Basel ist er mit seinen Fassadenbildern, Wand- und Glasmalereien bis heute präsent. Seine Buchillustrationen für biografische und historiografische Publikationen umfassen einen wichtigen Teil seines künstlerischen Spätwerks. Daneben entstand ein freies künstlerisches Œuvre, das Landschaften, Porträts, mythologische und religiöse Szenen, Bilder der Arbeit und Stillleben im neoimpressionistischen Stil umfasst.
Basel galt im frühen 20. Jahrhundert als das Zentrum der schweizerischen Exlibris-Kunst. Daran hatte Mangold mit seinem Schaffen entscheidenden Anteil. Dank der Zuwendungen seiner Enkelin Katharina Steffen-Mangold und der Schenkung der Exlibris-Sammlung Ruth Irlet durch ihre Nichte Annelise Zwez verfügt die Graphische Sammlung der Zentralbibliothek Zürich über einen bedeutenden Bestand dieses Zweigs von Mangolds Kleingrafik. Ein entzückendes Beispiel ist sein Exlibris im dekorativ-goldigen Jugendstil für seine Gattin Katharina. Der Künstler spielt mit der Funktion des Exlibris als Bucheignerzeichen: Die Saat der Weisheit, die in den Büchern schlummert, ist in einem blühenden Rosenstock aufgegangen, der einem offenen Folianten entwächst.
- Jochen Hesse