Bilder einer Familie – Vier Generationen Wille und Schwarzenbach
Im Jahr 2025 wurde das Familienarchiv Wille an der ZB öffentlich zugänglich und die Digitalisierung von wichtigen und besonders fragilen Dokumenten hat begonnen. Auf e-manuscripta.ch sind seither zum Beispiel Kopierbücher von Ulrich Wille oder Briefe bekannter Schriftsteller*innen an die Familie Wille einsehbar – etwa von Heinrich Heine oder Mathilde Wesendonck. Dass das Familienarchiv aber nicht nur Briefe, sondern auch visuelle Quellen bewahrt, zeigt eine kleine Ausstellung, die vom 2. bis 31. März im Lesesaal der ZB zu sehen sein wird.

Die Ausstellung Bilder einer Familie. Vier Generationen Wille und Schwarzenbach widmet sich den Fotografien und Porträts aus den Nachlässen der Familien Wille und Schwarzenbach. Beide Familien etablierten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Teil der Zürcher Oberschicht. Über mindestens vier Generationen hinweg prägten sie das gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Leben in Zürich und darüber hinaus – die Familie Schwarzenbach mit der Führung eines erfolgreichen Textilunternehmens, die Willes durch ihre Verbindungen mit deutschen Gelehrtenkreisen und den Aufstieg Ulrich Willes zum General der Schweizer Armee im Ersten Weltkrieg. Über die Heirat der Generalstochter Renée Schwarzenbach-Wille (1883–1959) mit dem Seidenindustriellen Alfred Schwarzenbach (1876–1940) waren die Familien seit 1904 auch personell verbunden.
Die Ausstellung legt den Fokus auf fünf Persönlichkeiten aus vier Generationen: Sie spannt einen Bogen vom literarisch-politischen Salon von François (1811–1896) und Eliza Wille (1809–1893), über deren Sohn, den umstrittenen Berufsoffizier Ulrich Wille (1848–1925) bis zur fotografischen Tätigkeit seiner Tochter Renée Schwarzenbach-Wille (1883–1959) und seiner Enkelin, der Schriftstellerin Annemarie Schwarzenbach (1908–1942).
Einige dieser Personen, insbesondere Ulrich Wille, wurden aufgrund ihrer prominenten Stellung in der Öffentlichkeit häufig porträtiert. Renée Schwarzenbach und ihre Tochter Annemarie standen zudem auch hinter der Kamera. Das Bildmaterial reicht daher von Selbst- zu Fremddarstellungen, von privaten Schnappschüssen zu offiziellen Porträts, von heroischen Inszenierungen bis hin zu Karikaturen. Zugleich vermitteln die Bilder Einblicke in Lebenswelten, Netzwerke und öffentliche Wahrnehmung der Familienmitglieder.
Darüber hinaus wirft die Ausstellung ein Schlaglicht auf die Vielfalt an Quellen, die sich in den Familienarchiven im Bestand der ZB verbergen. Neben dem Familienarchiv Wille und dem Firmen- und Familienarchiv Schwarzenbach bewahrt die Handschriftenabteilung der ZB nämlich zahlreiche weitere Archive von Familien, die im Raum Zürich wirtschaftlich, politisch und kulturell einflussreich und oftmals eng miteinander vernetzt waren.
Begleitend zur Ausstellung finden vier Vorträge statt. Der Literaturwissenschaftler Cord-Friedrich Berghahn beleuchtet die Netzwerke von François und Eliza Wille und ihren Austausch mit Richard Wagner. Der Militärhistoriker Rudolf Jaun diskutiert Ulrich Willes umstrittene Laufbahn anhand von Bildern. Das fotografische Schaffen von Renée Schwarzenbach-Wille wird von deren Urenkel, dem Historiker Alexis Schwarzenbach, analysiert. Den Abschluss bildet ein Vortrag der Germanistin, Literaturwissenschaftlerin und ZB-Mitarbeiterin Daniela Kohler zu Annemarie Schwarzenbachs Biografie zwischen Herkunfts- und Wahlfamilie. Jeder Vortrag wird durch einen kurzen Rundgang durch die Ausstellung ergänzt.
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Wissenschaftliche Mitarbeiterin / Handschriftenabteilung |

