Unlängst wurde der Zentralbibliothek zusammen mit weiteren Blättern die feine Rötelzeichnung von Schloss Flaach übergeben. Aus erhöhter Position blicken wir auf das Treiben in Garten und Hof. Stadt- und Landschaftsveduten dieser Art erfreuten sich seit dem 16. und 17. Jahrhundert grosser Beliebtheit. Die Zeichnung diente dem Zürcher Künstler und Verleger David Herrliberger (1697–1777) als Vorlage für eine Radierung, die er als «16tes Stuck» in seine Folge «Vorstellung Loblichen Standts Zurich Schlösser, oder so genannte ausere Vogteyen» von 1740 aufnahm. Mit diesem Verlagswerk, das Herrliberger dem Machtbereich Zürichs widmete, landete er einen Coup. Denn die Serie der Landvogteischlösser war so beliebt, dass er zwischen 1741 und 1742 mit den beiden Folgen der «Ausseren Amtheusser» und der «Adelichen Schlösser» an den ersten Erfolg anschliessen konnte. Herrlibergers Ambitionen zielten indes auf die gesamte Schweiz. Mit der «Neuen und vollständigen Topographie der Eydgnoßschaft» (1754–1777) beabsichtigte er, die «Topographia Helvetiae, Rhaetiae et Valesiae» von Mattaeus Merian (1593–1650) zu vervollständigen und zu aktualisieren. Grosse Lücken bei einzelnen Gebieten zeigen, dass Herrliberger als Alleinunternehmer die hochgesteckten Erwartungen nicht einlösen konnte.

Die topografischen Werke Herrlibergers sind wichtige kulturhistorische Zeugnisse. Ihnen zur Seite können die «Heiligen Ceremonien» und die «Ausrufbilder» gestellt werden. Erstere halten unterschiedlichste konfessionelle Gebräuche zur Zeit der Aufklärung fest. Letztere vermitteln ein Bild des alltäglichen Lebens auf Zürichs Strassen.