Zeichnen im Dienst der Geologie
Berühmt wurde der Wissenschaftler, Bauingenieur und Politiker Hans Conrad Escher (1767–1823) aufgrund seiner Verdienste im Zusammenhang mit der Linthregulierung. Systematische Rodungen im Glarner Land hatten im 18. Jahrhundert zu Murgängen und zur Sedimentierung der Linth geführt. Überschwemmungen, Versumpfung und Verlust von fruchtbarem Land sowie Malaria und Tuberkulose waren die langfristigen Folgen. 1804 erteilte die eidgenössische Tagsatzung den Auftrag zur Korrektur der Linth, die Hans Conrad Escher von 1807 bis 1811 erfolgreich umsetzte. Posthum wurde seinem Namen der Zusatz «von der Linth» als Ehrung zugedacht. Am 9. März jährt sich sein 200. Todestag.
Weniger bekannt ist sein zeichnerisches Talent, das er in den Dienst der Geognosie stellte. Die Zeichnung «Aussicht von der Scheidecke von Campo Longo» gibt den Blick frei auf die Gebirgszüge zwischen der Valle Maggia (Maynthal) und der Valle Leventina (Livinerthal). Im Bild hält Escher seinen Gehilfen Caspar Leisi beim Behauen von Gesteinsproben und sich selbst bei der Höhenmessung mit einem Barometer fest. Durch dunkle Wolken dringt fahles grünliches Licht. Kontrastreich treffen beleuchtete und im Schatten liegende Bereiche aufeinander. Hart gezeichnete Umrisse und die exakte Wiedergabe von Unebenheiten spüren geologischen Strukturen nach.
Diese Darstellungsprinzipien waren für Eschers geognostische Ansichten wichtig, wie seinem Beitrag im «Taschenbuch für die gesammte Mineralogie» (1812) zu entnehmen ist. Er setzte die geognostischen Zeichnungen von der Vedutenkunst ab, in der er ebenfalls sehr versiert war, wie beispielsweise die Ansicht von Schloss Windsor zeigt. Als Pionier wissenschaftlicher Panoramen im Hochgebirge verband er Aspekte der Vedute mit geologischer Wissensvermittlung.
– Barbara Dieterich
