Ausschnitt aus dem gedruckten Erinnerungsblatt, das Richard Wagner an die Mitwirkenden der Zürcher Wagner-Konzerte 1853 verteilte. (Bild: ZB Zürich, Autogr Bebler M)

Ohne Zürich kein Bayreuth – zumindest, was die Richard-Wagner-Festspiele auf dem dortigen «grünen Hügel» betrifft. Bayreuth feiert 2026 das 150. Jubiläum. Erstmals umgesetzt wurde Richard Wagners Festspielidee, die während seiner Zürcher Exiljahre mit den Kunstschriften und den Arbeiten am «Ring des Nibelungen» entstand, jedoch bereits im Mai 1853 in Zürich.

Nachdem Wagner drei Monate zuvor die vier soeben abgeschlossenen Textbücher des «Ring» öffentlich vorgelesen hatte, ermöglichten ihm die Zürcher Kulturinstitutionen ein Musikfest mit eigenen Werken. Finanziert durch ein Subskriptions- und Patronatssystem konnte Wagner für Orchester, Chor und Soli ausgewählte Musiker*innen nach Zürich holen. Auf die Lesungen der Textbücher des «Tannhäuser», «Holländer» und «Lohengrin» folgten drei exklusive Konzertabende, an denen Wagner einen Querschnitt durch sein bisheriges musikdramatisches Schaffen dirigierte. Das aufwändig gestaltete «Conzert Protocoll» im Archiv der Allgemeinen Musik-Gesellschaft Zürich dokumentiert die von ihm ausgewählten Stücke. Nach dem Grosserfolg seiner «Maikonzerte» verteilte Wagner ein Erinnerungsblatt an Beteiligte und Freunde. Weitere Archivperlen in der grossen Wagneriana-Sammlung der ZB (siehe z.B. auf e-manuscripta die Kollektion Richard Wagner) zeugen von diesem Anlass.

Diese ‹Festspiele avant la lettre› waren ein wegweisender Schritt für Wagners Festspielidee: Künstlerisch und organisatorisch waren im Kern die Charakteristika vorhanden, die ab 1876 die Bayreuther Festspiele an Wagners letztem Wohnort in Oberfranken prägen sollten. In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch und alles Gute für viele weitere Festspieljahre, Bayreuth!


- Eva Martina Hanke
Musikabteilung