Trouville. La plage. Zürich: [Photochrom Zürich], 1897. Print.

Sandburgen sind nicht Ihr Ding? Unsere Buchtipps entführen Sie in die Berge, in die Wüste oder ans Meer, in die Tiefen und Untiefen innerer Gegenden oder in fantastische Sphären. Verschwinden Sie ruhig vorübergehend von der Bildfläche. Wer weiss, vielleicht kehren Sie gerne zurück – zum Beispiel ins angenehm kühle Freihandmagazin der ZB, wo weitere Lektüre auf Sie wartet.



Tänzer im Taumel von Hélia Correia (aus dem Portugiesischen von Dania Schüürmann).

Durst, Hunger und die unendliche Wüste. Eine Gruppe Flüchtlinge, von Schleppern ihrem Schicksal überlassen, irrt dem Meer entgegen, das Ziel Europa vor Augen. Je mehr die Hoffnung schwindet, desto stärker übernehmen Frauen, Kinder und Alte die Initiative – so scheint es. Eine eindringliche Erzählung, scheinbar losgelöst von Raum und Zeit – und doch brandaktuell. Auch in Portugiesisch.



Die Jagd von Sasha Filipenko (aus dem Russischen von Ruth Altenhofer)

«Mama und Alexander chillen auf dem Hubschrauberlandeplatz der Jacht. Der kleine Tolja kämpft gegen Computermonster. Drei Liegen durchkreuzen das gelbe H.» Ein Thriller, der den Journalisten Anton Quint an seine Grenzen bringt. Ein Mordanschlag mit Gift, Machtspiele und die Abwesenheit jeglicher Moralvorstellungen – reicht es für ein Happyend?



Rombo von Esther Kinsky

Nicht erst mit dem Erdbeben von 1976 tun sich Risse auf im Leben der Menschen und in der Landschaft des Friaul. Kinsky stellt das Erinnern ins Zentrum ihres aus Bruch- und Fundstücken grandios zusammengefügten Sprachkunstwerks. Gegen das Vergessen und Verschwinden komponiert sie ein eindringliches Panorama der friaulischen Gesellschaft und Natur.



Die Hebamme von Edvard Hoem (aus dem Norwegischen von Antje Subey-Cramer)

Edvard Hoem schildert einfühlsam das Leben seiner Ururgrossmutter, die als Hebamme in einem abgelegenen Fjord in Norwegen arbeitete. Stina kämpft gegen Misstrauen und Armut in der Gesellschaft und hat sich zum Ziel gesetzt, Frauen zu helfen. Es geht um das Leben an sich und ums Überleben. Ein historischer Roman, der nicht nur Frauen, sondern auch Männer zu fesseln vermag. Auch in Norwegisch.



Die Tage ohne dich von Elvira Sastre (aus dem Spanischen von Anja Rüdiger).

Was eine Beziehung ausmacht und wie man eine Trennung verarbeitet, möchte Dora ihrem Enkel Gaël vermitteln. Seine Liebesgeschichte löst in ihr Erinnerungen aus: An ihre Zeit als Lehrerin während des spanischen Bürgerkriegs und an ihre eigene Liebe. Zwei kunstvoll miteinander verbundene Erzählstränge, feinfühlig und tiefgründig geschrieben. Auch in Spanisch.



Eine runde Sache von Tomer Gardi (erster Teil in «Broken German», zweiter Teil aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer)

Der israelische Schriftsteller präsentiert einen poetisch-politischen Schelmenroman, in dem zwei Künstler – ein gewisser Tomer Gardi und der indonesische Maler Raden Saleh – aus verschiedenen Zeiten durch kulturelle Räume reisen. Sie sind auf der Suche nach der eigenen Sprache und einem Platz in der Welt. Gardi tut dies mit grosser Sensibilität und anarchischem Geist, fantasievoll, subtil, nachdenklich.



Eine Nebensache von Adania Shibli (aus dem Arabischen von Günther Orth)

Ein Wüstenbuch, das mit einer wüsten Tat beginnt: Ein Beduinenmädchen wird 1949 von israelischen Soldaten missbraucht und erschossen. Jahrzehnte später zieht der Vorfall eine junge Frau aus Ramallah in seinen Bann. Die Strassen und Wege, denen sie auf ihrer Spurensuche folgt, legen sich wie das Netz einer Spinne um die Geschehnisse. Bis die Erzählerin auf absurde Weise ihr Ziel erreicht.



Not sorry von Sarah Salway

Manchmal bissig, mitunter selbstreflexiv und immer kurzweilig: Sarah Salway nimmt alltägliche Momente und zwischenmenschliche Beziehungen und stellt sie in ihren (teilweise sehr) kurzen Geschichten auf den Kopf, mit fantastischen Elementen und viel schwarzem Humor.



Im Saal von Alastalo von Volter Kilpi (aus dem Finnischen von Stefan Moster)

Gutsherr und Kapitän Alastalo will die Zukunft einfädeln. Er lädt die Männer der Gemeinde ein, um sie vom Bau einer Dreimastbark zu überzeugen. An einem einzigen Nachmittag entfaltet sich ein tausendseitiges Portrait der Schärenbewohner und ihrer Welt. Der sinnliche, sprachliche Sog des 1933 erschienenen Romans bringt Kilpi den Ruf ‘Joyce oder Proust des Nordens’ ein. Auch in Finnisch.



Borgo Sud von Donatella di Pietrantonio (aus dem Italienischen von Maja Pflug)

Zwei Schwestern, zwei gänzlich verschiedene Lebenswege, beide geprägt von einer problematischen Mutterfigur. Nur eine von ihnen hat es geschafft, ihr sozial benachteiligtes Umfeld hinter sich zu lassen. Doch zu welchem Preis? Dieser Roman kann als Fortsetzung von Arminuta, aber auch selbständig gelesen werden. Auch in Italienisch.



Der Frühling macht sich auf die Reise von Bojan Krivokapić (aus dem Serbischen von Elvira Veselinović)

«Der Morgen nach dem Regen roch nach Mittelmeer, endlich. Ansonsten gab es hier in diesem kleinen Ort an der Côte d’Azur den Piniengeruch nicht, den er so liebte, wie es ihn zum Beispiel in Istrien gab.» Die Reise mit Gregor führt über Generationen und Länder hinweg durch die Fragmente einer zerfallenden Welt, charmant und fesselnd zugleich.



Heimweh nach dem Tod. Arbeitstagebuch zur Entstehung des Romans eines Schicksallosen von Imre Kertész (aus dem Ungarischen von Ingrid Krüger und Pál Kelemen)

Ein Arbeitstagebuch? Nun, es ist weniger ein Tagebuch, es ist eher eine Sammlung von Gedanken, Gedankenfetzen, Ideen und Lebenseindrücken, welche den Roman eines Schicksallosen vorbereitet haben. Darüber hinaus ist es ein intellektuelles Hilfsmittel, um nachzuvollziehen, wie Kertész in seinem Opus Auschwitz entmystifiziert.



Geschichte des Sohnes von Marie-Hélène Lafon (aus dem Französischen von Andrea Spingler)

In zwölf Kapiteln folgt dieses schmale Buch den Mitgliedern einer französischen Familie, zwischen einem Dorf im Cantal, der Provinzstadt Figeac und Paris. Die Erzählung bewegt sich dabei zwischen 1908 und 2008 vor und zurück und lässt die Verbindungen, Eigenheiten, Träume und den Schmerz der Menschen hervortreten, ohne die Figuren Preis zu geben. Aber mit grossem Nachhall. Auch in Französisch.