Diese 15 Lesetipps aus mehr als 15 Sprachen sind bereit, in Ihren Sommer überzusetzen. Ab nach Istanbul und Kairo, Portugal, Spanien, Schweden und Finnland, ab in die Niederlande, ins Fremde und Vertraute, in die Provinz oder Metropole, in den Iran, in die jüdische Diaspora – und natürlich ins Reich der Fabeln. Lesen sie los!

Acht Särge und ein Todesfall
von Morgan Larsson (aus dem Schwedischen von Lotta Rüegger und Holger Wolandt)

Warum soll man seinen eigenen Sarg bauen? Dieser eigenartigen Frage und Herausforderung stellt sich eine Gruppe von acht völlig unterschiedlichen Menschen auf einer privaten Insel bei Schweden. Es kommt dabei zu tiefsinnigen Gesprächen und einem Todesfall. Eine perfekte Mischung aus humorvollem Krimi und Lebensphilosophie.

Shubeik Lubeik  
von Deena Mohamed (aus dem Arabischen von der Autorin)

Flaschengeister aus Getränkedosen: Die Wunschindustrie hat Kairo fest im Griff. Ein Wunschkonzert ist das Leben in dieser Graphic Novel trotzdem meistens nicht. Mit Ironie und Komik führt Deena Mohamed uns in die Kunst des Wünschens ein. Also Vorsicht, wenn es heisst: shubeik lubeik – dein Wunsch ist mir Befehl. Es könnte sein, dass er in Erfüllung geht. In Englisch.

Die letzte Tür vor der Nacht 
von António Lobo Antunes (aus dem Portugiesischen von Maralde Meyer-Minnemann)

Ein grausames Verbrechen, fünf Verdächtige, deren Lebensgeschichten aufgerollt werden, um die Tat zu rekonstruieren. Dabei geht es um Grundsätze menschlichen Handelns, die Entstehung und Dynamik von Gewalt, und wie im gutbürgerlichen Portugal damit umgegangen wird. Kein Krimi, sondern eine auch sprachlich vielschichtige Auslotung unseres Innenlebens. Auch in Portugiesisch.

The crane husband
von Kelly Barnhill

In einer Familie ohne Vater sorgt die fünfzehnjährige Tochter für Bruder und Mutter. Aus ihrer Perspektive berichtet sie, wie die Mutter eines Tages einen Gast im Haus einquartiert. – Ein Buch für alle, die keinen dicken Schinken in die Badi mitschleppen wollen und fantastischen Geschichten nicht abgeneigt sind. Und eine eindrückliche Adaption des japanischen Märchens um eine Kranichfrau. In Englisch.

Das Mädchen auf dem Baum 
von Şebnem İşigüzel (aus dem Türkischen von Gerhard Meier)

Mitten in Istanbul, mitten in der Revolution, steigt ein Mädchen auf eine Platane und kommt nicht wieder herunter. Aus dem grünen Schoss heraus beginnt sie zu erzählen: von den Frauen ihrer Familie, von den erlittenen Verlusten, vom Durcheinander, das sich um sie und in ihr breit macht und von der Schelte, die ihre Geschichte ‘unten’ wert ist. Und von einem verbündeten Jungen.

Ein jüdischer Garten  
angelegt von Itamar Gov, Hila Peleg und Eran Schaerf

Dieser literarische Garten keimt quer durchs Alphabet: In ihm verwachsen Sprachräume, Zeitalter und Kulturen zu Geschichten über Fremde und Neuanfang, Freundschaft und Anfeindung. Eine Blütenlese aus Gedichten, Textauszügen, Erzählungen und Briefen aus der jüdischen Diaspora, übersetzt aus 15 Sprachen.

tinnitus tropic – tropischer tinnitus  
von Flurina Badel (aus dem Vallader von Ruth Gantert und der Autorin)

Der tropische tinnitus von Flurina Badel ertönt nun auch auf Deutsch. Und das gleich mehrstimmig: Mit einem Augenzwinkern lassen Ruth Gantert und die Autorin die oft ironisch-spielerischen Gedichte mehrmals vom Vallader ins Deutsche überwechseln. Das passt zu dieser Lyrik und gibt spannende Einblicke in den Prozess der Übersetzung. Zweisprachige Ausgabe.

Die Mauersegler 
von Fernando Aramburu (aus dem Spanischen von Willi Zurbrüggen)

365 Tage, genau ein Jahr, will sich Toni Zeit nehmen, um seinem Leben ein Ende zu setzen. In 365 Kapiteln versucht er, ironisch-tiefgründig und nicht immer politisch korrekt, mit sich selbst und seinem Umfeld ins Reine zu kommen. Nach und nach nimmt er schreibend Abschied, verschenkt alle seine geliebten Bücher, und die Erzählung steuert ihrem Tiefpunkt entgegen – oder doch nicht? Auch in Spanisch.

Sie flogen nachts 
von Mirja Lanz

Eintauchen in die Geschichte, die eigene und jene der Familie, und in die Tiefen, die sich dadurch auftun. Eintauchen auch in die Sprache, die eigene und die fremde der finnischen Vorfahren. Eintauchen in die Natur, wo Sprache und Erlebtes lyrisch verschmelzen. Ein Roman für kurze Pausen im Alltag oder lange Lesestunden im Schatten.

Damals im Tessin 
von Andrea Fazioli (aus dem Italienischen von Barbara Schaden)

Privatdetektiv Elia Contini hat einen persönlichen Fall zu lösen: das spurlose Verschwinden seines Vaters vor 20 Jahren, als sein Heimatdorf für ein Staudammprojekt geflutet wurde. In der scheinbaren Idylle des ländlichen Tessins deckt er finanzielle Verstrickungen auf höchster Ebene auf. Und muss sich dabei mit den Schatten seiner eigenen Vergangenheit auseinandersetzen. Auch in Italienisch

Salomés Zorn 
von Simone Atangana Bekono (aus dem Niederländischen von Ira Wilhelm)

Wie können Gewalt und Verachtung überwunden werden? Eine junge Frau setzt sich zur Wehr und wird mit ihrer eigenen Wut und Feindseligkeit konfrontiert. Sie lernt, einen Weg aus dem Zorn zu finden. Bekonos Debüt ist ein eindringlicher Bericht über Rassismus und darüber, wie sich alltägliche Diskriminierung anfühlt. Auch in Niederländisch

Jerusalem Ecke Berlin. Erinnerungen 
von Tom Segev (aus dem Hebräischen von Ruth Achlama)

Tom Segev, ein Vertreter der Neuen Historiker, präsentiert in seinem neuesten Buch mit selbstkritischem Blick seine persönlichen Erinnerungen. Wie Amos Oz’ berühmte Geschichte von Liebe und Finsternis erzählt die Autobiografie durch die Familiengeschichte hindurch auch die Geschichte Deutschlands und Israels.

L’automne est la dernière saison 
von Nasim Marashi (aus dem Persischen von Christophe Balaÿ)

Gehen oder bleiben? Die Möglichkeit des Exils durchweht die iranische Gesellschaft und die Leben von Leyla, Shabaneh und Rodja. Das dreiteilige Portrait zeigt die Hoffnungen, Enttäuschungen und eigenen Widersprüche der Frauen. Und da ist noch etwas: «Die iranischen Leser:innen lesen, was nicht im Buch steht», sagt die Autorin über die Kunst des Impliziten und die (Auto-)Zensur. In Französisch.

Zweithorn 
von István Orosz (aus dem Ungarischen von P. Dietlinde Draskóczy)

Labyrinthe, Irrgärten, verzerrte Spiegel, die einen von überall her spöttisch anblitzen. Das Grundgefühl dieser Novellen? Verloren zu sein in Raum und Zeit. Dabei begegnen wir uns selbst: Manchmal einem älteren Ich, manchmal im virtuellen Raum. Tolle Kurzgeschichten und zugleich ein intellektuelles Spiel.

 - Liaison Librarians für Literaturen und Sprachen