Twisck, Pieter Jansz: Religions Vryheyt. Een korte Cronijcsche beschryvinghe van die Vryheyt der Religien/ tegen die dwang der Conscientien/ ghetrocken wt veel verscheyden Boecken/ van Christus tijt af/ tot den jare 1609, [Hoorn] 1609. Signatur: III O 250 (mit handschriftlichem Besitzvermerk des Zürcher Theologen Johann Heinrich Ott)

Die Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht. Dennoch herrschte und herrscht an vielen Orten der Welt Intoleranz. Seit dem 16. Jahrhundert kämpften in Europa religiöse Nonkonformisten und wenige Vertreter der Grosskirchen für dieses Freiheitsrecht. Einer von ihnen war Pieter Jansz Twisck aus der niederländischen Staat Hoorn: Er veröffentlichte 1609 ein Buch über die «Religions Vryheyt», in welchem er verschiedene Kirchenväter, mittelalterliche Autoren und vor allem reformatorische Stimmen zitierte. Mit diesen Belegen wollte er der Leserschaft klar machen, dass religiöse Toleranz ein aus der Bibel abgeleitetes Gebot sei und dem Staat durch Glaubens- und Kultusfreiheit keine Nachteile entstünden.

Twisck übernahm für sein Buch dieselben Reformatorenzitate, die auch in einer früheren Petition an die Regierung von Zürich vorkommen. Sowohl er als auch der unbekannte Verfasser dieses Zürcher Textes in der Handschrift Ms. B 123 waren Täufer. Die Täufer sind eine religiöse Minderheit, die ihren Ursprung in Zürich hat und die nicht Säuglinge, sondern mündige Personen aufgrund ihres persönlichen Bekenntnisses tauft. Die Täufer leben heute unter dem Namen Mennoniten in vielen Ländern der Welt.

Täuferische und andere Verfechter der Religionsfreiheit verlangten nicht eine blosse Duldung ihrer Religionsgemeinschaft, sondern wiesen vielmehr darauf hin, dass die eingeforderten Freiheitsrechte einer höheren Quelle entstammen würden. Menschliche Autoritäten könnten diese Freiheiten weder zugestehen noch entziehen, sondern nur durch Unterdrückung verletzen.

Christian Scheidegger
Alte Drucke und Rara