Ein Rundgang durch die ZB ist immer auch eine kleine Zeitreise: Wer das Haus betritt, bewegt sich durch mehrere Jahrhunderte Zürcher Kultur‑, Bildungs‑ und Architekturgeschichte. Die ZB ist ein Wissensort, der jährlich fast eine Million Menschen anzieht und dessen Bestände mit über 7,5 Millionen Objekten zu den umfangreichsten der Schweiz gehören.

Seit wenigen Monaten gibt es ein neues Angebot: Die einstündige öffentliche Führung «Geschichte und Architektur der ZB» geht der Frage nach, wie aus einer Idee eine Institution wurde, die das geistige Gedächtnis einer ganzen Region prägt. Ihre Geschichte lässt sich auch an ihrer Architektur ablesen.

Die Wurzeln der ZB reichen ins frühe 20. Jahrhundert zurück, als die Stadt und der Kanton Zürich ihre verstreuten Sammlungen bündeln wollten. 1917 wurde der markante Altbau am Zähringerplatz eröffnet – ein repräsentatives Gebäude des Kantonsbaumeisters Hermann Fietz, das bis heute den Haupteingang bildet. Hinter seinen Mauern befinden sich einige Räume, die noch mit ihrer bauzeitlichen Ausstattung erhalten sind und bald restauriert werden sollen.

Wer die Führung besucht, erlebt, wie sich die ZB über die Jahrzehnte räumlich weiterentwickelt hat. In den 1990er Jahren erhielt der Altbau einen modernen Gegenpart: den Publikumstrakt der Architekten Alex und Heinz Eggimann. Lichtdurchflutete Räume, klare Linien und grosszügige Arbeitsbereiche prägen diesen Teil der Bibliothek. Hier befinden sich der grosse Lesesaal, die Turicensia Lounge und die unterirdischen Büchermagazine – ein logistisches Herzstück, das täglich Tausende von Medienbewegungen ermöglicht. Drei der historischen Spezialsammlungen (Handschriften, Alte Drucke und Rara, Graphische Sammlung und Fotoarchiv) haben im 2. Stock eine vorübergehende Heimstatt gefunden, bis sie in den sanierten Altbau zurückkehren können.

Der älteste Gebäudeteil der heutigen ZB ist der Predigerchor, dessen hochgotische Architektur aus dem 14. Jahrhundert mit der Musikabteilung und der Sammlung Karten und Panoramen viele weitere Schätze beherbergt, die Forschende wie Neugierige gleichermassen faszinieren. In der «Schatzkammer», dem Ausstellungsraum im Erdgeschoss, werden regelmässig besondere Bestände und ihre Geschichte präsentiert.

	Blick in den 2. Stock des Lesesaals im Neubau mit Wendeltreppe zur Zeitschriftengalerie, Seite Mühlegasse. Aufnahme von 1996 (Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich).

	Blick von der Zeitschriftengalerie in den 2. Stock des Lesesaals im Erweiterungsbau, Seite Mühlegasse. Aufnahme von 1996 (Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich).












Die monatliche Führung gibt nicht nur Einblick in die Vergangenheit, sondern zeigt auch, wie die ZB heute organisiert ist, wie Medien aufbewahrt, erschlossen und zugänglich gemacht werden und wie analoge und digitale Angebote ineinandergreifen. Besucherinnen und Besucher erfahren, wie aus historischen Beständen moderne Forschungsressourcen werden und welche Rolle die Bibliothek in einer zunehmend digitalen Wissenswelt spielt.

Die Teilnahme an der Führung ist kostenlos und richtet sich an alle, die mehr über die Geschichte, Architektur und Arbeitsweise der ZB erfahren möchten. Ob man die ZB bereits regelmässig nutzt oder sie erst entdecken will – der Rundgang bietet neue Perspektiven auf eine zentrale Zürcher Institution, seit über 100 Jahren am selben Ort.




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