Die Schweiz hat das Beste aller Klimata der Welt!
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Johann Jakob Scheuchzer (1672–1733) zum 350. Geburtstag
Heutzutage sind das Weltklima und die Erwärmung der Erde in jedermanns Mund, was vor wenigen Jahrzehnten nicht der Fall war. Noch in den in 1970er Jahren wurde diskutiert, ob wir auf eine Klima-Erwärmung oder auf eine Abkühlung zusteuern. Diese Frage hat sich mittlerweile von selbst beantwortet. Interessant ist, dass der am 2. August 1672 in Zürich geborene Universalgelehrte Johann Jakob Scheuchzer als erster barometrische Höhenmessungen in der Eidgenossenschaft vornahm und in seiner Heimatstadt meteorologische Daten mittels Barometer, Thermometer und Pluviometer erhob. Er versuchte sogar, ein Netzwerk zur Sammlung von Wetterdaten aufzubauen, um der Wettervorhersage auf die Spur zu kommen. Eine von vielen Früchten dieser Bemühungen war die Errichtung der ersten alpinen Wetterstation der Welt auf dem Gotthard-Pass.
Als Anhänger der von Gottfried Wilhelm Leibniz formulierten prästabilierten Harmonie war er der Überzeugung, dass Gott das Wetter in der Schweiz optimal eingerichtet habe. Wäre es wärmer oder kälter, so hätte es unabsehbare Folgen für Mensch und Umwelt. Im geradezu modernen Sinn erklärt er 1716 die Konsequzenzen, die eine Erwärmung hätten (Helvetiae stoicheiographia, Zürich 1716, S. 34): «Von jenen hohen Eis- und Schneegebirgen kommet / … die Fruchtbarkeit der Alpen / und tieffer ligenden Thäleren / grosse Flüsse / eine unzehliche Menge Bäche / und Brünnen. Wann jene sollten zerschmilzen / so werden diese überlauffen / und mit solcher Gewalt ab denen Gebirgen sich hinunter stürzen / daβ die untenliegende Thäler / und flache Länder darvon überschwemmet / mit Steinen und sandichten Schleim überführet / und die schönsten Matten und Äcker zugrund gerichtet werden / wie wir diβ erfahren / und beklagen / wann etwan die Wasser durch anhaltende Hitz / oder starke Platzregen über die massen anlauffen / und etwan ganze Dörffer in Gefahr eines gänzlichen Untergangs gerahten: die Flüsse wurden überall ihre Gränzen überschreiten / und nicht nur uns Schweitzeren / sondern auch tiefferliegenden Franzosen / Teutschen und Italiänern einen entsetzlichen Schaden zufügen. … Wann einmahl unsere hohe Alpfirsten vom Schnee entblösset / so werden die Flüsse / und Bäche / und Brunnen vertroknen / die dürstenden Gewächse und Thier ihrer Nahrung und Wassers beraubet / und unsers fruchtbare glükliche Schweitzerland in kurzer Zeit verwandelt werden in ein wüstes / sandichtes Arabien.»
Scheuchzers meteorologische Aufzeichnungen und die anderer Gelehrter schlummern weitgehend unbeachtet in den Beständen der ZB. Es gibt keine andere Schweizer Stadt, in der Wetterdaten seit dem 16. Jahrhundert vorliegen, die sich fast lückenlos bis in die Gegenwart ziehen und die der wissenschaftlichen Untersuchung harren.