Signatur: ZBZ, FA Escher vG 210b.121.I.12 (erste Seite).Als die Schriftstellerin und wissenschaftliche Publizistin Ricarda Huch (1864–1947) im Februar 1904 den hier gezeigten Brief an Hermann Escher (1857–1938), den Ersten Bibliothekar der Stadtbibliothek Zürich, schrieb, lebte sie schon nicht mehr in Zürich. 1887 kam sie mit 23 Jahren in die Stadt, wo den Frauen die Universität offenstand. Sie studierte Geschichte, wurde 1891 promoviert, unterrichtete danach an der Höheren Töchterschule und arbeitete in der Stadtbibliothek, worüber Jean-Pierre Bodmer in «Aus Zürichs Bibliotheksgeschichte» berichtet.

Ricarda Huchs Brief, in dem sie um die erste Ausgabe von Gottfried Kellers Roman «Der grüne Heinrich» bittet, ist nebst anderen auf unserer Digitalisate-Plattform e-manuscripta.ch publiziert, dort liegt er auch als Transkript vor. 1904 schrieb Huch gerade an einem Essay über den von ihr sehr geschätzten Dichter, den sie manchmal den Zeltweg entlanggehen gesehen hatte. Sie folgt darin Kellers Frauenbild oder besser Frauenbildern, die in der Literatur seiner Zeit von seltener Differenziertheit waren, wie sie im Einzelnen darstellt. Der Aufsatz erschien noch im selben Jahr und ist inzwischen auch online zu lesen.

Vierzig Jahre nach ihrer Ankunft in Zürich hielt Ricarda Huch Rückschau auf jene Zeit in ihrem Buch «Frühling in der Schweiz», das 1938 erstmals erschien. Die Autorin Ute Kröger hat letztes Jahr im Limmat-Verlag diese hinreissenden Erinnerungen neu herausgegeben.                                               

- Chris Bünter